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03.01.2012

So spottet das Netz über Christian Wulff

Anrufbeantworter, gefälschte iPhone-Displays, Abschieds-Countdowns, "Fanseiten": Von der Respektsperson Christian Wulff ist im Internet nicht mehr viel übrig. Stattdessen ergießen sich Hohn und Spott über den Bundespräsidenten.

Sollte Christian Wulff heute Abend im Schloss Bellevue sitzen und seinen Namen googlen - was jeder ab und zu tun sollte -, dürfte er noch diese Woche den Bettel hinwerfen. Das Internet hat seine eigenen Gesetze. Dazu gehört es, dass sich die Kreativen austoben  - und aktuelle  Entwicklungen auf ihre Art und Weise kommentieren und interpretieren. Das aktuelle Thema in Deutschland sind derzeit Bundespräsident Christian Wulff, sein Kredit, seine Einschüchterungsversuche gegenüber Medien - und (in einzelnen Blogs und Medien) auch seine Ehefrau Bettina Wulff.    

Surft man so durchs Netz, klickt man sich durch Facebook und Twitter, bleibt eigentlich nur ein Schluss: Für viele Menschen ist der deutsche Bundespräsident keine Respektsperson mehr - sondern nur noch ein Ziel für triefenden Hohn und beißenden Spott.

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Bei Facebook etwa haben sich bereits mehrere hundert Menschen zur Gruppe " Wulff hat angerufen" zusammengeschlossen. "Diese Seite dient zum Erfahrungsaustausch für alle, bei denen Wulff angerufen hat, um ihnen etwas zu verbieten", heißt es im Infotext zur Gruppe. Gepostet darin werden höhnische Kommentare über den Politiker, aber auch Fotomontagen und Videoclips, die in irgendeiner Form mit Telefonaten zu tun haben.

Ebenfalls in den sozialen Netzwerken verbreitet sich momentan der Link zur Webseite http://istchristianwulffnochimamt.de/ mit rasender Geschwindigkeit. Ein Foto von Wulff, darüber gelegt das Wort "Ja", das wohl demnächst zu einem "Nein" werden könnte, hat genügt, um sie von mehreren tausend Facebook- und Twitter-Nutzern weiterempfehlen zu lassen. Und auf der Webseite bundespraesident-gesucht.de kann man seinen - oder einen anderen - Namen eintragen und über diesen dann abstimmen lassen.

Auch Foto-Montagen sind ein großes Netzthema in der Wulff-Affäre. Ein Bild zeigt Wulff am Telefon, aus dem Hörer kommt tönt "Chicken Wings und scharfe Sauce sind leider aus". Der Präsident antwortet mit den Worten, die er auch so ähnlich beim Bild-Chefredakteur gesagt haben soll: "In zehn Minuten sind die Hühner hier oder es gibt Krieg".

Eine Bildmontage, die Christian Wulff samt Ehefrau beim Ausstieg aus einem Jet der Flugbereitschaft mit der Aufschrift "Bundesdepp" zeigt, sorgt bei Facebook für durchaus kontroverse Diskussionen.

Auf tumblr.com gibt es schon den Foto-Stream " Christian Wulff Looking at Things". Das hatten wir unlängst bei Kim Jong Il, ist bei Wulff aber um Einiges charmanter - vor allem angesichts (gefälschter) Buchtitel wie "Vorerst gewütet. Christian Wulff im Gespräch mit Kai Diekmann".

Ziemlich gelungen ist der gefälschte Screenshot eines iPhone-Displays, der aktuell im Netz kursiert. "Wulff Christian Verpasster Anruf" heißt es darauf. Und bei Twitter werden unter dem Hashtag #wulfffilme schon fleißig Filmtitel verunstaltet - von "Die seltsame Affäre des Christian Wulff" über "Der Presseflüsterer", "Mailbox IV", "Leaving Bellevue" und "Wulffs Liste" bis hin zu "Full Credit Jacket - Indiana Wulff und die Rache des Bürgers".

Mindestens ebenso dicke kommt es für Christian Wulff daneben auf seiner eigenen Facebook-Seite. "Sein" jüngstes Posting - es geht um seine Weihnachtsansprache am 24. Dezember - haben bis heute Abend 3300 Menschen kommentiert. Und um es euphemistisch auszudrücken: Der Beifall für Deutschlands ranghöchsten Politiker hält sich dabei arg in Grenzen.  

Viele Freunde scheint Christian Wulff nicht mehr zu haben, im Internet schon gar nicht mehr. Und so mancher wird sich jetzt empört fragen, ob ein Bundespräsident wirkilch so verunglimpft werden darf. Ich würde die Frage anders stellen: Können wir uns einen Bundespräsidenten leisten, der derart an Respekt verloren hat?

Hinweis: Einige Links sind wahrscheinlich nur erreichbar, wenn man bei Facebook angemeldet ist.

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