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Italien
28.09.2016

Kampf gegen die Mafia: Geschäftsleute in Corleone wehren sich erstmals

Corleone - alle Welt kennt den Ort auf Sizilien von den Bildern aus dem Mafiafilm „Der Pate“.
Foto: Mike Palazzotto, epa/dpa

Erstmals haben Geschäftsleute in dem berüchtigten Ort ihre Erpressung durch die Cosa Nostra angezeigt. Ermittler bewerten das als Erfolg im Kampf gegen das organisierte Verbrechen.

Corleone ist ein gebrandmarktes Dorf. Alle Welt kennt den Ort auf Sizilien von den Bildern aus dem Mafiafilm „Der Pate“ von Francis Ford Coppola. Dessen fiktiver Protagonist Don Vito Corleone ist gar nach dem Ort benannt. Aber auch in der Realität spielte die Cosa Nostra dort in den vergangenen Jahrzehnten eine tragende Rolle. Die Superbosse Salvatore Riina und Bernardo Provenzano wurden in Corleone geboren und bauten von dort aus ihre mörderische Herrschaft über ganz Sizilien auf. Der 85-jährige Riina steckt seit 1993 im Gefängnis, Provenzano starb vor gut zwei Monaten 83-jährig in Haft.

Obwohl die Zeit der einflussreichen Bosse auf Sizilien vorbei ist, wurde erst im August die Gemeindeverwaltung von Corleone aufgelöst – wegen Unterwanderung durch die Mafia. Doch nun gibt es auch positive Nachrichten aus dem Nest: Erstmals haben acht Unternehmer aus Corleone, die Schutzgeld an die Mafiosi zahlten, diese Erpressung der Polizei angezeigt und so das „omertà“ genannte Schweigegelübde gebrochen. „Wenn Handwerker und Geschäftsleute in Dörfern wie Corleone Schutzgelderpressung anzeigen, ist das auch überall anders möglich“, sagt Daniele Marannano von der Antimafiaorganisation Addiopizzo.

„Anzeige in diesem Umfeld keine Selbstverständlichkeit“

Die Anzeige hatte Folgen: Am Dienstagmorgen nahmen Carabinieri in Corleone zwölf Männer fest, die offenbar versucht hatten, die kriminelle Herrschaft über den Bezirk neu zu organisieren. Die Ermittler hatten die Mafiosi in einem Büro im Stadion von Corleone abgehört und dabei von der Erpressung mehrerer Unternehmer aus dem Immobiliensektor mittels Zahlung des Schutzgeldes erfahren. Zudem war die Antimafia-Organisation Addiopizzo in den vergangenen Monaten mit einigen Geschäftsleuten der Gegend in Verbindung getreten, die sich jüngst entschlossen hatten, die Erpressung ebenfalls anzuzeigen. „Eine Anzeige in diesem Umfeld ist keine Selbstverständlichkeit“, sagt Marannano.

Unter den Festgenommenen war auch der 47-jährige Carmelo Gariffo, der Lieblingsneffe von Bernardo Provenzano, und sein ehemaliger Sekretär. Zusammen mit einem unbescholten wirkenden Gemeindeangestellten von Corleone hatte Gariffo laut Staatsanwaltschaft versucht, den Mafiadistrikt Corleone wieder in seine Gewalt zu bekommen. Er saß jahrelang selbst im Gefängnis, weil er an der Jahrzehnte währenden Flucht seines Onkels beteiligt war.

Zahlungsmoral auf 25 Prozent zurück

Provenzano hatte sich vor seiner Festnahme im April 2006 in einer Hütte in den Bergen oberhalb von Corleone versteckt. Sein Neffe war in den vergangenen Jahren wieder auf Freigang. In dieser Zeit agierte die lokale Mafia in Corleone scheinbar unbehelligt weiter. Bis zur Auflösung der Gemeindeverwaltung vor einem Monat kontrollierte sie die Müllentsorgung, den Mensabetrieb der Schule und die Firma, die für die Steuereintreibung zuständig ist. Die Zahlungsmoral im Ort ging den Ermittlern zufolge in dieser Zeit von 73 auf 25 Prozent zurück.

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