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28.05.2018

So viel Plastikmüll produziert Deutschland

Deutschland zählt zu den Ländern in Europa, in denen im Verhältnis zu den Einwohnern der meiste Plastikmüll produziert wird.
Bild: Patrick Pleul, dpa (Archiv)

Die EU will Plastikmüll mit einer Steuer und dem Verbot von Kunststoffbesteck bekämpfen. Wie viel Abfall produziert Deutschland?

Plastik verrottet kaum, gelangt in die Nahrungskette von Mensch und Tier, treibt in unvorstellbaren Mengen durch die Weltmeere – und ist ein Problem, das sich bisher kaum in den Griff bekommen ließ.

Die EU hat im Kampf gegen Plastikmüll nun vorgeschlagen, eine Plastiksteuer einzuführen und den Verkauf von Einweggeschirr aus Kunststoff zu verbieten. Künftig soll es keine Gabeln, Messer, Löffel, Strohhalme und Becher aus Plastik mehr geben. Für ihre Strategie fordert die Europäische Kommission nun Unterstützung von der Bundesregierung – und will demnächst Details zu ihren Plänen bekanntgeben.

Deutschland gehört zu Ländern mit dem meisten Plastikmüll

Deutschland hat im Jahr 2015 dem Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW Köln) zufolge 37 Kilogramm Kunststoff-Verpackungsabfall pro Einwohner produziert – dafür aber mit 49 Prozent auch fast die Hälfte davon wieder recycelt. Der EU-Durchschnitt liegt laut IW Köln hier bei 40 Prozent.

Mehr Plastikmüll sind laut IW nur in Irland (61 Kilogramm, Recyclinganteil 34 Prozent), Luxemburg (52, 32) und Estland (47, 28) angefallen. Mit etwa 60 Prozent recycelten die Slowenen, Tschechen und Bulgaren anteilmäßig am meisten.

Teile des deutschen Plastikmülls werden aufbereitet

Dem Umweltbundesamt zufolge sind in Deutschland 2015 knapp 5,92 Millionen Tonnen Kunststoffabfälle angefallen. Etwa 84,5 Prozent dieser Abfälle seien nach dem Gebrauch der Kunststoffe entstanden, die restlichen 15,5 bei der Herstellung und vor allem bei der Verarbeitung von Kunststoffen.

Von den 5,92 Millionen Tonnen Plastikmüll seien 2,74 Millionen Tonnen (46 Prozent) werk- und rohstofflich genutzt worden. 3,14 Millionen Tonnen (53 Prozent) sind nach Angaben des Bundesumweltamts energetisch verwertet worden, etwa in Müllverbrennungsanlagen. Weniger als ein Prozent habe man auf Deponien beseitigt.

Das Statistische Bundesamt hat zudem aufgelistet, wie viel gebrauchte Verkaufsverpackungen privater Endverbraucher zwischen 2012 und 2016 eingesammelt wurden. Zuletzt sanken diese Zahlen:

EU will Müll mit Plastiksteuer bekämpfen

Die EU plant eine Plastiksteuer. "Sie böte einen klaren Handlungsanreiz zur Reduktion von Verpackungsabfall, der nicht wiederverwertbar ist", sagte Kommissionsvizepräsident Jyrki Katainen dem Redaktionsnetzwerk Deutschland am Dienstag. Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) steht der Forderung skeptisch gegenüber.

Die Steuer entfaltet aus ihrer Sicht keine Lenkungswirkung. Dafür hat sie sich für ein europaweites Verbot von Mikroplastik etwa in Shampoo oder Haarspray ausgesprochen. "Wir müssen diese Plastikflut in der Umwelt dringend eindämmen", sagte Schulze der Neuen Osnabrücker Zeitung vom Donnerstag. Forscher wiesen demnach in der Arktis zuletzt über 12.000 Mikroplastikteilchen pro Liter Meereis nach.

Die Kosmetikindustrie müsse auch national zum Ausstieg aus der Nutzung von Kunststoffteilchen als Schleifmittel bewegt werden, sagte Schulze. Bei Peelings und anderen Kosmetika sei das schon geschafft. Die Hersteller setzten jetzt Walnussmehl oder Mandelkleie statt Mikroplastik ein. "Mein Ziel ist, dass die Industrie im nächsten Schritt auch bei Shampoo, Rasierschaum oder Haarspray auf Mikroplastik verzichtet", sagte Schulze.

EU-Kommission will Details ihrer Plastikstrategie bekanntgeben

Die EU-Kommission will ihre Pläne für ein Verbot von Wegwerfgegenständen aus Plastik kommenden Montag vorstellen. Nach frühen Entwürfen sollen unter anderem Kunststoff-Einweggeschirr wie Strohhalme oder Essstäbchen in den nächsten Jahren vom Markt gedrängt werden. Ziel ist, die Meere und Strände vor gigantischen Massen an Plastikmüll zu schützen.

Leseempfehlung: Kerstin Mommsen probiert in einem Selbstversuch, auf Plastik zu verzichten. Sie ist Redakteurin des Südkurier in Konstanz, der wie unsere Zeitung in der Mediengruppe Pressedruck erscheint. Sie hat bereits über plastikfreies Einkaufen, Plastik in Kleidung und Plastikflaschen geschrieben. In einem Blog hält sie ihre Erfahrungen fest. (slor, dpa, afp)

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