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19.11.2014

Kontrastreich: 72 Stunden in St. Petersburg

Gerade einmal 300km von Helsinki entfernt und schon landet man in einer Kultur, die so ganz anders ist als die finnische. Nach gut 12 Stunden und den ein oder anderen skurrilen Begegnungen auf der Fähre, setze ich an einem grauen kalten Morgen Fuß auf russischen Boden. Vor mir liegen 72 Stunden St. Petersburg. Warum ich eine Nacht in einem schaukligen Schiff verbringe anstatt vier Stunden Zug zu fahren und weshalb ich so genau weiß, dass mir nicht mehr als 72 Stunden in Russland bleiben? Die Antwort liefern die Einreisebestimmungen in Finnlands Nachbarland. Der Seeweg und nicht mehr als drei Tage Aufenthalt sind die einzige Möglichkeit ohne komplizierten Visum-Prozess den großen Nachbar im Osten zu besuchen.


Was mich dort erwartet ist so ganz anders als ich es aus Nordeuropa gewohnt bin. Ich stoße bereits zum ersten Mal an meine Grenzen, als ich mich nach dem Weg zur U-Bahn erkundigen will. Erstes Problem, im Vergleich zu Helsinki erlebt man in St. Petersburg nun wirklich die Geschäftigkeit einer Großstadt. Die zweigrößte Stadt Russlands nach Moskau und die viertgrößte Europas geht nicht einfach so an einem vorbei. Und zweitens: Auch wenn ich Finnisch nicht wirklich sprechen kann, ablesen funktioniert (zumindest stockend) noch immer, während das in Russland dank der kyrillischen Schriftzeichen unmöglich ist. Noch dazu spricht dort kaum jemand Englisch – die Herausforderung Verständigung ist also perfekt!

Wie auch mit Norwegen, im Vergleich kann man den Charakter eines Landes immer noch besser festmachen. St. Petersburg trägt schon auf den ersten Blick so viel mehr Kultur als sein Nachbar im Westen. Bunte, große, prächtige Kathedralen, Museen, Paläste und Parks – hier sind noch viele Überreste einer gigantischen Herrschaft zu finden. Sobald man die Großstadt verlässt, ist man jedoch schnell von grauen Betonbauten, kalten Fassaden und lieblosen „Grün“anlagen umgeben. Ich sehe das nur durch das Busfenster, bevor ich in der Kleinstadt Puschkin im Süden St. Petersburg wieder aussteige, um den mit 1,5 Tonnen Gold geschmückten Katharinenpalast zu besichtigen. Ich habe das Gefühl, das ist, was Touristen sehen sollen. Fassade. In 72 Stunden bleibt mir leider nicht wirklich Zeit dahinter zu blicken.

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Beeindruckt bin ich aber auf jeden Fall. St. Petersburg wird aufgrund der Lage oft noch der Anfang oder das Tor zu Russland genannt. Gar europäischer Flair wird der Stadt zugesprochen. Im Vergleich zu dem scheinbar so behüteten, makellosen und friedlichen Finnland fühle ich mich aber schon in Leningrad (so der ehemalige Name der Stadt) wie in einer komplett anderen Welt, würde mich interessieren, wie dann das Landesinnere oder Moskau ist. Werde mir wohl doch noch irgendwann den langwierigen Visumsprozess antun müssen.

Informationen zu den Sehenswürdigkeiten und was genau auf den Bildern zu sehen ist, finden sich in den Beschreibungen in der Galerie!

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