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13.12.2012

FCA-Sysiphus Rollmann und die zynische Politik

Der neue Sportmanager des FC Augsburg ist ein gelernter Journalist. Jürgen Rollmann sollte sich mit Sprachbildern auskennen. Doch nach den vielen Niederlagen seiner Mannschaft griff er in einem Interview sprachgewaltig daneben: “Wir dürfen uns nicht selbst bemitleiden, sondern müssen weiter kämpfen und den nächsten Anlauf nehmen. Wie Sisyphus. Jetzt gilt es, den Stein in Richtung Fürth zu rollen.”

Auweia, was für ein Vergleich. Sisyphus ist nämlich eine wahrlich tragische Figur der griechischen Mythologie. Der verschlagene Held wird wegen zahlreicher Verfehlungen nach seinem Tod von Zeus auf Ewigkeit dazu verurteilt, einen Felsblock mühevoll einen steilen Hang hinaufzurollen. Und jedesmal, wenn er am Ziel scheint, rollt der Stein wieder nach unten zurück. Kurzum: Sisyphus ist ein ewiger Verlierer, seine Mühen werden niemals belohnt.

Gehen wir davon aus, dass Rollmann sich nur im Sprachbild irrte. Hoffen wir, dass dem FC Augsburg das Schicksal des steinrollenden Verlierers Sisyphus erspart bleibt. Am besten schon in Fürth, wo der Verein am Samstag um die wohl letzte Chance kämpft, den Abstieg von Greater Augsburg aus der Fußball-Bundesliga noch zu vermeiden.

Vielleicht hat der FCA ja das Glück des mythischen Vogels Phönix, der verbrannte, um anschließend aus seiner Asche in neuem Glanz wieder zu erscheinen. In jedem Fall birgt dieses Sprachbild etwas Hoffnung. Der tragische Sisyphus dagegen ist der geborene Absteiger.

                                                  ***

Vor nicht allzulanger Zeit war der heutige FCA-Manager Jürgen Rollmann Sprecher der bayerischen SPD. Und die Sozialdemokraten überlegen derzeit, in welcher bayerischen Stadt sie im April 2013 ihren nächsten Bundesparteitag ausrichten. Bayern ist für die SPD gesetzt. Sie erhofft sich Aufmerksamkeit, weil hier im September 2013 neben der Bundestagswahl auch die Landtagswahl stattfindet.

Nach Informationen unseres Berliner Korrespondenten Rudi Wais steht auch Augsburg neben Nürnberg für den Parteitag in der engeren Wahl. Die Messehallen böten den bis zu 2.000 Genossen ein ansprechendes Ambiente. Eine Anfrage gibt es bereits.

Doch ärgerlich sind die Argumente, die aus Parteikreisen gegen Augsburg und für den Wettbewerber Nürnberg ins Feld geführt werden. Wie es heißt, biete Augsburg für die anreisenden Delegierten und die Partei-Oberen die schlechteren Flug- und Bahnverbindungen.

Das schlägt dem Fass den Boden aus. Zum einen ist Greater Augsburg über die Autobahn gut an den Münchner Flughafen angeschlossen. Und die in der Tat dürftigen Zugverbindungen Augsburgs in alle Richtungen sind das Ergebnis schlechter Regionalpolitik. Dafür ist neben der CSU auch die SPD mitverantwortlich, die lange im Bund Verantwortung trug.

Jetzt zu sagen, die SPD kann keinen Parteitag in Augsburg ausrichten, weil die Reiseverbindungen nicht gut genug sind, ist zynisch. Die Politiker, die diesen Makel nun beklagen, haben ihn selbst verschuldet. Wenn sie es wenigstens mühevoll versucht hätten. Wie Sisyphus…

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