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05.01.2012

Wie Wulff einer freiheitsliebenden Kuh die Show stiehlt

Wer erinnert sich nicht an Yvonne? Die eigensinnige Kuh aus dem bayerischen Landkreis Mühldorf füllte im vergangenen August das deutsche Sommerloch. Das ist die fade Zeit, in der wenig Wichtiges passiert. Die meisten Menschen machen Urlaub. Und dann stürzen sich die Journalisten des Landes, die gerade keine Ferien haben, auf Tiergeschichten, die plötzlich den Rang von Staatskrisen erhalten. Weil es ja keine wirklichen Probleme gibt in so einer faden Zeit.

Deswegen erinnern wir uns alle an Yvonne. Die Kuh sollte gemästet und geschlachtet werden. Ein typisches Nutztier-Schicksal. Doch das Vieh flüchtete in die Wälder, kämpfte um ihr Leben. Tierschützer solidarisierten sich, Radiosender charterten Such-Hubschrauber, ein Liedermacher dichtete wenig feinsinnig von ihren vielleicht "juckenden Eutern", selbst die New York Times berichtete über die "bavarian runaway-Cow".

Was das mit Greater Augsburg zu tun hat? In diesem Winter ist wieder eine Kuh auf der Flucht. Asina heisst das stattliche Hochlandrind, das in unserer Region neben der A8 bei Adelzhausen als tierischer Rasenmäher eingesetzt war. Doch Asina, die trächtig ist und im März kalben wird, hatte wohl keine Lust auf die vielen Autos und das von Abgasen geräucherte Gras. Vor sieben Wochen flüchtete sie ins nahe Adelzhauser Forst.

Nun suchen zwar nach einem Bericht unserer Zeitung schon viele Spaziergänger nach Asina. Doch es gibt keine Hubschrauber und auch nicht die Aufmerksamkeit der New York Times. Die Reporter "wulffen" derzeit lieber vor dem Berliner Schloss Bellevue oder berichten aus Kreuth von der Klausurtagung der taumelnden CSU. 

Merke: In den Zeiten politischen Wirbels schert sich keine Sau um eine freiheitsliebende Kuh in Greater Augsburg. Unsere Sommerloch-Erinnerung Yvonne lebt übrigens, seit sie freiwillig aus den Wäldern heimkehrte, auf dem Gnadenhof Gut Aiderbichl. 


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