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Auszeichnung

06.10.2012

Für das Vergessen im Internet: Großaitinger erfindet "Digitalen Radiergummi"

Sieger im Wettbewerb "Technik des Vergessens" des Bundesinnenministeriums wurde Sebastian Sterz aus Großaitingen. Hier erhält er den mit 5000 Euro dotierten Preis von Innenminister Dr. Hans Peter Friedrich (links) und Professor Dr. Hening Kagermann, Präsident der deutschen Akademie der Technikwissenschaften.
Bild: Reinhold Radloff

Sebastian Sterz hat einen „digitalen Radiergummi“ erfunden. Nun kann er Daten im Internet unauffindbar machen. Damit hat er sogar einen Wettbewerb des Innenministeriums gewonnen.

Das Internet vergisst nichts. Dieser Satz sollte jedem präsent sein, der Dinge ins World Wide Web stellt. Egal ob peinliche Partyfotos oder interne Firmenpapiere – auch wenn sie gelöscht sind, bleiben sie auffindbar. Und das kann in den falschen Händen schlimme Folgen haben.

System basiert auf einem "Melting Link"

Deshalb schrieb das Bundesinnenministerium unter anderem einen Ideenwettbewerb zum Thema „Technik des Vergessens“ aus. Sieger in dieser Kategorie wurde Sebastian Sterz aus Großaitingen. Er stellte  ein  System  vor, mit dem zwei oder mehr Personen völlig sicher und uneinsehbar für Ungebetene miteinander kommunizieren können und deren Austausch zu einem von ihnen bestimmten Zeitpunkt sich wieder im Nirvana auflöst. 5000 Euro war der Bundesregierung seine Erfindung wert. Sie basiert darauf, dass ein Mink (= melting oder schmelzender Link) angelegt wird, der nur den Beteiligten bekannt ist und auf dessen Basis die Interessengruppe kommuniziert. Die ausgetauschten Daten sind dabei verschlüsselt, und zwar kostenlos, „denn Sicherheit darf im Internet kein Geld kosten“, so Sterz.

Ein Jahr Arbeitszeit investiert

Der Student der Physik und Informatik an der Universität Augsburg steckte ein Jahr Arbeit in sein Hobby-Projekt. Das schöne an seiner Erfindung ist, dass man sich nirgends registrieren oder Voraussetzungen erfüllen muss. Ganz profan erklärt Sebastian Sterz seine hoch wissenschaftliche Lösung so: „Bisher war alles im Internet Veröffentlichte quasi tätowiert, also unauslöschlich. Jetzt kann man empfindliche Daten wie mit einem Bleistift schreiben, sie einkapseln und alles wieder ausradieren.“

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Idee bringt finanziell noch nichts ein

Dieser „digitale Radiergummi“ sorgte in Fachzeitschriften wie dem CT-Magazin, auf der Cebit und in Wissenschaftsmagazinen im Fernsehen für Aufsehen. Doch auf Vermarktungsangebote seiner Idee wartet Sterz noch immer, ebenso wie auf Verbesserungsvorschläge oder Anregungen. „Dabei ist das Thema so unglaublich wichtig.“

Es brauchen aber keine Heimlichkeiten sein, die ausgetauscht werden. Zum Beispiel würde eine Auto- oder Immobilienanzeige nach dem Verkauf des Objekts zu einem selbst gewählten Zeitpunkt einfach spurlos verschwinden. Noch wird Sterzs Idee sehr wenig genützt und bringt ihm finanziell nichts ein. Deshalb schreibt er weiter an seiner Diplomarbeit: „nmr und nqr in schweren Fermionen“. Vielleicht lässt sich ja daraus ein Erwerbszweig entwickeln. „Eher auch nicht“, meint er.

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