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Wikipedia

05.11.2017

Erfahrener Wikipedia-Autor warnt vor Artikeln des Online-Lexikons

Der anfängliche Hype um das kostenlose Online-Lexikon Wikipedia ist inzwischen abgeflacht. Dennoch vertrauen viele der Plattform blind.
Bild: Sven Hoppe, dpa (Symbolbild)

Wer etwas wissen will, zieht oft Wikipedia zurate. Das kostenlose Online-Lexikon basiert auf Artikeln von Laien. Ein langjähriger Wikipedia-Autor blickt kritisch auf die Plattform.

Das Online-Lexikon Wikipedia zählt zu den meistbesuchten Webseiten in Deutschland. Weltweit existieren etwa 39 Millionen Artikel in knapp 300 Sprachen. 5000 bis 6000 Autoren pflegen regelmäßig mehr als 2,1 Millionen deutschsprachige Artikel, jährlich kommen etwa 130.000 dazu.

Da viele der Artikel von Laien verfasst werden, ist allgemein bekannt, dass Wikipedia als Quelle nicht immer vertrauenswürdig ist. Auch ein erfahrener Wikipedia-Autor warnt vor manchen Artikeln des Online-Lexikons. "Wir denken viel zu oft: Was auf Wikipedia steht, stimmt alles", sagte der Autor mit dem Online-Pseudonym "Magiers". "Magiers", der Ende 40 ist, schreibt seit neun Jahren für das Online-Nachschlagewerk. Obwohl er selbst Mathematiker ist, befasst er sich in seinen Einträgen meist mit Themen aus Kunst und Kultur.

Jury ehrt Wikipedia-Artikel in München

Statt Information blind zu vertrauen, sollten Nutzer jedoch genau überprüfen, ob diese aus zuverlässigen Quellen stammen, warnt der Autor. Das sei nötig, weil für die Qualitätskontrolle der Artikel Laien verantwortlich sind. Zwar müssen langjährige Schreiber die Beiträge unerfahrener Autoren überprüfen, bevor sie online gehen, "doch das verhindert nur die ganz groben Schnitzer", erklärt er. Oft höre sich eine Information zwar plausibel an - aber der Quellennachweis dazu fehle. "Da kommt man schnell in Versuchung, den Artikel einfach freizuschalten", sagt "Magiers". Mancher Autor erfinde zudem Belege, die so nicht existierten.

"Magiers" ist außerdem Mitglied einer achtköpfigen Jury, die am Samstag in der Katholischen Journalistenschule in München die besten deutschsprachigen Wikipedia-Artikel des Jahres prämiert hat. Insgesamt neun Artikel aus verschiedenen Bereichen wurden geehrt. Besonders beeindruckt war die Jury von der Biografie des Fotopioniers Eadweard Muybridge. Der Autor Frank Schulenberg schöpfe "aus einer breiten Quellenbasis", lobten die Jury-Mitglieder. Im Bereich Naturwissenschaften wurde der Artikel über die Skorpiongattung Opistophthalmus ausgezeichnet. Ein Artikel über Urkundenfälschung im deutschen Recht erhielt die Auszeichnung im Bereich der Gesellschaftswissenschaften.

Erfahrener Autor kritisiert Online-Lexikon Wikipedia

"Vor zehn Jahren war eine Plattform wie Wikipedia noch neu und cool", sagt "Magiers". Inzwischen finden sich aber immer weniger Mitstreiter. "Heute ist der Internet-Hype abgeflacht." Außerdem mangle es der Wikipedia-Gemeinschaft an Willkommenskultur: "Viele neue Autoren bekommen kaum Rückmeldung auf ihre Texte oder ihre Artikel werden zurückgewiesen. Wir haben nicht die Kapazitäten, um jeden Einzelnen abzuholen", räumt "Magiers" ein.

Weil es zu den wichtigen Themen schon Einträge gibt, sei die Hauptarbeit der vielen freiwilligen Autoren, existierende Stücke zu bearbeiten und zu verbessern. "Dafür ist mehr Wissen notwendig als für das Verfassen von Texten", erklärt er. Aber: Perfektion sei nicht der Anspruch Wikipedias. Als Autor wolle man nicht verschleiern, dass die Texte einen Laienblick auf die Themen darstellen. Wichtiger sei, dass die Gemeinschaft jedem offen steht und somit eine große Vielfalt an Themen abdeckt.

Seinen echten Namen will "Magiers" nicht verraten. Damit ist der Wikipedia-Autor aber nicht allein. Das Lexikon bemühe sich, Klarnamen der Schreiber geheim zu halten, erklärt Denis Schröder, ein Sprecher des Vereins Wikimedia Deutschland, der die Online-Enzyklopädie unterstützt. In manchen Regionen auf der Welt seien Autoren sonst gefährdet. dpa/poda

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