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16.06.2009

Wenn die Festplatte schrumpft: Verwirrende Maßeinheiten

Wenn die Festplatte schrumpft: Verwirrende Maßeinheiten
Bild: DPA

Frankfurt/Main/Braunschweig (dpa/tmn) - Auf der Packung sind 500 Gigabyte Speicherplatz angegeben, doch sobald die neue Festplatte an den Rechner angeschlossen ist, zeigt das System nur noch 465 Gigabyte an.

"Wo ist der restliche Speicherplatz hin?", fragen sich immer wieder ratlose Käufer. Die Antwort ist einfach und kompliziert zugleich: Die Differenz entsteht, weil Hersteller von Speichermedien und Betriebssystem-Entwickler den Speicherplatz auf unterschiedliche Art berechnen. Je größer der Speicher, desto stärker fällt die Differenz ins Gewicht - bei einer Ein-Terabyte-Festplatte sind es schon zehn Prozent. Ein zusätzliches Ärgernis: Beim Formatieren des Datenträgers geht ein weiterer kleiner Teil des Speicherplatzes verloren.

Viele Verbraucher gehen davon aus, dass 1000 Byte ein Kilobyte und 1000 Kilobyte ein Megabyte sind. Schließlich sind 1000 Meter auch ein Kilometer und 1000 Gramm ein Kilogramm. In der Informationstechnik wird jedoch anders gerechnet, sagt Gerhard Henninger, Referent für Multimedia-Normen bei der Deutschen Kommission Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik (DKE) in Frankfurt am Main. "Computer arbeiten mit Zweier- statt mit Zehnerpotenzen, deshalb besteht ein Kilobyte genau genommen nicht aus 1000, sondern aus 1024 Byte."

So wie Autohersteller die Größe des Hubraums normalerweise aufrunden, lassen auch viele Hersteller von Speichermedien - Festplatten, Flash-Speicher, DVDs, Blue-Ray-Discs und so weiter - ihre Produkte gerne etwas größer wirken. Das machen sie, indem sie die Größe in Zehner- statt in Zweierpotenzen angeben. Sie machen also 1000 Byte zu einem Kilobyte.

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Aus Sicht eines Computers ergeben aber 1024 Byte ein Kilobyte. Also bräuchte das Betriebssystem einige Kilobyte mehr, um auf jene Giga- oder Terabyte-Zahl zu kommen, die vom Hersteller angegeben wird.

Da der Unterschied zwischen 1000 und 1024 Byte nur 2,4 Prozent beträgt, fällt die Differenz im Kilobyte-Bereich noch nicht allzu sehr auf. Bei einem Megabyte macht der Unterschied zwischen den beiden Berechnungsmethoden aber bereits 4,9 Prozent aus, bei einem Gigabyte dann schon 7,4 Prozent.

Wer sich Speichermedien in Terabyte-Größe anschafft, kann feststellen, dass die Angaben von Speicher-Hersteller und Betriebssystem um rund ein Zehntel differieren. "Es gibt keinen plausiblen technischen Grund, die Größe nicht technisch korrekt anzugeben. Möglicherweise machen die Hersteller das der Einfachheit halber", sagt Henninger.

Um Verwirrung zu vermeiden, hat die Internationale Elektrotechnische Kommission (IEC) mit Sitz in Genf im Jahr 1996 neue Bezeichnungen vorgeschlagen. Wird die Größe eines Speichermediums als Potenz zur Basis zehn angegeben, soll sie mit den gewohnten Namen bezeichnet werden, also Kilobyte (KB), Megabyte (MB), Gigabyte (GB), Terabyte (TB). Wird die Größe im Zweiersystem berechnet, soll als zweite Silbe ein "bi" für zwei stehen - also Kibibyte (KiB), Mebibyte (MiB), Gibibyte (GiB), Tebibyte (TiB) und so weiter.

Diese Bezeichnungen haben sich aber - wie es in der Welt der Normung nicht selten vorkommt - im Alltag nicht durchsetzen können, sagt Hans Harcken, Experte für magnetische Datenträger bei der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt in Braunschweig. Die Maßeinheiten-Verwirrung per Gesetz zu beenden, hält DKE-Referent Henninger für unnötig: "Wir haben schon genug Normen."

Bei der Größe und den Preisen, zu denen Speichermedien heutzutage zu haben sind, sei die Differenz kein großes Thema mehr, sagt Benjamin Benz von der Zeitschrift "c't". Ob eine Terabyte-Festplatte, die zur Zeit um die 75 Euro kostet, nun 900 Gigabyte oder 1,02 Terabyte groß ist - "bis ich diese Platte voll habe, gibt's sowieso schon wieder eine neue, billigere." Benz rät Verbrauchern daher, sich nicht über Differenzen aufzuregen: "Wer eine Zwölfzimmerwohnung bezieht, beschwert sich ja auch nicht, wenn der Flur einen halben Quadratmeter kleiner ist als versprochen."

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