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26.11.2012

Glücksfaktor Gesundheit – Was kann ich dazu tun?

Sind Sie glücklich? Sind Sie gesund? Wenn Sie sogar glücklich sind, weil Sie gesund sind, gehören Sie zu der Mehrheit der Deutschen, die einer Studie des Freiburger Finanzwissenschaftlers Prof. Bernd Raffelhüschen und Johannes Vatter der Universität Freiburg ermittelt haben, dass die drei wichtigsten Glücksfaktoren der Menschen in Deutschland Gesundheit, Partnerschaft und Freunde sind.

 Es liegt auf der Hand, dass eine gute Gesundheit, eine erfüllte Partnerschaft und anteilnehmende Freunde das Wohlbefinden des Einzelnen steigern können. Bei Partnern und Freunden ist schnell klar, dass die eigene Entscheidung für eine bestimmte Person eine große Rolle spielt. Mancher tut sich schwer, sich auf eine erste oder eine neue Partnerschaft einzulassen. Und potenzielle Freunde werden oft eine Zeit lang auf Distanz gehalten, bis man genug Vertrauen gefasst hat, sich tatsächlich zu öffnen. Zu viel hängt von einer solchen Entscheidung ab, ehe das wahre Glück gefunden ist.

 Doch wie sieht das bei der Gesundheit aus? Ist sie allein von der körperlichen Konstitution abhängig, von den Genen, von der Umwelt, dem Lebenswandel und manchmal einfach nur von Glück und Pech? Für all diese Einflüsse mag es gute Gründe geben und oftmals scheinen sie eine ziemlich eindeutige Berechtigung zu haben.

 So mancher, der zu seinem 90. oder 100. Geburtstag von der Lokalpresse befragt wird, was er oder sie als Patentrezept empfiehlt, um auch im hohen Alter rüstig das Leben genießen zu können, hat da seine eigenen Erfahrungen. Da kann als Tipp die morgendliche Gymnastik am offenen Fenster herhalten oder das ausgedehnte Gassi-Gehen mit dem Hund, mancher schwört auf ein gutes Buch, genussvoll im Lehnstuhl gelesen, oder das regelmäßige Gläschen Wein am Abend. Genau das Gegenteil behaupten diejenigen, die dem Alkohol völlig abgeschworen haben und sich seitdem bester Gesundheit erfreuen.

 Von der Öffentlichkeit aber manchmal unbemerkt zieht sich über Jahrhunderte eine andere Auffassung durch die Geschichte, die einen etwas anderen Blick auf die Gesundheit wirft.

 Der italienische Philosoph und Theologe Thomas von Aquin erklärte vor etwa 750 Jahren: „Gesundheit: Weniger ein Zustand als eine Haltung, und sie gedeiht mit der Freude am Leben.“ Dieser einflussreiche Dominikaner und Kirchenlehrer erkannte den Zusammenhang zwischen einer Geisteshaltung und ihrer Wirkung auf den Körper. 500 Jahre später bekannte der französische Aufklärer und Wegbereiter der französischen Revolution, Voltaire: „Ich habe mich entschieden, glücklich zu sein; das ist besser für die Gesundheit.“

 Gesundheit als Folge einer bewussten Entscheidung, nach den erfreulichen, aufbauenden Beispielen im Leben Ausschau zu halten, das hat nichts mit einer rosaroten Brille zu tun, die man aufsetzt, um sich die Welt schön zu reden. Es ist eben nicht notwendigerweise immer so, dass die fehlende Gesundheit alles dunkel und trüb erscheinen lassen muss. Menschen, die sogar trotz einer Krankheit Interesse an Kunst und Kultur, an Neuigkeiten und Entwicklungen in der Gesellschaft  zeigen, strahlen oftmals eine Würde und Geisteshaltung aus, die andere regelrecht beflügeln kann.

 Noch einmal 250 Jahre nach Voltaire schreibt die deutsche Sozialpädagogin Helga Schäferling vor Kurzem: „Gesundheit hat ihren Anfang im Denken.“

 Diese Einstellung steht einem hilflosen „Ich kann doch eh nichts ändern“ diametral entgegen. So manche Siege im Leben, nicht nur bei Sportlern, sind errungen worden, weil man sich der Müdigkeit, dem Trübsinn, dem Ärger nach einer unerfreulichen Begegnung oder sogar einfach nur der schlechten Laune nicht ergeben hat. Weil man eine unbefriedigende Situation nicht hingenommen hat, sondern sich – so hochtrabend das klingen mag – seiner spirituellen Fähigkeiten bewusst geworden ist. Ja, man kann vergeben, man kann einlenken, man kann einen Neuanfang wagen und muss den alten Zwist nicht über Wochen oder Monate in der Erinnerung lebendig halten. Sich selbst, und dem Gegenüber, eine Chance für einen Neubeginn zu geben, das trägt zu einer „gesunden“ Lebensführung bei.

 Sich auf vernünftige Fähigkeiten zu besinnen, die durch Betätigung gestärkt werden, ist nicht nur etwas, was den eigenen Tagesablauf bereichert, es ist sogar ohne finanziellen Einsatz möglich. Das Statistische Bundesamt weiß zu melden, dass die individuellen Gesundheitsausgaben pro Einwohner im Jahr 2010 3510 Euro betragen haben. Seine Gesundheit durch etwas mehr Gemeinsinn und bereitwilligere Anerkennung der positiven Seiten des Nachbarn oder Angehörigen zu pflegen, erhöht dieses Budget nicht, kann aber zum eigenen Glücksempfinden – und damit mittelbar zur Gesundheit - beitragen. Angesichts knapper Kassen ist es berechtigt, wenn sich Menschen fragen, ob die steigenden Ausgaben im Gesundheitswesen in gleicher Weise zu besserer Gesundheit führen, oder ob es Alternativen gibt. Alternativen, die eventuell ein grundlegend anderes Verstehen erfordern. Ein neues Denken wagen. Nicht oberflächliches Reden, wie gut etwas sein müsste, sondern tiefes Nachdenken über so manche Gründe, warum Menschen Befreiungen und Heilungen erleben, die mitunter als Wunder bezeichnet werden.

Die Wirkung von Gedanken wird dabei oft unterschätzt, ja vernachlässigt. Und wir sehen auf vielen Gebieten des täglichen Lebens, wo Entwicklungen regelrecht normal erscheinen, die noch vor Jahren als undenkbar gegolten haben oder sogar von so genannten Experten belächelt wurden. Denken Sie nur an die Luftfahrt oder die Computertechnologie, die aus dem Alltag kaum mehr wegzudenken sind.

Der Appell, konstruktiv über die eigene Gesundheit nachzudenken, heißt nicht, Ärzte oder Krankenhäuser abzuschaffen, sondern er wird auch zu einem neuen Denken im Gesundheitswesen führen. Auch der Wunsch einer wachsenden Anzahl von Ärzten nachgenug Zeit für Gespräche mit Patienten, um auf deren Nöte und Wünsche einzugehen, wird Teil dieses neuen Denkens werden. Das überholte Bild einer Körpermaschine, die irgendwie repariert werden muss, wird abgelöst durch eine umfassende Sicht auf Körper, Geist und Lebensumfeld. Dann wird auch die Hoffnung des ehemaligen Berliner Ärztekammerpräsidenten Ellis E. Huber Realität werden: „Mehr Liebe und weniger Valium sollte im Gesundheitswesen der Republik herrschen.“

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