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23.11.2012

Die Wundertüte oder warum moderner Journalismus noch besser wird

Dieser Tage wird häufig über die Zukunft der Zeitungen gesprochen. Vor allem eine Schar notorischer Pessimisten verschafft sich Gehör. In der sensiblen Medienbranche haben Schwarzseher Gewicht. Sie gehören zu uns wie die Weltuntergangspropheten, die auf den Marktplätzen des Mittelalters ihr Unwesen trieben.

Dabei ist nichts Besonderes passiert. Zwei überregionale Zeitungen, die schlecht gewirtschaftet haben, verschwinden in den nächsten Tagen aus den Kiosk-Regalen. Die eine, die Frankfurter Rundschau, verstand zu spät, dass die Verkehrsprobleme im Hochtaunus für ihre Leser mindestens so wichtig sind wie die Euro-Krise. Und die deutsche Financial Times türmte von Beginn an jährlich zweistellige Millionenverluste auf. Die Manager, die so ein Desaster über zwölf Jahre zuließen, gehören überall hin, nur nicht in die Schaltzentrale eines Medienhauses.

Daraus nun ein Untergangsszenario für Zeitungen zu stricken, ist hanebüchen. Das Gegenteil ist der Fall. Die Verlage haben in den letzten Jahren keine Leser verloren. Sie haben viele hinzugewonnen, die sich für ihre Nachrichten, Analysen oder Servicebeiträge interessieren. Und die Leser nutzen dabei neben der Zeitung auch neue Ausgabegeräte wie Laptop, Tabletcomputer oder Smartphone.

Ökonomen werden diese Phase der Digitalisierung vielleicht einmal so beschreiben: Mit dem Siegeszug des Internets veränderte sich die Nachfrage nach Informationsdienstleistungen, weil sich die Zahl der Vertriebswege erhöhte.

Journalisten, die ihren Beruf lieben, haben die neue Vielfalt als epochale Chance verstanden. Sie nutzen Zeitung und Internet, um ihre Leser zu informieren und niveauvoll zu unterhalten. So wie ihre Chefs Verleger sind und keine Papierhändler. Mehr als je zuvor zählt die Qualität der Inhalte. Nur das Medium wird austauschbar.

Die Veränderung der Informationsbedürfnisse ist eine spannende Herausforderung. Zu den Zeitungslesern sind digitale Nutzer hinzugekommen. Die Gruppen haben unterschiedliche Erwartungen an den Journalismus.

Zeitungsleser wünschen sich neben Nachrichten auch Analysen, Hintergründe und Kommentare. Die Zeitung ordnet das Geschehen gründlich ein, bietet Überblick und Orientierung. Internetnutzer wollen dagegen immer auf der Höhe der Nachrichtenlage sein. Es zählen Aktualität und Geschwindigkeit. Eine Redaktion muss beides leisten.

Bei Regionalzeitungen wie der unseren kommt eine wichtige Aufgabe hinzu. Der Transfer eines Gefühls, das der Kitt der lokalen Gemeinschaften ist: Heimat. Egal ob gedruckt oder digital. Wenn Zeitungen Heimatgefühl ausdrücken, treffen sie das Herz ihrer Leser.

Dass trotz der vielen publizistischen Chancen nicht nur eitel Sonnenschein in den Medienhäusern herrscht, liegt am Wandel der Geschäftsmodelle. Journalismus im Internet hat zwar an Aufmerksamkeit gewonnen, doch ist es bislang nicht gelungen, online auch Geld vom Nutzer zu verlangen.

Das könnte sich bald ändern. Denn immer mehr Verlage bieten attraktive ePaper-Versionen und experimentieren mit Online-Abonnements. US-Zeitungen wie die New York Times und das Wallstreet Journal haben Bezahlsysteme bereits erfolgreich durchgesetzt. Auch in Deutschland wächst diese Vertriebsschiene.

Innovative Verlage und veränderungsbereite Redaktionen haben durchaus die Chance, gestärkt aus dem Wandel hervorzugehen. Moderner Journalismus wird vielfältiger, er wird noch besser werden. Und das ist nun wirklich kein Anlass für Pessimismus. Im Gegenteil: Es gibt viele Gründe, an die Zukunft der Medienhäuser zu glauben.

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