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Daten & Karten

22.02.2019

Die Daten-Nutzung explodiert - doch das Netz schwächelt

Die Deutschen verbrauchen ein immer größeres Datenvolumen. Nach Ansicht der Bundeswirtschaftsministers geht der LTE-Ausbau nicht schnell genug. Die Zahlen sind nicht eindeutig.
Bild: Inga Kjer, dpa

Das Datenvolumen, das Deutsche mit ihren Mobilgeräten abrufen, hat sich binnen sechs Jahren vervierzehnfacht. Leider entwickelt sich das Netz nicht im gleichen Tempo.

Wie ist der Stand beim deutschen Mobilfunk? Darüber gibt es unterschiedliche Ansichten: "Der LTE-Ausbau schritt zügig voran", bilanzierte die Bundesnetzagentur in ihrem Bericht für das Jahr 2017.

Doch Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) ist da anderer Ansicht: „Es ist eine der größten Blamagen des Technologie-Standorts Deutschland, dass inzwischen 99 von 100 Handy-Nutzern überzeugt sind, dass 4G bei uns ständig nur zusammenbricht.“ Auf Fahrten zur Arbeite wolle er, so sagte er im vergangenen November, nicht mehr mit ausländischen Ministern verbunden werden, weil es ihm "total peinlich sei", wenn er ständig aus der Leitung fliege.

Bayern ist bei LTE im deutschen Mittelfeld

Blickt man aus Zahlen des Bundesverkehrsministeriums, die es Mitte 2018 im "Breitbandatlas" veröffentlicht hat, könnte die Versorgung mit schnellem mobilem Internet scheinbar fast nicht besser sein. In Stadtstaaten wie Bremen haben 100 Prozent der Haushalte LTE-Empfang, wie aus den Daten hervorgeht, Bayern befindet sich mit 96,7 Prozent Abdeckung im Mittelfeld:

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Zu beachten ist, dass ein Haushalt als versorgt gilt, wenn einer der drei deutschen Mobilfunkbetreiber - Telekom, Vodafone, oder O2 - an seinem Ort LTE bereitstellt. Nicht gesagt ist mit einer Abdeckung von 100 Prozent allerdings, dass ein Verbraucher in jedem anderen Haushalt in Bremen LTE-Empfang hätte - außer er hat drei Handys mit Verträgen mit allen Anbietern.

Die Netzabdeckung bezieht sich nur auf Haushalte

Die Abdeckung allein über die Anzahl der erreichten Haushalte zu messen, ist umstritten. Über die abgedeckte Fläche ist damit nämlich noch wenig gesagt: Würde ein Mobilfunkanbieter in Bayern etwa nur in München LTE anbieten, würde er 1,46 Millionen Menschen und damit elf Prozent der Bayern versorgen. Flächenmäßig hat München aber nur einen Anteil von 0,4 Prozent am Freistaat.

So extrem ist die Realität freilich nicht - schließlich sind in Deutschland nicht nur Metropolen, sondern nach Zahlen der Bundesnetzagentur immerhin je nach Netz 82 bis 94 Prozent der Haushalte mit LTE abgedeckt. Im O2-Netz seien es demnach 82, bei Vodafone 91 und bei der Telekom 94 Prozent der Haushalte. Trotzdem sind Gegenden mit einer höheren Bevölkerungsdichte, also Städte, besser versorgt als der ländliche Raum, weil Anbieter dort mit weniger Aufwand mehr potentielle Kunden erreichen.

Nun sind Mobilfunknetze, der Name lässt es vermuten, nicht nur zur Nutzung auf dem heimischen Sofa gedacht. An Autobahnen und Bahnstrecken etwa herrscht trotz der hohen Zahl an versorgten Haushalten häufig Funkstille. Und genau das kritisierte der Bundeswirtschaftsminister.

Der mobile Datenverkehr hat sich in sechs Jahren vervierzehnfacht

Dass vielerorts Telefonate unterbrochen werden, ist nicht das einzige Problem. Mobile Datenverbindungen gehören mittlerweile zum Alltag der meisten Deutschen - sie verbrauchen ein immer größer werdendes Datenvolumen. Wurden 2011 noch 100 Millionen Gigabyste Daten von und zu Mobilgeräten geschickt, waren es 2017 fast 1,4 Milliarden Gigabyte. Der mobile Datenverkehr hat sich in Deutschland also binnen sechs Jahren vervierzehnfacht.

Die SMS wird ist stark verdrängt worden

Dadurch, dass Smartphone Zugriff auf das Internet haben, haben Apps wie Whatsapp die SMS fast komplett verdrängt. 2007 wurden 23,1 Milliarden der Kurznachrichten verschickt, bis 2012 stieg ihr Volumen auf 59,8 Milliarden an, seitdem ist die Technologie deutlich weniger gefragt: 2017 wurden in Deutschland nur noch 10,4 Milliarden SMS versendet.

Auf den einzelnen Handynutzer gerechnet, ist die SMS noch unbeliebter geworden: 2012 wurden pro Monat und Sim-Karte 44 SMS verschickt, 2017 waren es nur noch 7. Explodiert ist hingegen die Datennutzung pro Handy. Sie lag 2012 bei 114 Megabyte pro Monat, fünf Jahre später waren es 873 Megabyte. Die Zahl der Minuten, die ein durchschnittlicher Handynutzer pro Monat telefoniert, ist nur leicht gesunken. Allerdings dürften Anrufe über Apps wie Skype oder auch Whatsapp im selben Zeitraum deutlich zugenommen haben.

Die Preise für Handyverträge sinken

Obwohl die Datennutzung massiv steigt, sinken die Preise, die Konsumenten dafür monatlich ausgeben, wie aus den Zahlen der Bundesnetzagentur hervorgeht. Von 2012 bis 2017 sanken die durchschnittlichen Monatsgebühren pro Sim-Karte von 13,80 Euro um zwei Euro.

Nur ein Bundesland hat einer Analyse zufolge mehr Funklöcher als Bayern

Doch Funklöcher gibt es nach wie vor. So hat eine Studie im Auftrag des Preisvergleich-Portals Verivox im Januar ergeben, dass in 240 deutschen Ortschaften alle drei Mobilfunkanbieter "mangelhaft" abschneiden. Die meisten der Funklöcher wurden in Baden-Württemberg (63) und Bayern (52) festgestellt. Die Zahlen wurden laut Verivox auf Grundlage anonymer Daten von 150.000 Smartphone-Nutzern aus ganz Deutschland erhoben.

Von der Bundesnetzagentur heißt es, man könne aktuell noch keine amtlichen Zahlen zur Netzabdeckung bereitstellen. Sobald sie vorlägen, werde eine Auswertung mit der "Funkloch-App" in einer Karte dargestellt. Bundesverkehrsminister hatte die App im Oktober 2018 vorgestellt. Bürger können dort Lücken in der Mobilfunkabdeckung melden.

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