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23.05.2011

Zugunglück in Memmingen: Zeitung erklärt falsches Mädchen für tot

In Memmingen hat sich ein schreckliches Zugunglück ereignet. Umso schlimmer, dass Kollegen der Boulevardmedien durch ihre "Arbeit" jetzt offenbar auch noch Unbeteiligte ins Unglück stürzen.

Bei dem Unglück am Freitagabend waren zwei junge Schülerinnen bei Memmingen von einem Zug erfasst und getötet worden. Seitdem wird über die Ursache des Unglücks spekuliert. Gerüchte sprechen von einer Mutprobe. Auch wird berichtet, dass Fotos von Jugendlichen auf Bahngleisen aktuell in den sozialen Netzwerken "in" seien. Wenn dem so ist - mir war es bislang neu.

Über Facebook beschwert sich jedenfalls heute Abend eine junge Frau darüber, das ein Foto von ihr und einem der beiden getöteten Mädchen - ganz offensichtlich ungefragt - in einer Münchner Boulevardzeitung veröffentlicht wurde. Noch schlimmer: Sie, also die völlig Unbeteiligte, sei fälschlicherweise als eine der Toten bezeichnet worden:

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" die münchner-tz zeitung hat ein bild von mir und nicole in die zeitung gestellt und behauptet ich wäre vanessa". GOTTVERDAMMTE MEDIEN ! leute die ich kenne dachten ich wäre tot !", empört sich die junge Frau.

Für viele Journalisten gehört die Recherche in sozialen Netzwerken wie Twitter und Facebook heute zum normalen Handwerk. Das ist auch gut und richtig so. Doch wenn die Vorwürfe der Frau stimmen, haben sich die Kollegen in diesem Fall wirklich einen sehr bösen Fehler erlaubt.

In Memmingen liegen nach dem tragischen Zugunfall vom Wochenende die Nerven blank. Ich verstehe das gut. Und wir Medien tun gut daran, über das Unglück sachlich und neutral zu berichten. Und die journalistischen Grundtugenden zu beherzigen. Denn genau das ist unser Job. Alles andere schadet der Sache, unserem Ruf - und den Betroffenen.

P.S. Der Vollständigkeit halber: Ich habe heute Abend nicht bei den Kollegen der tz gefragt, wie es zu der Veröffentlichung des Bildes kam, werde dies aber nachholen.

Update: Die Kollegen der tz haben sich bei mir gemeldet. Man möchte den Vorgang nicht öffentlich kommentieren.

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