Newsticker

Trotz steigender Infektionszahlen: Kliniken halten wenige Intensivbetten frei
  1. Startseite
  2. Community
  3. Leserblogs
  4. Heidelore
  5. 4. Juli 1954 - das Wunder von Bern

04.07.2010

4. Juli 1954 - das Wunder von Bern

heute vor 56 Jahren, vor einem halben Jahrhundert . . . über alles wird diskutiert, über Gott und die Welt, über die eigenen Gebrechen und die des Nachbarn, über Merkel und Guttenberg, über Käßmann und Mixa usw . . . und jetzt natürlich über Fußball. Sie sind auf dem Laufenden, die Senioren. Sie interessieren sich für alles, haben für alles eine eindeutige Meinung und vergleichen das Heute mit dem Gestern und hoffen auf den Morgen. Ein Ausflug mit älteren Menschen ist ein ganz besonderes Erlebnis . . . Sie essen und trinken zusammen, sie lachen und schimpfen gemeinsam. Ja, die gute alte Zeit, davon träumen sie alle: nicht leicht hatten wir es früher, viel mussten wir arbeiten, viel mehr als die Jugend von heute und wir waren glücklich und zufrieden . . . so glauben sie . . . Sie suchen nach Lösungen, stellen Prognosen - und manche Idee ist garnicht so schlecht. Sie sind meist keine Studierten - aber sie haben Lebenserfahrung. Und das Heute? Ja, auch damit sind sie zufrieden, denn es bleibt ihnen nichts anderes übrig. Es zählt jeder Tag und der muss bewußt gelebt werden, denn wer weiß, was der Morgen bringt. Mancher lebt allein, hat seinen Partner schon zu Grabe begleitet. Das ist das Schlimmste was im Alter passieren kann. Bei diesen Gesprächen kann die Politik nicht mehr mithalten - da sind die Erinnerungen an den Partner das wichtigste Thema. Das war ihr Leben, zumindest der größte Teil davon. Sie sind in ihren Häusern geblieben, die Alten auf dem Land, nur eben einen Stock höher gezogen. Unter ihnen wohnen die Kinder und Enkel. Oft geht es gut, das nahe Zusammenleben - oft aber auch nicht. Die meisten fahren noch mit ihrem Auto, denn das Laufen fällt schwer. Was sagt ein Senior? "WENN ich mein Auto hab, meist fahren die Enkel damit..." Ja für die Enkel tun sie alles. Vor dem was auf uns alle noch zukommt, haben sie eine innere Unruhe, Angst. Sie machen sich Gedanken um die Zukunft ihrer Kinder und Kindeskinder, wenn sie auch nicht immer darüber sprechen. Aber jetzt ist Fußballzeit und das lenkt ab vom Alltag. Das Fußballfieber ist ausgebrochen. Die Medien sind voll von den Berichten von den Spielen und von den Spielern ansich. . . über die Legenden aus der guten alten Zeit. Wie klingt das noch heute in meinen Ohren "Tor - Tor -Tor . . . Rahn schießt - und Tor - Tor - Tor" Das Wunder von Bern 1954 , 3:2 gegen Ungarn. Ja unser Sepp Herberger - ich war damals 14 Jahre jung. Fernsehen hatten wir noch nicht, aber das Radio und das war enorm wichtig. Dieser Tag ist mir in starker Erinnerung - der 4. Juli 1954. Es war ein warmer Sommertag. Alle Fenster in den Strassen standen offen. Alle Ohren hingen an den Radios - und zwischendurch immer wieder ein Stöhnen - ein Aufschrei - ein banges Zittern - und dann die Erlösung "Tor -Tor - Tor" . . . ja unser Sepp Herberger . . . Eigentlich genau wie heute - und doch ein bißchen anders . . .

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren