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Enthüllungsplattform
25.10.2011

Wikileaks setzt Veröffentlichung von Depeschen wegen Geldmangels aus

Wikileaks-Gründer Julian Assange und seine Enthüllungsplattform haben mit Finanzierungsproblemen zu kämpfen.
Foto: dpa

Wegen Geldmangels muss die Enthüllungsplattform Wikileaks die Veröffentlichung geheimer Dokumente aussetzen.

Die Enthüllungsplattform Wikileaks  setzt die Veröffentlichung geheimer US-Regierungsdokumente mangels Geldes aus. Eine finanzielle "Blockade" durch mehrere  Kreditinstitute habe Wikileaks in den vergangenen elf Monaten  mehrere zehn Millionen US-Dollar gekostet, sagte der Gründer der  Plattform, Julian Assange, am Montag. Sollte der Finanzengpass nicht bald behoben werden können, müsse Wikileaks seine Arbeit  einstellen.

Während der "vorübergehenden" Aussetzung weiterer  Veröffentlichungen wollen sich die Aktivisten Assange zufolge auf  "aggressives" Fundraising konzentrieren. Nur zehn Tage nach Beginn  den Veröffentlichungen im Winter vergangenen Jahres habe eine  Blockade durch die Kreditkartenriesen Visa und Mastercard sowie  Finanzinstitute wie die Bank of America, PayPal und Western Union  begonnen, sagte der Wikileaks-Chef vor Journalisten in London. Assange gab politischen Kräften in den USA die Verantwortung für  die Blockade.

"Der Angriff hat 95 Prozent unseres Einkommens zerstört", sagte  Assange. Die monatlichen Spenden seien von rund 100.000 US-Dollar umgerechnet rund 72.300 Euro auf rund 7000 US-Dollar gefallen, sagte  Wikileaks-Sprecher Kristinn Hrafnsson.

Wikileaks habe bei der Europäischen Kommission Klage wegen Verstoßes gegen das Kartellrecht eingereicht und erwarte eine  Entscheidung bis Mitte November, teilte Assange mit. Außerdem  bereite die Plattform Prozesse gegen die Blockade in Island,  Dänemark, Großbritannien, der EU, den USA und Australien vor.

Andere Aktionen wie Versteigerungen stehen nun im Mittelpunkt

Um ihre Finanzen auszubessern, startete Wikileaks in den  vergangenen Monaten bereits eine Reihe von Aktionen. Im September versteigerten die Aktivisten im Internet Erinnerungsstücke wie ein  geschmuggeltes Kaffeepäckchen, eine handsignierte  Diplomatendepesche oder ein Notebook, mit dem die Veröffentlichung  der US-Botschaftsdepeschen vorbereitet worden war. Im Juli  veranstaltete Wikileaks ein Mittagessen mit Assange in London. Die  acht verfügbaren Plätze versteigerte die Plattform ebenfalls über  das Internetauktionshaus Ebay. Assange steht in Großbritannien wegen Vergewaltigungsvorwürfen aus Schweden unter Hausarrest und  kämpft gegen seine Auslieferung.

Wikileaks hatte im April 2010 ein schockierendes Video  veröffentlicht, das die tödlichen Schüsse einer  US-Kampfhubschrauber-Besatzung auf Zivilisten in Bagdad zeigt.  Später machte Wikileaks 77.000 Dokumente zum Afghanistan-Krieg  sowie rund 400.000 geheime Unterlagen des Pentagons zum Irak-Krieg  und zum Afghanistan-Einsatz zugänglich. Damit zog es den Ärger von  USA und NATO auf sich.

Zuletzt hatte es Anfang September Wirbel um die ungeschwärzte  Veröffentlichung brisanter US-Botschaftsdepeschen gegeben. Die  US-Regierung, aber auch Menschenrechtsorganisationen hatten  gewarnt, dass dadurch das Leben von Informanten gefährdet sei.  Assange machte für die Panne einen Journalisten der britischen  Zeitung "The Guardian" verantwortlich. Dieser hatte in einem Buch  ein Passwort für die ungeschwärzte Version der Depeschen  veröffentlicht. Der Autor des Buches hatte erklärt, ihm sei  versichert worden, dass das Passwort nur einige Stunden gültig sein  solle. Nach Bekanntwerden der Panne stellte Wikileaks die  unredigierten Dokumente selbst ins Netz. afp/dapd/AZ

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