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18.06.2017

Was Twitters neue Datenschutzrichtlinien bedeuten

Twitter ändert zum 18. Juni seine Datenschutzrichtlinien - und verspricht Nutzern mehr Kontrolle. Alles nur Schein? Verbraucherschützen sehen die Änderungen kritisch.
Bild: Tobias Hase/Illustration, dpa

Der Kurznachrichtendienst Twitter ändert zum 18. Juni seine Datenschutzrichtlinien. Was das für den Nutzer bedeutet - und wie Verbraucherschützer die Veränderungen einschätzen.

"Wir hoffen, du schätzt diese Änderungen" - Twitter informiert seine Nutzer derzeit über neue Datenschutzrichtlinien, die ab dem 18. Juni gelten. Wer den 140-Zeichen-Kurznachrichtendienst nutzt, kann die Verwendung seiner Daten dann zwar genauer kontrollieren. Eine wichtige Privatsphäre-Option hat Twitter aber gestrichen.

Welche Neuerungen gibt es?

Im Bereich "Individualisierung und Daten" gibt der Kurznachrichtendienst seinen Nutzern künftig die Möglichkeit, genauer zu steuern, "wie Twitter Inhalte personalisiert und bestimmte Daten erfasst und teilt". Dort lässt sich per Häkchen darüber entscheiden, ob Twitter Werbung auf den Nutzer zuschneiden soll und ob der Dienst dafür auch die Apps einbeziehen darf, die auf mobilen Geräten installiert sind.

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Twitter verspricht dabei, nur die Liste der Apps zu erfassen, "nicht die in den Anwendungen enthaltenen Daten". Nutzer können in dem Bereich auch angeben, ob Twitter ihre Standorte und die von ihnen genutzten Geräte zu Werbezwecken auswerten darf. Wer nicht will, dass der Kurznachrichtendienst seine App- und Web-Aktivitäten verfolgt, sollte die von Twitter gemachten Voreinstellungen ändern.

Welche Daten gibt Twitter an seine Partner weiter?

Wer der Option "Daten über ausgewählte Partnerschaften teilen" zustimmt, muss damit rechnen, dass Twitter Werbepartnern "bestimmte private Daten" zur Verfügung stellt. Welche das im Einzelnen sein können, erklärt der Kurznachrichtendienst aber nicht näher. Von der Weitergabe an Dritte sollen Name, E-Mail-Adresse und Telefonnummer demnach aber ausgenommen bleiben.

Wie lange sich der Dienst an dieses Versprechen halte, sei aber "völlig unklar", warnt Carola Elbrecht, Rechtsreferentin beim Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). WhatsApp habe zunächst ähnliche Aussagen gemacht und schließlich doch Daten mit Facebook ausgetauscht.

Wo sehen Nutzer, was Twitter über sie weiß?

Der Bereich "Deine Twitter Daten" gibt einen Überblick darüber, was Twitter über den Nutzer gespeichert hat. Dort lassen sich bestimmte Angaben auch ändern, etwa die von Twitter durch Profil und Aktivität ermittelten "Interessen". Wer zum Beispiel keine Werbung zu "Comedy" oder "Unternehmertum" sehen will, kann diese Einträge streichen.

Lässt sich die Werbung jetzt ganz abschalten?

Auch mit den neuen Datenschutzrichtlinien lassen sich Werbeinhalte nicht deaktivieren. Wer keinen Wert auf maßgeschneiderte Werbung legt, kann allerdings im Bereich "Individualisierung und Daten" einfach auf den Button "Alle deaktivieren" klicken. Diese Auswahl bietet sich auch für alle an, die Twitter möglichst wenige Daten über sich preisgeben wollen.

Was fällt mit den neuen Datenschutzrichtlinien weg?

Twitter unterstützt die Browsereinstellung "Do Not Track" (DNT) künftig nicht mehr - sie habe sich nicht wie gehofft als Branchenstandard durchgesetzt. Einige Browser bieten ihren Nutzern DNT an, damit ihr Surfverhalten nicht Dienst- oder Seiten-übergreifend nachverfolgt wird. Dadurch, dass die Umsetzung des DNT-Standards weder verbindlich noch eindeutig festgelegt ist, können sich Verbraucher aber nicht sicher sein, dass sich Unternehmen an dieses Signal halten.

Anstelle von DNT bietet Twitter seinen Nutzern jetzt "detailliertere Datenschutzeinstellungen". Im Hinblick auf die Qualität des Datenschutzes birgt das ein Risiko. "Wenn die einfache Ja-Nein-Entscheidung bei DNT jetzt ersetzt wird durch komplizierte Privacy-Einstellungen, kann das viele Nutzer überfordern", sagt Matthias Enzmann vom Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie.

Was sagen Verbraucherschützer?

vzbv-Rechtsreferentin Elbrecht hält die Darstellung der persönlichen Datenschutzeinstellungen für "ziemlich transparent". Bedenklich findet sie die Voreinstellungen, die Twitter im Bereich "Individualisierung und Daten" vornimmt. Nutzer müssten sich so erst aktiv gegen eine Datenweitergabe entscheiden.

Fragwürdig sei auch, dass diese Einstellungen in den Accounts schon vor dem Inkrafttreten der neuen Datenschutzrichtlinien umgesetzt wurden. "Es bleibt zu hoffen, dass Twitter diese Daten noch nicht nutzt", sagt Elbrecht. afp

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