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Südkorea

13.10.2016

Wie die "Republik Samsung" funktioniert

In Südkorea ist Hierarchie das oberste Gebot: Diese Mentalität hat auch Samsung über Jahre so erfolgreich gemacht.
Bild: Ed Jones, afp

In Südkorea ist Hierarchie das oberste Gebot: Diese Mentalität hat auch Samsung über Jahre so erfolgreich gemacht. Gut möglich, dass sie dem Konzern jetzt zum Verhängnis wird.

Für Südkorea steht viel auf dem Spiel. Vom Schicksal der „Chaebol“, wie die Konglomerate genannt werden, hängt ein Großteil der Arbeitsplätze ab. Auch die vielen Kleinunternehmen des Landes leben von ihren Aufträgen. Drei Viertel des Marktwertes der börsennotierten Unternehmen entfallen auf die Konglomerate und ihre Töchter. Ihre Reform gilt auch als entscheidend für Südkoreas Weg in die Zukunft, weshalb sich Politiker aller Parteien des Themas annehmen. „Es schafft Probleme, wenn Konzerne so geführt sind wie Familienbuden, wenn sie gewaltige Größe erreichen“, klagt Wirtschaftsprofessor Isao Yanagimachi von der Keio-Universität in Tokio. Das Gleiche gilt für die anderen Konzerne des Landes wie Lotte, LG, Daewoo oder Hyundai.

In Südkorea wurde über Jahre keine Kritik dran laut, dass ein Dutzend Milliardärsfamilien das Sagen im Land hat – zumindest solange die Konjunktur brummte, der Export boomte und die Arbeitslosenquote vernachlässigbar niedrig war. Doch nun, da sich die schlechten Nachrichten mehren – die Pleite der Container-Reederei Hanjin, schwache Gewinne beim Elektrokonzernen LG, hohe Verluste der Daewoo-Werft oder schwarze Kassen bei dem Mischkonzern Lotte – steigt die Unzufriedenheit. Für Krisen sind die starr geführten Konzerne nicht gerüstet, heißt es. Beobachter stellen bereits das südkoreanische Wirtschaftsmodell als Ganzes in Frage.

Dass die neuesten Handys von Samsung sich zuweilen selbst entzünden, verschärft das Krisenbewusstsein. Denn es brennt längst auch anderswo im Konzern. Amerikanische Großinvestoren kritisieren derzeit vor allem den jüngsten Versuch der Samsung-Eigner, Unternehmensteile zum eigenen Vorteil zusammenzulegen. Und das in einer Zeit, in der die chinesische Konkurrenz Samsung mit fortschrittlicher Technologie und guter Qualität jeden Monat Marktanteile abjagt. Der Hedge-Fonds Elliott Management fordert bereits die Zerschlagung von Samsung und die Entmachtung des Lee-Clans, um die Aktionäre wieder in den Mittelpunkt zu stellen.

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Teures Problem bei Samsung?

Auch die Pleite-Reederei Hanjin, deren Container-Frachter nun wie der Fliegende Holländer auf den Weltmeeren herumirren, gehört zu einem dieser Großkonglomerate. Die Hanjin-Gruppe ist ein Dachunternehmen, das unter anderem an Korean Air beteiligt ist.

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Die Fluggesellschaft wiederum ist in die Kritik geraten, als die Tochter des Firmenchefs ein Flugzeug, das auf dem Weg zur Startbahn war, zum Terminal zurückbeordert hat. Heather Cho hatte einen Wutanfall bekommen, weil der Flugbegleiter in der ersten Klasse ihr die Makadamia-Nüsse nicht in einem Schälchen, sondern in der Plastikverpackung gereicht hat. Sie bestand darauf, den Mann sofort aus dem Flugzeug zu werfen. Ihr Wunsch war für den Flugkapitän ein Befehl.

Das Verhalten Chos gilt als typisches Beispiel für die Haltung der mächtigen Familien, die sich wie Fürsten aufführen. Korean Air hilft nun jedoch der angeschlagenen Hanjin-Reederei mit Krediten – obwohl jetzt schon abzusehen ist, dass die Fluglinie damit gutes Geld schlechtem Geld hinterherwirft – zum Schaden der Aktionäre. Die Querfinanzierung unprofitabler Firmenteile ist eine typische Folge der Chaebol-Strukturen. Sie könnte letztlich auch die Lösung für das teure Problem bei Samsung sein.

Milliardär Kun-hee jedenfalls muss mit ansehen, wie sein Konzern und seine Geschäftsprinzipien von einem Qualitätsproblem versengt wurden. mit afp

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13.10.2016

Interessanter Artikel. Schön hier zwischendrin auch mal sowas zu lesen.

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