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25.11.2011

Die Chancen des wirtschaftlichen Umbruchs in Greater Augsburg

Es sind keine guten Schlagzeilen, die dieser Tage zu lesen sind, wenn es um die Augsburger Wirtschaft geht. Die Ökonomie befindet sich im Umbruch. Und die Region Augsburg wird nicht zum ersten Mal von dem Wandel getroffen.

Als es in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts billiger wurde, Stoffe und Kleidung von Niedriglohn-Arbeitern in Asien produzieren zu lassen, da begann der Niedergang der deutschen Textilindustrie. Augburg war eine Hochburg dieses Gewerbes. Das deutsche Manchester wurde die Stadt genannt. Dann kam die Globalisierung. Augsburg verlor mehrere tausend Arbeitsplätze. Wo einst Webstühle ratterten, erinnern heute nur noch einige Industriedenkmäler an diese wirtschaftliche Blütezeit - sowie das 2009 eröffnete Textilmuseum (tim).

Jetzt attackiert der Strukturwandel die Druckmaschinenindustrie. Mehr als 2400 Menschen aus Greater Augsburg arbeiten bei Manroland, einem Maschinenbau-Unternehmen, das seit Jahrhunderten eng mit der Region verbunden ist. Die erste Schnellpresse der Firma kaufte 1845 die Augsburger Druckerei Nikolaus Hartmann. Mehr als 150 Jahre später erschwert das Globalmedium Internet - die digitale Revolution - das Geschäft der Druckereien. Die Nachricht von der Insolvenz, die gestern in die Mittagszeit platzte, löste bei vielen Menschen schlechte Erinnerungen an den Niedergang der Textilindustrie aus.

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Auch der Augsburger Weltbild-Verlag macht dieser Tage Schlagzeilen. Auch hier geht es um einen epochalen Wandel des Geschäfts. Das Unternehmen, das einst Magazine für die deutschen Katholiken verlegte, entwickelte sich zu einem wachstumsstarken, breit aufgefächerten Medien-Händler. Das Portfolio aus Büchern, DVD und elektronischen Geräten ist heute kaum noch mit der christlichen Botschaft in Einklang zu bringen. 

Folgerichtig möchte die Katholische Kirche den Verlag verkaufen. Das muss nicht schlecht sein für etwa 1800 Mitarbeiter des Verlags in Greater Augsburg. Eröffnet dieser Umbruch doch neue Entwicklungschancen. Weltbild hat sich in den vergangenen Jahren gut aufgestellt. Das Unternehmen ist längst mehr als ein christlicher Verlag. Vor allem die digitale Revolution verschafft Weltbild ganz neue wirtschaftliche Perspektiven. Der Käufer wird dies zu schätzen wissen.

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Es gibt in der Tat nicht nur schlechte Nachrichten aus der Wirtschaft. Greater Augsburg hat sich längst auf den Strukturwandel eingestellt. Der ökonomische Leuchtturm der Region trägt den Namen Innovationspark. Hier sollen in den nächsten Jahren bis zu 5000 neue Arbeitsplätze entstehen. Etwa 70 Millionen Euro Fördergelder investiert die bayerische Staatsregierung in das Projekt.

Mechatronik, Faserverbundwerkstoffe, Informations- und Umwelttechnologie - das sind die Branchen, die den neuen Aufschwung tragen sollen. Mehrere Forschungsinstitute haben sich angesiedelt. Viele Unternehmen der Region operieren in diesen Zukunftstechnologien schon erfolgreich am Markt. Sie wollen die Chancen des wirtschaftlichen Umbruchs nutzen. Und wenn die Saat aufgeht, dann werden auch wieder gute Schlagzeilen über die Augsburger Wirtschaft zu lesen sein.

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