1. Startseite
  2. Digital
  3. In sieben Schritten sicher und geschützt durchs Internet

"Safer Internet Day"

05.02.2019

In sieben Schritten sicher und geschützt durchs Internet

Cybersicherheit ist ein Thema, das alle Nutzer berührt, nicht nur am "Safer Internet Day".
Bild: Sebastian Gollnow, dpa (Symbolbild)

Wie wehre ich Computer-Viren ab? Welche Dateien sind gefährdet? Was ist ein sicheres Passwort? Am Aktionstag "Safer Internet Day" klärt ein Experte aus der Region auf.

Hacker-Angriffe, Datenklau, Viren – das Internet bietet nicht nur Freiheiten, sondern birgt auch Gefahren. Um auf diese kleinen und großen Fallen im Netz aufmerksam zu machen, gibt es seit 2008 den "Safer Internet Day". Diesmal findet der Aktionstag am 5. Februar statt. Ein Anlass, einen kritischen Blick auf den eigenen Umgang mit dem Internet zu werfen und Experten zu befragen.

Andreas Herz ist Mitglied im "Chaos Computer Club", einem europäisches Bündnis von Hackern, die immer wieder auf Sicherheitslücken im Netz hinweisen. Der 32-jährige Schwabmünchner befasst sich schon seit seiner Schulzeit mit den Chancen und Gefahren des Internets. Er erklärt, worum es am "Safer Internet Day" geht: "Das Wichtigste ist, dass man sich an diesem Tag mit der Thematik im Detail befasst, die Empfehlungen von Experten ernst nimmt, umsetzt und dann weiterhin pflegt." Für den sicheren Umgang mit dem Netz hat Andreas Herz sieben Ratschläge:

1. Keine einfachen Passwörter verwenden
Herz erklärt: "'Hans1950' ist ein komplett unsicheres Passwort, 'HiA5.9gUzIj1950!' schon etwas besser." Den neuen Code hat aus einem ganzen Satz gebildet: Hans ist Am 5.9 geboren Und zwar Im jahr 1950!. "Es gibt viele Beispiele dieser Art, wie man sich auch lange Passwörter merken kann", sagt Herz.

ecsImgBannerNewsletter250x370@2x-1315723864673274678.jpg

2. Passwörter nicht mehrfach verwenden
Pro Dienst oder Anwendung nur ein Passwort verwenden. Sollte dann ein Datenleck auftreten, sind nicht direkt alle anderen Zugänge und Profile betroffen. Um den Überblick zu behalten, gibt es Passwortmanager wie zum Beispiel "KeePass", die einem das erleichtern und mit deren Hilfe man sich nur ein Master-Passwort merken muss. "Im Zweifelsfall notiert man sich dieses Passwort und versperrt es irgendwo", sagt Herz.

3. Alle Systeme und Anwendungen aktuell halten
Auch das ist laut Herz extrem wichtig, da nur so Sicherheitslücken geschlossen werden. Gerade bei Smartphones gestaltet sich das jedoch schwieriger als am Computer, da die Hersteller nicht schnell genug oder über einen ausreichenden Zeitraum Updates anbieten.

4. Gesundes Misstrauen bei Dateianhängen
"Im Zweifelsfall Dateien mit einem Virenscanner erneut prüfen, bevor eine Datei geöffnet wird", erklärt Herz. Auch bei Dateiendungen achten, dass diese komplett angezeigt werden. "Teilweise war es unter Windows üblich, dass der letzte Teil einer Datei ausgeblendet wurde und somit nicht ersichtlich war, dass eine "doc"-Datei eigentlich eine "doc.exe"-Datei war", so Herz.

5. Backups von wichtigen Daten machen
Immer wieder gibt es Malware, also Schadsoftware, die die betroffene Festplatte verschlüsselt und damit den weiteren Zugriff auf Daten verhindert. Externe Festplatten sind dagegen nicht sehr teuer. "Man sollte dort regelmäßig seine Daten sichern oder auch bei Online-Diensten, denen man vertraut", erklärt Herz. Wichtig sei immer, das Backup zu prüfen und auch die externe Festplatte zu kontrollieren. Das externe Laufwerk sollte nicht dauerhaft am PC angeschlossen sein.

6. Wichtige Daten auch verschlüsseln
Die Verschlüsselung ist wichtig, um Zugriff von Fremden zu verhindern. Dazu gibt es sehr viele und unterschiedliche Tools, zum Beispiel "Bitlocker" und "Veracrypt" für Windows oder "FileVault" für Mac-Computer.

7. Fremde Rechner und WLAN-Netze mit Vorsicht genießen.
Im Zweifelsfall lieber eigene Geräte und Mobilfunkverbindungen nutzen.

Andreas Herz beobachtet die Entwicklungen im Netz. "Die Anzahl der Angriffe genau zu messen ist schwierig. Aber allein dadurch, dass immer mehr Systeme und Geräte im Netz im Einsatz sind, wächst der Zoo an Möglichkeiten und somit auch die Zahl der Viren." Immer mehr Menschen beschäftigen sich mit dem Netz und IT-Systemen. "Das Wachstum der Cyberattacken würde ich also als ganz normal bezeichnen", erklärt Herz.

Experte: Virenschutz ist ein "Katz-und-Maus-Spiel"

Die Entwickler von Virenschutz-Programmen kämpfen gegen diese rasante Beschleunigung an. Auch neue Technologien, die auf künstliche Intelligenz (Machine Learning) oder auf die Isolierung und Abkopplung von Programmen (Sandboxing) bauen, haben laut Herz nur bedingten Erfolg –  "doch sie verkaufen sich sehr gut". Deutlich sinnvoller sei es, die Systeme zu sichern und zu aktualisieren. Herz möchte das Bewusstsein bei den Usern und Anwendern schärfen.

Die Wege, auf denen Viren sich in Daten-Systeme einschleichen, werden zunehmend professioneller und unauffälliger: Oft sind es Datei-Anhänge in E-Mails, scheinbar von seriösen Absender, von Banken oder Versicherungen. Sie fordern User auf, persönliche Daten preiszugeben. Herz weiß, wer hinter solchen Angriffen steckt. "Diese Attacken sind in den meisten Fällen organisierte Gruppen, die auf diesem Weg versuchen, an Geld zu kommen", erklärt der Experte. "Es kann aber auch genauso gut ein sogenanntes 'Script-Kiddie' sein, das sich einfach austobt." Script-Kiddies, das sind junge Hacker wie der 20-jährige Hesse, der im Jahr 2018 Daten von rund 1000 Politikern, Prominenten und Journalisten abgezapft hat. Immer wieder stehen auch ausländische Geheimdienste in Verdacht. In vielen Fällen sei das zwar eher unwahrscheinlich, wenn auch nicht ausgeschlossen, sagt Herz.

Manche Dateiformate sind besonders anfällig für Computer-Viren

Welche Daten sind nun am häufigsten mit Viren belegt? Laut Herz sind es meist ausführbare Dateien - sie enden zum Beispiel auf ".exe" - oder auch Office-Dokumente, die Makros nutzen. Dazu gehören vor allem beliebte Word-Formate mit der Endung "doc" oder "docx". Der Fachmann erklärt: "Die Dateien eignen sich allein schon deshalb, da sie Vorgänge aktiv ausführen und meist mit gewissen Zugriffs-Berechtigungen ausgestattet sind." Solche Formate seien aber auch deswegen ein "beliebtes Ziel", da sehr viele Systeme mit diesen Programmen arbeiten. So bahnen sich Viren den Weg zu empfindlichen Passwörtern, persönlichen Dateien und Daten.

Themen Folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren