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Emojis

14.01.2020

Bedeutung von Emojis: Ist das "Okay"-Symbol rassistisch?

Rechte Extremisten machen sich das hierzulande als "Okay"-Zeichen bekannte Symbol zu nutze.
Bild: AZ (Symbol)

Kleine Bilder ersetzen immer häufiger Geschriebenes auf dem Smartphone. Die Bedeutung der Emojis ist nicht immer klar. Eine kleine Symbolkunde fürs Internet.

Die Rückkehr des Menschen zur Hieroglyphe - sie findet auf dem Smartphone statt. In Zeiten, in denen sich der moderne Mensch kurz halten muss und dennoch viel sagen will, ersetzen Emojis als moderne Bilderschrift immer häufiger Wörter, vollständige Sätze oder sogar ganze Nachrichten. Und auch Sprachgrenzen lassen sich mit den kleinen Symbolen einreißen: Wer im China-Urlaub ein Krankenhaus sucht, tut sich mit Emojis vermutlich leichter als mit vorgefertigten Sätzen aus dem Reiseführer.

Emojis reißen Sprachgrenzen ein - und sorgen dennoch für Verwirrung

Doch wer glaubt, dass die Bildkommunikation ohne Tücken wäre, irrt: Seit Entstehung der Emojis in Japan in den späten 1990er-Jahren hat sich die ursprüngliche Bedeutung vieler Symbole verändert - oder hätten Sie gewusst, dass der Kothaufen-Emoji in Ostasien "Glück" symbolisiert?

Auch die regelmäßigen Erweiterungen des Alphabets durch das kalifornische Unicode-Konsortium tragen ihren Teil zur Verwirrung bei. Die Ausweitung der Familien-Emojis auf gleichgeschlechtliche Partnerschaften mit Kindern im Jahr 2015 traf nicht überall auf Gegenliebe - im islamisch geprägten Indonesien forderten Regierungsoffizielle große Tech-Firmen 2016 sogar auf, die neuen Symbole wieder zu entfernen.

Kothaufen, gefaltete Hände, emporgestreckte Fäuste: Nicht alle Emojis erschließen sich auf den ersten Blick. Wir geben Ihnen einen Überblick über die verwirrendsten Symbole - und zeigen, wofür sie stehen.

Kothaufen, "Okay"-Symbol, Herzchen-Hotel: Das bedeuten die Emojis auf dem Smartphone

Der Kothaufen-Emoji wird nicht selten falsch verwendet. Das Häufchen kommt ursprünglich aus Asien - und steht für Glück.
Bild: AZ

Der lachende Kothaufen: Neben dem einfachen Lach-Emoji ist der - ebenfalls lachende - Kothaufen-Emoji der wohl bekannteste Vetreter seiner Zunft. Wer das Exkrement dazu nutzt, eine negative Nachricht zu illustrieren, ist allerdings schlecht beraten: Das Häufchen steht in Ostasien für Glück und symbolisiert als Teil des Verdauungsprozesses die traditionelle Esskultur. Dass der Hype laut FAZ in Ländern wie Südkorea und Japan zu Kot-Themenparks, Bolognese in Mini-Toilettenschüsseln und Kot-Brot geführt hat, darf man aber trotzdem verstörend finden.

Das "Okay"-Handzeichen macht es dem Nutzer nicht leicht. Je nach Land ist es als positive oder negative Geste zu verstehen. Und selbst US-Rechtsextremisten nutzen das Zeichen.
Bild: AZ

Das "Okay"-Zeichen: Asien, Russland, Südeuropa - in vielen Teilen der Welt dürfte man mit dem aus der Tauchersprache kommenden "Okay"-Zeichen anecken. Im internationalen Emoji-Alphabet ist die Geste zwar enthalten. Dennoch sollte man wissen, dass der Ring aus Daumen und Zeigefinger sowie die drei abgespreizten Finger in einigen Ländern eine Körperöffnung symbolisieren. Und auch rechte Extremisten machen sich das Symbol zu nutze: Da man in der Geste ein "W" und ein "P" erkennen kann, nutzen es US-Neonazis als Zeichen für "White Power" - also die rassistische Theorie von der Vorherrschaft der "weißen Rasse". Anti-Extremismus-Gruppen weisen aber darauf hin, dass letztlich der Verwendungskontext entscheidend ist.

Was für viele ein Krankenhaus mit Herz ist, hat besonders in Asien eine ganz andere Bedeutung: Das Häuschen steht für ein Liebeshotel.
Bild: AZ

Das Liebeshotel: Nein, das Haus mit Herzchen ist kein Krankenhaus - und auch für "Hotel Mama" steht dieser Emoji nicht. Stattdessen symbolisiert das Gebäude mit dem rosa Herz ein Stundenhotel. Während solche Etablissements in Deutschland einen zweifelhaften Ruf genießen, sind sie in Japan Teil der Jugendkultur. Weil viele junge Menschen unter der Sexualmoral des Landes leiden und die Wohnungen der Eltern häufig nicht die gewünschten Rückzugsmöglichkeiten bieten, weicht Japans Jugend auf "Love Hotels" aus. Angesichts der eindeutig zweideutigen Symbolik eignet sich der Liebeshotel-Emoji also eher nicht für Nachrichten an den eigenen Chef.

Kein digitales High-Five: Was nach Abklatschen aussieht, symbolisiert eigentlich Dankbarkeit. Auch dieser Emoji stammt aus Japan.
Bild: AZ

Die gefalteten Hände: Die aneinandergelegten Hände sind der Universal-Emoji schlechthin. Während die Bewegung in Asien Dankbarkeit ausdrückt, kann das Symbol im Online-Chat auch als Aufforderung zum Beten verstanden werden. Auch Sportler schmücken ihre Postings häufig mit dem Emoji - dann zumeist, um anderen oder sich selbst ein digitales "High Five" zukommen zu lassen.

Die gestreckte Faust fehlt selten, wenn sich Twitter-Nutzer zum Widerstand gegen missliebige Politiker verabreden. Allerdings kann sie auch unpolitisch verwendet werden.
Bild: AZ

Die gestreckte Faust: In Zeiten, in denen Revolutionen auf Twitter organisiert werden, darf die emporgereckte Faust im Emoji-Alphabet nicht fehlen. Und tatsächlich: Einer Untersuchung auf dem Szeneportal Emojipedia zufolge wird das kleine Faustsymbol besonders häufig in Zusammenhang mit Begriffen wie "Widerstand" und "Solidarität" verwendet - allerdings wurden nur US-Tweets untersucht. Auch Digitalbürger, die gerade keine Revolution planen, können die Faust verwenden: Eigentlich steht das Zeichen nämlich für Jubel oder die Zahl Null.

Der "Webdings"-Mann im Emoji-Zeitalter: Der "Man in suit levitating" erinnert an die Anfänge der digitalen Bildersprache.
Bild: AZ

Der schwebende Anzugträger: Das schwebende Männchen mit Sonnenbrille ist ein Emoji für Kenner - kaum ein Nutzer weiß vermutlich, wofür er wirklich steht. Dabei gibt es den Mann im feinen Zwirn schon länger als die modernen Emojis selbst. Wie Newsweek berichtet, geht das Symbol auf die Band "The Specials" zurück, die in den 1990er-Jahren stets einen Anzugträger namens Walt Jabsco auf ihre Alben drucken ließ. Als Microsoft Ende der 1990er-Jahre die Bilderschrift "Webdings" entwickeln ließ, fügte einer der Entwickler - wohl ein Fan der Band - das "Specials"-Logo für den Buchstaben "M" ein. 2014 wurde er schließlich von Unicode übernommen - als Hommage an die frühen Windows-Emojis. (dfl)

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Die Diskussion ist geschlossen.

14.01.2020

Ich bewerte das mal als (schlechte) Satire von der AZ. Charlie Hebdo kann da nicht mithalten.

´

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