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22.10.2009

Die neue Ich-kann-Schule: 5. Warum kann es das Kind zu Hause und in der Schule nicht?

Otto geht in die 4.Klasse; das Rechtschreibfehlerschreiben beherrscht er gut, besonders in der Schule. Seine Mutter glaubt an ihn und übt mit ihm zu Hause; da kann er es dann. Am nächsten Tag beim Diktat in der Schule schreibt Otto wieder alles verkehrt. Warum? Was steckt da dahinter? Kann er es oder kann er es nicht? Ist Fehlerschreiben nicht auch eine - große und unverstandene - Kunst? Was konkret können überhaupt die, die es können sollten: die bezahlten Pädagogik-Profis? Ottos Mutter kommt in die Sprechstunde, um sich für ihr Kind stark zu machen und einzusetzen. Müssen sich Laien-Mütter bei Profi-Lehrern für die Talente ihrer Kinder stark machen? Normalerweise, so sollte man meinen, müsste doch der Profi mit seinem viel größeren Wissen der Mutter die Perspektiven zeigen können, ihr Mut machen und sie und ihr Kind stärken. "Ja, Ihr Sohn ist da schwach" sagt der Herr Lehrer - als ob sie das nicht selber wüsste! Und was schlägt der Profi nun zur Stärkung vor? Er muss mehr üben! Genial - man spürt schon, wie die Stärke kommt davon! Die Mutter versucht, Terrain zu gewinnen: "Wir üben ja, und zu Hause kann ers doch!" wagt sie sich vor - inzwischen ist schon fast ein kleines Gefecht aus dem Gespräch geworden. "Aber in der Schule kann ers nicht!" Rrrrumms, wird -pädagogisch fachgerecht - der Faden zerschnitten, an dem das Damoklesschwert hing; es saust runter und trifft voll ins Herz. Mit suggestiver Wucht und Wirkung. Die Mama ist verletzt, darf es aber nicht zeigen. "Keine falschen Hoffnungen machen" heißt dieses Etikett des pädagogischen Barbarismus. Als ob es je eine falsche Hoffnung gegeben hätte! Man muss sich das einmal klar vor Augen stellen: Da sagt eine Mutter im Klartext: "Ich, Mutter und pädagogischer Laie, habe zu Hause etwas erreicht, was Du, von meinem Steuergeld bezahlter, pädagogischer Profi nicht kannst: MEIN KIND KANN ES." und dann interessiert sich dieser "Profi" kein Bisschen für dieses ERFOLGSBEISPIEL sondern lässt einfach das Fallbeil pädagogischer Ignoranz heruntersausen und köpft den Erfolg sogleich zu Tode: "Aber in der Schule kann ers nicht!" Das ist StaatsGEWALT im UNTERrichtsVOLLZUG. Beim Unterrichten wird man nach unten gerichtet. Aus der Perspektive der neuen Ich-kann-Schule sind Ursache und Wirkung gut zu erkennen und zu verstehen: Die Mutter ist mit Leib und Geist und Seele am KÖNNEN ihres Kindes interessiert; deshalb lernt ihr Kind bei ihr alles in der QUALITÄT KÖNNEN. Der "Profi-Pädagoge" kämpft in diesem Fall sogar vehement für das NICHT-KÖNNEN des Kindes; folglich lernt das Kind bei ihm alles noch einmal in der QUALITÄT NICHT-KÖNNEN. Diese hoch entscheidenden Sachverhalte und Wirkungszusammenhänge bleiben allen Beteiligten UNBEWUSST. In der Du-musst-Schule kommt das UNBEWUSSTE praktisch nicht vor; bei allen Problemen werden nur "die [U]bewussten [/U]Anstrengungen [U]verdoppelt[/U]" und damit das geistig-seelische System noch mehr aus dem Gleichgewicht gekippt. Die Pädagogik selbst ist genau deswegen der mit großem Abstand größte Verursacher und Vergrößerer der Probleme. Die Lösungs dieses Problems - bei dem die Mutter ja bereits erfolgreich war - kann nur darin bestehen, dass die Pädagogen von ihrem hohen Ross ganz heruntersteigen und erst einmal von da unten, wo sie tatsächlich sind, ihre Anerkennung und Achtung zu der Mutter und ihrem Kind [U]hinaufgeben[/U]. Diese Anerkennung stärkt nicht nur den Menschen sondern ganz spezifisch die TALENTE. Otto wird ein guter Rechtschreiber dadurch, dass wir seine Rechtschreibtalente stärken und pflegen, und nicht dadurch, dass wir sie fortwährend auf möglichst sadistische Weise misshandeln. Alles, was wir sagen und tun und was wir denkend ausstrahlen, stärkt oder schwächt die Entwicklung, die wir brauchen, und ihre Kräfte. Es gibt nichts, womit wir nicht suggestive Wirkung hätten. Diese Wirkung ist immer sofort zu spüren, und wenn wir uns schlecht fühlen, dann müssen WIR UNS ändern, damit wir eine andere Wirkung und damit Einfluss bekommen. Und wenn wir uns selbst nur noch schlecht fühlen, dann heißt das auf Deutsch, dass WIR bisher alles verkehrt gemacht haben - ganz unabhängig davon, was andere verkehrt machen. Welch eine Entscheidungshilfe für Umkehr! In meinem IKS-Buch habe ich nebeneinander gestellt, wie Lehrer-Elterngespräche üblichgerweise ablaufen und wie das im Geiste der IKS geht. Als Lehrer fange ich dann zu sprechen an, wenn ich der Mama eine gute Entwicklung der Talente ihres Sohnes zeigen kann. Ich zeige ihr genau, wie fein die Talente ihres Kindes sind und wie sie auf meine Angebote reagiert haben. Ich zeige ihr, was die Talente nach vorne und oben zieht, und dann darf sie sich auch was einfallen lassen, was ZIEHT. Dann ziehen wir nicht alle zusammen am selben Seil sondern: das Seil zieht uns genau dahin, wo wir es wünschen. So gehört es sich, wenn es stimmt. Ich wünsche guten Erfolg. Franz Josef Neffe

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