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06.08.2007

0 Uhr: In Gundelfingen ticken die Uhren anders

Nachtwächter in Gundelfingen

Vier Gestalten in schwarzen Umhängen, Blashörnern, Laternen und mit einer Art Speeren in der Hand - und das alles mitten in der Nacht in Gundelfingen. Hört sich ziemlich unheimlich an, aber in Wirklichkeit braucht sich keiner zu fürchten. Im Gegenteil: Das sind die Nachtwächtern der Stadt Gundelfingen und die Speere sind sogenannte Hellebarden.

Von Simone Bronnhuber, Gundelfingen

Vier Gestalten in schwarzen Umhängen, Blashörnern, Hüten, Laternen und mit einer Art Speeren in der Hand - und das alles mitten in der Nacht in Gundelfingen in der Walkmühle. Hört sich ziemlich unheimlich an, aber in Wirklichkeit braucht sich keiner zu fürchten. Ganz im Gegenteil: Die Rede ist von den Nachtwächtern der Stadt Gundelfingen und die Speere sind sogenannte Hellebarden. Nachtwächter? Ja, auch heute gibt es sie noch und sie haben eigentlich auch noch die gleiche Funktion wie vor hunderten von Jahren. Heute sind es in Gundelfingen Peter Gallenmüller, Manfred Herzog, Johann Fischer und Rudolf Mozet.

Einzige im Landkreis Dillingen

Die vier Herren leben diese Tradition seit 2001. "Wir sind im Landkreis Dillingen die Einzigen, die diese Tradition noch ausüben", erzählt Peter Gallenmüller, der die Truppe anführt. Er gehört auch zu denjenigen, die zu den besten Stadtführern der Stadt Gundelfingen gehören, meint zumindest Bürgermeister Franz Kukla.

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Die vier Herren drehen ihre Runden zu Fuß und zu unterschiedlichen Zeiten, so auch öfter mal um Mitternacht. "Der alte Tag hört auf und der neue Tag beginnt", so Walter Hieber, Mesmer und Kulturreferent, der fast schon alle Lieder, die die Nachtwächter während ihren Runden singen, auswendig kann. Neben tollen Gesängen, die sie übrigens alle selbst dichten und immer sehr aktuell sind, gehören auch noch ihre Klänge aus den Blashörnern dazu. Eigentlich ist es kaum vorstellbar, dass tatsächlich mitten in der Nacht vier Menschen in voller Montur durch die Straßen Gundelfingens wandern und fröhlich ihre Lieder singen und spielen. Aber genau so ist es und genau so wird es in Zukunft auch bleiben. "Uns macht es einfach jede Menge Spaß und wir erleben Dinge, die sonst keiner sieht", grinsen alle vier verschmitzt. "Früher war es Tradition, dass die anderen für einen Schmiere gestanden haben und er sich bei gewissen Häusern vergnügte", erklärt Gallenmüller. Wie gesagt, sie leben ihre Tradition.

Auch kann es schon mal vorkommen, dass die lebenslustigen Männer nicht ganz nüchtern wieder nach Hause kommen. "Wir müssen auf jeden Fall sehr trinkfest sein, denn manchmal laden uns Bewohner auf ein kleines Schnäpschen ein", geben die vier Nachtwächter zu. Natürlich würde alles in Maßen ablaufen, aber es kann schon mal sein, dass es hell wird bevor sie zum Schlafen kommen. "Wir wandern mit dem Mond", sagt Rentner Fischer und lacht.

Nachtwächter als Erleichterung für die Stadt Gundelfingen

Im Jahr haben die Nachtwächter bis zu 50 Auftritte in der ganzen Welt, bei denen sie ihre Musikalität unter Beweis stellen. "Wir könnten einen ganzen Gottesdienst mit unsere Musik gestalten", so der Pensionist Gallenmüller. Sie waren schon in ganz Deutschland unterwegs, aber auch in Frankreich, England oder Polen.

Dass sie alle vier Stadtführern sein können, liegt auf der Hand. Wer sonst wandert schon seit Jahren bei dunkelster Nacht mit einer Laterne durch die Straßen und Gassen Gundelfingens und passt auf die schlafende Bürgerschaft auf? Außerdem wird jede Kleinigkeit, die nicht in Ordnung ist, sofort Bürgermeister Kukla gemeldet, sodass er eventuell den Schaden beheben lassen kann. "Ich bin froh, dass wir die Nachtwächter haben", lässt Kukla verlauten. Nicht zu vergessen ist, dass die vier Nachtwächter zu den wohl lebensfreudigsten Menschen überhaupt zählen und für jeden Spaß zu haben sind.

"Sonst wären wir wahrscheinlich alle vier keine Nachtwächter geworden", teilen Gallenmüller, Mozet, Fischer und Herzog mit. Die vier sympathischen Männer zählen mittlerweile zum Inventar der Stadt Gundelfingen und sind nicht mehr wegzudenken.

"Wir sind stolz auf unsere Nachtwächter", so Bürgermeister Franz Kukla.

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