07.06.2013

Der Streit um unser Leben

Endlich Sonne! Die gefühlte Sintflut der vergangenen Tage wich einem Wetter, das ein schönes Leben ermöglicht. Auch jenseits der eigenen vier Wände. Doch wer in Greater Augsburg die Frage aufwirft "Wie wollen wir eigentlich leben?", der findet keine eindeutigen Antworten.

Die Entwicklung von Verkehr, Kultur, Erholungsräumen, Nahversorgung oder sozialer Verantwortung ist vor allem eines: bis zur Verbissenheit umstritten. Die Interessen unserer vielfältigen Interessen-Gesellschaft stoßen sich hart im Raum.

Eine – unvollständige - Aufzählung: In Augsburg tobt aktuell ein Streit über die Renaturierung des Stempflesees im Siebentischwald. Die Fehden um die Neugestaltung der Innenstadt und den Umbau des Verkehrsknotenpunktes Königsplatz schwelen weiter. In der Stadt wird um jede Pappel gekämpft.

Anwohner der Prachtmeile Maximilianstraße hadern mit den "Partysanen", die dort - oft zu laut – feiern. Und die Kulturbürger disputieren darüber, wie stark das Stadttheater in die Pflicht genommen werden darf, wenn es darum geht, die wachsende Zahl der Migranten kulturell zu integrieren.

In Gersthofen spaltet die Entwicklung der dortigen Mitte die Stadtgesellschaft. Es geht um ein neues Einkaufszentrum, die Verkehrsführung und die Aufwertung des nahen Bahnhofareals. In Friedberg torpedieren Nachbarn den Umbau des Schlosses zu einem viel frequentierten Kulturtempel. Im Naherholungsgebiet Friedberger Au ist der Ausbau eines Schweinemastbetriebes mit seinen unangenehmen Ausdünstungen umstritten.

In Mering geht es um die innerstädtische Straßenverkehrsführung. In Schwabmünchen sind die Menschen zu recht unglücklich mit der schlechten Bahnanbindung an Augsburg. Und in vielen Städten und Gemeinden wächst der Widerstand gegen neue Sammelunterkünfte für Asylbewerber, die mal tatsächlich vom Leben Betrogene und mal Wirtschaftsflüchtlinge sind.

Wo Menschen unterschiedlichen Alters, Interessen, sozialer Herkunft oder kulturellen Ansprüchen zusammenleben, wachsen die Konflikte. Je urbaner die Kommune ist, desto wuchtiger ist der Disput.

Sind die Streitfälle in Greater Augsburg nun überdurchschnittlich heftig? Nein, auch wenn es manchmal den Eindruck macht. Auch in anderen Regionen diskutieren die Menschen über die Entwicklung ihrer Lebensräume. Das ist gut so, weil Bürgerengagement ein Beleg gesellschaftlicher Teilhabe ist.

Vielleicht liegt die gefühlte Verbissenheit der Debatten ja an der hohen Lebensqualität unserer Region. Wo die Fallhöhe groß ist, haben die Menschen viel zu verlieren. Augsburg ist eine in vieler Hinsicht attraktive Stadt, auch das Umland bietet eine wunderbare Lebensqualität. Die Kultur- und Event-Metropole München ist nah. Wir sind verwöhnt. Wo wir leben, verbringen andere ihren Urlaub. Schönes Leben hier. Und die Sonne dieser Tage macht das noch deutlicher.

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