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07.07.2017

Die erste Gurlitt-Lieferung ist in Bern

Nachlass Das Kunstmuseum der Schweizer Hauptstadt hat die Sammlung geerbt. Wie ist die Reaktion auf den Zuwachs?

Bern Das Kunstmuseum Bern macht es richtig spannend. Zugedeckt und ungerahmt liegen die Kunstwerke der Sammlung Gurlitt am Freitag auf einem Tisch im unterirdischen Atelier. Dann wird der graue Edelkarton mit weißen Handschuhen gelüftet, zum Vorschein kommen Meisterwerke: eine Gouache von August Macke, ein Holzschnitt von Ernst Ludwig Kirchner, ein Aquarell von Otto Mueller. Dazu Papierarbeiten von Otto Dix, Emil Nolde, Franz Marc. Museumsdirektorin Nina Zimmer hat sie am Morgen selbst aus den Kartons gehoben und ist sichtlich entzückt.

Rückblende in die Zeit der NS-Diktatur in Deutschland: Die Nazis diffamierten die Kunst von Macke, Kirchner, Mueller und anderen als undeutsch. Sie wollten heroische Männer, blonde Mädchen sehen, nicht Expressionismus, Neue Sachlichkeit, Surrealismus, Kubismus. Sie erfanden dafür den monströsen Begriff „entartete Kunst“. 1938 trat ein Gesetz „über Einziehung von Erzeugnissen entarteter Kunst“ in Kraft. Es legitimierte, was die Nazis betrieben – die Beschlagnahmung von Werken moderner Meister. Hunderte solcher Werke aus rund 30 Museen hatten sie im Juli 1937 in München für eine Schandausstellung zusammengebracht, in der die Künstler und ihre Werke verunglimpft wurden. Dann wurden Kunsthändler wie Hildebrand Gurlitt beauftragt, die Werke ins Ausland zu verkaufen.

Hildebrand Gurlitt jedoch hat viele Werke selbst behalten, sein Sohn Cornelius hat sie geerbt. Der Fund der Sammlung in Wohnungen in München und Salzburg vor einigen Jahren war eine Sensation. Cornelius Gurlitt starb 2014, sein Erbe fiel dem Berner Museum zu – aus Gründen, die man dort selbst nicht kennt.

„Hier findet sich, was Hildebrand Gurlitt am besten kannte, er hat beste Qualität gesammelt“, sagt Direktorin Nina Zimmer zur ersten Sendung von Werken. Das Kunstmuseum rechnet im Laufe des Sommers mit weiteren 350 Werken, überwiegend Papierarbeiten. Ab November sollen die Kunstwerke in einer Ausstellung mit dem Schwerpunkt „entartete Kunst“ präsentiert werden. „In Berner Besitz kommt nur, was erwiesenermaßen keine Raubkunst ist“, betonte Zimmer. Klar ist: Die deutschen Museen, in denen die Werke einst hingen, haben dann keine Ansprüche auf Rückerstattung. Die Bilder seien seinerzeit verkauft worden und würden nicht zurückgeführt, sagt Zimmer.

Jetzt geht erst einmal die Arbeit in Bern los. Jedes Werk muss nun unter die Lupe genommen werden. Dabei soll auch verhindert werden, dass sich Schimmelsporen in die Berner Sammlung einschleichen. Restauratorin Nathalie Bäschlin erklärt: „Manchmal denkt man: ein Aquarell, aber womöglich hat der Künstler das mit einer anderen Technik kombiniert. Das beeinflusst die Restaurierung.“ Ansonsten geht es vor allem um die Reinigung der Werke. Gurlitt hat viele, wie früher üblich, in säurehaltigen Mappen aufbewahrt, teils gestapelt und in Kisten, wie Bäschlin sagt. Säure verfärbe Papier. Heute arbeite man mit anderem Material. (dpa)

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