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15.11.2012

Der "Candy-Storm" und eine grüne Feuerwehrcouch

In dieser Woche haben wir die beiden regionalen Bewerber für den Titel Unesco-Weltkulturerbe prominent auf Seite Drei unserer Zeitung vorgestellt:  Die S chlösser von Ludwig II. und die eher unscheinbare historische Augsburger Wasserwirtschaft.

Man muss zugeben, die prächtigen Königsburgen Neuschwanstein, Linderhof und Herrenchiemsee machen viel her. Millionen Besucher aus aller Welt haben sie bewundert. Dagegen sieht man beispielsweise im Augsburger Siebentischwald bislang selten japanische Touristen, die sich vor dem Hochablass oder dem alten Wasserwerk fotografieren lassen. Selbst nachdem meine Kollegin Nicole Prestle das Wasserprojekt mit so viel Leidenschaft beschrieben hat.

Greater Augsburg braucht also viel Glück, gute Argumente und starke Befürworter, wenn es nächstes Jahr auf der endgültigen nationalen Unesco-Bewerberliste stehen will. Hoffnung macht ein Blick auf die bestehenden 37 deutschen Welterbestätten. Schlösser, Burgen, Klöster, Kirchen und andere alte Gemäuer gibt es über 20. Mit der Oberharzer Wasserwirtschaft ist aber nur ein mit Augsburg vergleichbares Projekt gelistet. In jedem Fall würde eine Entscheidung für Augsburg und der danach erwartete touristische Aufschwung die Kassen in der gesamten Region klingeln lassen. Also Daumen drücken.

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Auch unsere Online-Redaktion hat häufig gute Ideen. Eine ist das Projekt “Die grüne Couch”. Wo auch immer es in der Region (thematisch) brennt, rücken Nina Kaimer oder Ina Kresse aus und diskutieren vor der Kamera mit den Menschen. Die Redakteure berichten dann im Lokalteil über die Debatte am Brennpunkt. Und das Online-Portal veröffentlicht ein Video mit den interessantesten Stimmen.

In dieser Woche diskutierte Ina Kresse in Mering  mit Bürgermeister Hans-Dieter Kandler und mehr als 50 Lesern über den umstrittenen Abriss der dortigen Sportgaststätte. Die Reporterinnen saßen mit ihrer Couch schon auf dem mangelhaften Pflaster der  Augsburger Maximilianstraße oder mit dem Graffiti-Maler der Augsburgblume auf dem Rathausplatz. Wenn es in Greater Augsburg brennt, kommen die Damen mit ihrer grünen Feuerwehrcouch. Wenn das keine gute Idee ist.

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Bundespolitisch haben gleich zwei starke Augsburger Frauen zuletzt für Aufsehen gesorgt. Die FDP-Bundestagsabgeordnete Miriam Gruß hat - anders als andere - nicht gegen ihre Überzeugung für das Betreuungsgeld gestimmt. Sie enthielt sich der Stimme, obwohl die FDP-Fraktionsspitze von ihren Abgeordneten Ja-Stimmen einforderte. Mit Nein wollte die Augsburgerin aber offenbar auch nicht votieren. Zuviel Ärger kann eine innerparteiliche Laufbahn bremsen. Und am Wochenende geht es für sie um einen aussichtsreichen Platz auf der bayerischen FDP-Bundestagsliste.

Die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth (ebenfalls Augsburg) ließ sich von der schweren Niederlage bei der Urabstimmung über die grünen Spitzenkandidaten bei der Bundestagswahl 2013 nicht entmutigen. Die gelegentlich schrille Politikerin stellt sich am Wochenende wieder als Parteivorsitzende zur Wahl. Das ist gut so. Denn so viele bundesweit bekannte Politiker finden sich nicht in Greater Augsburg.

Zudem etablierte die wortgewandte Grüne den "Candy-Storm" in der politischen Debatte. Dieser "Süßigkeiten-Sturm" soll den vielen Zuspruch politischer Freunde ausdrücken, den sie nach ihrer herben Niederlage über die digitalen Medien SMS, Twitter und Facebook erhielt. Die  wunderbare Wortschöpfung definiert endlich einen gegensätzlichen Begriff zu dem in den sozialen Medien des Internets so gefürchteten "Shit-Storm". Und diesen hässlichen Anglizismus muss man nun wirklich nicht übersetzen.

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