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18.12.2013

Facebook liest auch, was du nicht schreibst

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Bild: Jewel Samad, AFP

Bisher dachten wir, Beiträge, die wir eintippten, aber nicht veröffentlichten, blieben nur uns selbst vorbehalten. Eine Studie legt nun nahe, dass dem nicht so ist.

Dass das soziale Netzwerk Facebook das Verhalten und die Äußerungen seiner Nutzer auswertet, ist nichts Neues. Neu ist jedoch, dass auch Beiträge analysiert werden, die niemals öffentlich wurden. Wer also eine peinliche Statusnachricht geschrieben, aber letztlich doch nicht veröffentlicht hat, ist nicht aus dem Schneider. Beiträge wie beispielsweise "Ich bin betrunken und mein Chef nervt" bleiben gespeichert, auch wenn sie nie gepostet wurden.

Facebook-Mitarbeiter untersuchen nie veröffentlichte Beiträge in Studie

Herausgefunden haben das zwei Facebook-Mitarbeiter. Sauvik Das und Adam Kramer haben einen wissenschaftlichen Artikel zum Thema Selbstzensur im Sinne nicht-veröffentlichter Beiträge bei Facebook geschrieben. Zitiert wird die Studie in einem Artikel des Online-Magazins Slate .

Für ihre Untersuchung werteten Das und Kramer die Eingaben von 3,9 Millionen englischsprachigen Nutzern in einem Zeitraum von 17 Tagen aus. Sie untersuchten unterlassene Statusnachrichten, Posts auf den Seiten von Freunden und sowie Kommentare zu den Beiträgen anderer.

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Ihr Ergebnis: 71 Prozent der Facebook-Nutzer löschen Beiträge, die sie begonnen haben zu schreiben, betreiben also Selbstzensur. Statusmeldungen werden dabei öfter gelöscht als Kommentare. Männer zensieren häufiger Statusmeldungen als Frauen, ebenso handeln Nutzer mit großer Kontrolle über ihr Publikum.

Um zu sammeln, was jemand eintippt, sendet Facebook Code an den Browser des Nutzers. Dieser analysiert automatisch, was geschrieben wird und sendet die Metadaten zurück an Facebook. Der Technik bedient sich zwar nicht Facebook allein. Auch Google nutzt sie. Der Unterschied: Google tut dies, um begonnene E-Mails im E-Mail-Programm Gmail zu speichern. Facebook, um Beiträge zu speichern, die die Nutzer aller Wahrscheinlichkeit nach niemals veröffentlicht sehen wollten.

Kein Hinweis in den Datenschutzbestimmungen

In Facebooks Datenschutzbestimmungen findet sich kein expliziter Hinweis auf die Vorgehensweise des sozialen Netzwerks. Dort heißt es: "Jedes Mal, wenn du Facebook nutzt oder aufrufst, erhalten wir Daten über dich, beispielsweise wenn du die Chronik einer anderen Person aufrufst, eine Nachricht versendest oder erhältst, nach Freunden oder einer Seite suchst, Inhalte anklickst, aufrufst oder auf sonstige Art mit ihnen interagierst". Der letzte Teil "auf sonstige Art mit ihnen interagierst" lässt dabei Spielraum für Interpretation. Slate fragte bei einem Facebook-Sprecher nach, der bestätigte, dass Facebook glaube, Selbstzensur falle unter diese Art von Bestimmung.

Die beiden Autoren der Studie, Sauvik Das und Adam Kramer, schreiben in ihrem Artikel, dass Facebook momentan nur untersuche, ob eine Selbstzensur stattfinde. Nicht, was gelöscht werde. Technisch möglich ist jedoch auch das. Das und Kramer schließen ihre Arbeit auch mit den Worten: "Durch diese Untersuchung haben wir ein besseres Verständnis darüber erlangt, wie und wo Selbstzensur in sozialen Medien stattfindet. Als nächstes werden wir besser verstehen, was und warum zensiert wird."

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