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WhatsApp, Instagram, Facebook

01.02.2019

Facebook will seine Messenger verschmelzen - Was das für Nutzer heißt

Die drei Dienste haben jeweils mehr als eine Milliarde Nutzer. Facebook als Online-Netzwerk kommt auf mehr als 2,2 Milliarden aktive Mitglieder.
Bild: Dominic Lipinski, dpa (Symbol)

Facebook plant offenbar die Zusammenlegung der Messenger von WhatsApp, Instagram und Facebook. Ein Social-Media-Experte erklärt, was dahintersteckt.

Facebook Messenger, Instagram, Whatsapp - Facebook will seine Messengerdienste zusammenführen. Das berichtet die New York Times, die sich auf vier interne Quellen beruft. Ein Facebook-Nutzer soll dann einen WhatsApp-Nutzer kontaktieren können, auch wenn dieser keinen Facebook-Account hat. Die Funktion soll dem Bericht zufolge Ende des Jahres bzw. Anfang 2020 verfügbar sein.

Das Online-Netzwerk bestätigte zumindest, dass es Überlegungen in diese Richtung gibt. "Wir arbeiten daran, mehr unserer Messaging-Dienste mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung auszustatten, und prüfen Wege, wie man Freunde und Familie über die Grenzen verschiedener Netzwerke hinweg einfacher erreichbar machen kann", sagte ein Sprecher gegenüber der Zeitung.

Doch wie genau soll diese Verschmelzung aussehen? Und was bedeutet sie für Nutzer? Social-Media-Experte Martin Fehrensen gibt Antworten.

Welche Pläne verfolgt Facebook? Gibt es bald nur noch einen Messenger?

Martin Fehrensen: Facebook plant, die einzelnen Messenger-Funktionalitäten von Instagram, WhatsApp und Facebook Messenger technisch miteinander zu verschränken. Es geht nicht darum, die einzelnen Apps aufzugeben, und eine Giga-Plattform zu bauen. Vielmehr ist künftig sozusagen unter der Haube stets der baugleiche Motor zu finden.

Welches Interesse verfolgt Facebook damit?

Fehrensen: Facebook möchte einerseits dem Trend Tribut zollen, dass immer mehr Menschen lieber Messenger nutzen, um sich mit Freunden und Bekannten auszutauschen, als ihre Erlebnisse und Gedanken in der Pseudo-Öffentlichkeit des Facebook News Feeds zu veröffentlichen. Die Verschränkung der einzelnen Angebote soll Nutzern also mehr Möglichkeiten an die Hand geben, sich untereinander zu vernetzen. Genau diese Vernetzung aber ist es auch, die für Facebook selbst so wertvoll ist. Durch die Kommunikation über Messenger hinweg kann Facebook einen bis dato unerreichten Datenschatz heben: wer spricht mit wem, wann und wie lange - solche Metadaten erlauben es Facebook, noch sehr viel zielgerichtetere Werbung zu verkaufen.

Darüber hinaus sieht sich Facebook mit Rufen nach strengerer Regulierung und einer möglichen Zerschlagung konfrontiert. Die Verschränkung der technischen Infrastruktur der einzelnen Dienste könnte dazu führen, dass die Rufe zwar nicht geringer, die Chancen einer wirklichen Zerschlagung aber kleiner werden.

Martin Fehrensen ist Journalist und Blogger. Seit 2010 beschäftigt er sich intensiv mit dem digitalen Wandel.
Bild: Robert Winter (Archiv)

Hat die Zusammenlegung für Nutzer Vorteile?

Fehrensen: Die Vorteile bestehen darin, dass Menschen nicht zwangsläufig selbst bei all den Diensten einen eigenen Account haben müssen, um sich mit Freunden, Bekannten und Verwandten auszutauschen. Auch sieht es so aus, als würde künftig die Kommunikation standardmäßig verschlüsselt stattfinden - Facebook würde mit einem Schlag die weltgrößte Plattform für verschlüsselte Kommunikation schaffen.

Und Nachteile?

Fehrensen: Es sieht so aus, als müssten Nutzer damit rechnen, dass ihre Profile bei Facebook zusammengetragen werden. Für Menschen, die sowieso überall mit Klarnamen agieren, ist dies kein Problem. Es gibt aber auch viele Nutzer, die sich bei WhatsApp lediglich via Telefonnummer angemeldet haben und eben bislang nicht den echten Namen hinterlegt haben. Auch gibt es bei Instagram viele Nutzer, die ein Pseudonym verwenden. Die technische Integration der einzelnen Dienste könnte somit zur Folge haben, dass Anonymität nicht mehr gewährleistet ist. Darüber hinaus birgt das Vorhaben die Gefahr, dass eine einzelne, zentrale Datenbank bei Facebook entsteht, in der sämtliche Kommunikationsdaten zusammengetragen werden. Das macht es für Hack-Angriffe natürlich ungleich attraktiver.

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