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13.09.2012

Keine Vergewaltigung - weil das Opfer (15) sich nicht wehrte

Weil sich sein 15-jähriges Opfer nicht genügend wehrte, ist in Essen ein Mann vom Vorwurf der Vergewaltigung freigesprochen worden.  Das Urteil sorgt derzeit bei vielen Menschen für Empörung - und ist trotzdem rein rechtlich korrekt.

 Die Staatsanwaltschaft hatte dem 31-Jährigen aus Marl vorgeworfen, ein damals 15-jähriges Mädchen in seiner Wohnung zum Sex gezwungen zu haben. "Es kam zum Sex zwischen dem kräftigen Mann und dem Mädchen. Die Schülerin soll gesagt haben „Nein, ich will das nicht“, doch er habe einfach weitergemacht", berichtete die Hertener Allgemeine über den Fall.

Vor Gericht wurde der - zu den Vorwürfen schweigende - Angeklagte jetzt  trotzdem freigesprochen. Mit einer zunächst einmal überraschenden Erklärung: Gericht und auch die Staatsanwaltschaft kamen zum Schluss, dass keine Vergewaltigung des Mädchens vorlag - weil es sich nicht richtig wehrte und auch keinen Versuch unternommen hatte, zu entkommen. „Es war nicht in einer schutzlosen Lage. Es hätte weglaufen oder Hilfe rufen können, aber es hat alles über sich ergehen lassen. Das reicht nicht, um jemanden zu bestrafen“, zitiert das Blatt die Richterin.

 Die Empörung über den Fall ist seitdem groß. In Twitter, Blogs und Foren wird über das Urteil debattiert. Das ist verständlich, natürlich. Dennoch - oder gerade deshalb - bekommen die Richter in der Diskussion Rückendeckung von anderen Juristen. "Auch wenn diese Begründung auf den ersten Blick seltsam klingt, ist sie im Kern doch richtig. Denn das Geschehen reichte eben nicht, um eine Vergewaltigung nach dem Maßstab zu bejahen, den das Strafgesetzbuch aufstellt", schreibt etwa der Strafrechtler Udo Vetter in seinem Blog.  

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 Tatsächlich sieht der einschlägige § 177 StGB vor, dass eine Vergewaltigung dann vorliegt, wenn der Täter sein Opfer mit Gewalt oder unter Androhung von Gefahr für Leib und Leben missbraucht - oder dabei dessen hilflose Lage ausnutzt.

Im Essener Fall kamen Gericht und Ankläger nach Prüfung aller Umstände zum Schluss, dass keine der drei möglichen Voraussetzungen für einen Schuldspruch vorlag. Deshalb wurde der Angeklagte freigesprochen. Das Gericht hielt sich damit exakt an das Gesetz. Das kann und darf man Richtern nicht vorwerfen. So hart, so brutal es ist:

Recht und Gerechtigkeit sind oft zwei verschiedene Dinge. Das zeigt dieser Fall sehr deutlich.

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