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14.08.2009

Die neue Ich-kann-Schule: 4. Der Gegensatz von Unterrichten und Lehren

UNTERRICHTET hat früher der Kaiser oder der General seine Soldaten: Er stand oben und sie mussten sich unten nach ihm richten, das ist Unterricht. Auch in der Schule habe ich noch 1960 meinen Lateinlehrer hinter dem Katheder erlebt, das erhöht auf einem Podest stand. Nun muss man sich nur einmal die Halswirbelsäule eines Menschen anschauen, der dauernd zu einem anderen aufschaut: sie ist abgebogen bis abgeknickt. Das bedeutet: erschwerte Energie- und Blutzufuhr zum Gehirn. Das Ziel der Unterrichtung ist mitnichten, dass der Mensch klüger wird. Auch dass der Mensch etwas LERNT, ist keineswegs der Zweck der Unterrichtung. Wehe wenn der Soldat die Augen offen hat und sieht, dass dem Herrn General das Hosentürl offensteht, und wenn ihm als Zeichen seines Lernzuchwachses und seiner Erkenntnis auch nur ein Lachen auskommt! Mein Lateinlehrer von 1960 ist längst gestorben und in dem Klassenzimmer steht kein Katheder mehr auf dem Podest. Die Möbel wurden ausgetauscht - ohne dass irgendjemand bewusst geworden wäre, was sie bedeuteten. Und das bedeutet, dass IM UNBEWUSSTEN in uns allen noch alles so ist wie vor hundert und mehr Jahren. Weder wurden die alten Grundeinstellungen erkannt noch wurden die Lebensgesetze bewusst, nach denen wir ihnen folgen müssen. Und folglich folgen wir ihnen alle immer noch. Und das klappt vor allem deswegen so vorzüglich, weil uns nicht bewusst ist, dass es uns unbewusst ist. Mit dem UNBEWUSSTEN hat es die moderne Pädagogik nicht. Im Unbewussten liegen die POTENTIALE und wenn die entdeckt würden, dann könnte man ja POTENT werden. Das ist natürlich eine Horrorvorstellung für eine impotente Pädagogik, dass jedes kleine Kind auf einmal potenter sein kann als sie. Und deshalb wird sie uns - versteht sich: nur zu unserem Besten - auch weiterhin bestens unterrichten. Burnout, Erschöpfung, Depression, Sinnleere, .... - die Ich-kann-Schule unterrichtet nur in ganz wenigen Fällen, ihr Ziel ist es, die Potenzen zu entdecken, zu entfalten, zu entwickeln, sie zum Wachsen zu bringen und den Menschen AUFzurichten. Das geht natürlich nicht, indem man immer noch perfektionistischere Schablonen für ihn maßschneidert und ihn zwingt, sich in diese einzufügen. Leben ist doch, geradezu über alle Schablonen, ja, über sich selbst, hinauswachsen. In einer Welt, die nur noch aus vorgefertigten Schablonen besteht und wo man stets verkehrt ist, wenn man sich nicht in die richtige richtig eingefügt hat, wird das Leben hoch neurotisch. In einer Welt, wo der einzelne mit seinen Kräften EINS ist, wo er seine Talente erkennt und versteht, sie pflegt und verehrt, ist das Leben lebendig. In dieser Welt steht nicht das Müssen sondern das KÖNNEN im Mittelpunkt. Ein Ich-kann-Schule-Lehrer weiß, dass sich LERNEN + LEHREN von germ LAISTI = DIE FÄHRTE ableitet. Beides ist innig miteinander verbunden und nicht - wie in der Du-musst-Schule ein Gegensatz. Ein wirklicher LEHRER muss erst einmal ein LERNER sein, das heißt, er muss selber interessante FÄHRTEN des Lebens verfolgen und dabei ErFAHRungen sammeln. Wenn ihn das so fasziniert, dass andere darauf aufmerksam werden und ihm VON SICH AUS FOLGEN wollen, dann wird er zum LEHRER indem er auf einer interessanten Fährte des Lebens mit mitreißendem Beispiel vorausgeht. Das wird dann für alle eine lebendige ErFAHRung voll Interesse und Freude und nicht voll Quälerei. Und in dieser belebenden Qualität wird es dann auch im Gedächtnis gespeichert und in eben dieser Qualität auch erinnert. Unterrichten macht Druck, verschleißt und blockiert Kräfte, erniedrigt und macht krumm und gebeugt und schränkt die Wahrnehmung ein; Lehren macht SOG, befreit und pflegt und stärkt die Lebenskräfte, es richtet auf und erweitert den Horizont und das Interesse am Leben. Unterricht ist ein Wort, das es nur im Deutschen gibt. In anderen Ländern bekommt man z.B. Lektionen - das bedeutet Er-Lesenes. Suum cuique - jedem das Seine? Ich grüße freundlich. Franz Josef Neffe

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