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Terror

19.11.2015

Wenn Facebook-Freunde plötzlich eine IS-Seite "empfehlen"

Facebook generierte automatisch eine Seite zum "Islamischen Staat" - und macht 24.000 Facebook-Nutzer zu "Fans" dieser Seite.
Bild: Screenshot

Peinliche Panne: Facebook hat rund 24.000 unschuldige Nutzer zu "Fans" der Terrororganisation "Islamischer Staat" gemacht. Gefragt wurden die Betroffenen nicht.

Ob Münchens zweiter Bürgermeister Josef Schmid oder etliche Redakteure des Bayerischen Rundfunks: Gut 24.000 Facebook-Nutzer trauten am Donnerstag ihren Augen nicht. Sie "empfahlen" bei Facebook plötzlich eine Fanseite des sogenannten "Islamischen Staats" (IS) - keine Woche, nachdem gerade dieser IS in Paris fast 130 Menschen ermordet hatte.

Tatsächlich "Gefällt mir" hatten wohl nur die wenigsten Betroffenen auf der Seite mit dem arabischen Titel الدولة الإسلامية geklickt. Dennoch wurden die 24.000 Facebook-Nutzer beim Aufruf ihrer Profile als Fans der Seite verzeichnet. Bei nicht wenigen von ihnen dürfte das zu peinlichen Fragen geführt haben - von Freunden und Bekannten, möglicherweise auch von Arbeitgebern. Daran dürfte auch nichts geändert haben, dass auf der Facebookseite lediglich eine Kopie des Wikipedia-Eintrag zum "Islamischen Staat" aufgeführt war.

Was auffiel: Unter den Nutzern, die die Seite des "Islamischen Staats"empfahlen,  waren sehr viele Journalisten, vom Bayerischen Rundfunk etwa, aber auch von Nachrichtenportalen regionaler und überregionaler Tageszeitungen.

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Das, und ein unauffälliger Hinweis auf der Facebook-Seite selbst führen auch zur Rätsels Lösung. "Diese Seite wurde automatisch anhand der Interessen der Facebook-Nutzer generiert und ist mit keiner Person im Zusammenhang mit diesem Thema verknüpft oder deren Eigentum", teilt Facebook nämlich mit.

Damit ist klar, wieso 24.000 unschuldige Menschen plötzlich die Facebook-Seite der Terror-Organisation IS empfahlen:

  • Facebook erstellt regelmäßig automatisiert Fan-Seiten zu Firmen, Ereignissen oder Organisationen, die aktuell für großes öffentliches Interesse sorgen. Als Grundinformation wird dabei einfach ein passender Text aus Wikipedia verwendet. So geschah es auch mit dem "Islamischen Staat", der nach den verheerenden Terroranschlägen von Paris bei vielen Menschen plötzlich im Fokus stand.
     
  • Der Facebook-Algorithmus wertet aus, wer sich bei Facebook mit der entsprechenden Organisation, dem Thema oder Ereignis intensiv auseinandersetzt und "ernennt" diese Nutzer quasi in Eigenregie zu "Fans".
     
  • Im Fall des "Islamischen Staats"  wurden offensichtlich vor allem Facebook-Nutzer unwissentlich zu empfehlenden "Fans" gemacht, die sich in den vergangenen Tagen intensiv durch Suchen, Recherchen, Lesen und  Kommunikation mit diesem auseinandergesetzt hatten - vor allem eben Journalisten.

Sich gegen den unpassenden Empfehlungs-Algorithmus zu wehren, dürfte den Betroffenen schwer fallen. Da sie die Seite niemals manuell geliked haben, können sie diesen Schritt auch nicht rückgängig machen. bo

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