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Donau-Zeitung

12.12.2020

100 Jahre alt, Wohnort Bochum, tägliche Lektüre: die Donau-Zeitung

Jeden Tag liest Roman Reiser die Donau-Zeitung – und das, obwohl er schon seit 70 Jahren in Bochum lebt. Für ihn ist unsere Zeitung Verbindung in die Heimat, für die er sich auch mit 100 Jahren noch sehr interessiert.
Bild: Greim-Kuczewski

Plus Der Lauinger Roman Reiser lebt in Bochum. Trotzdem liest der 100-Jährige jeden Tag die Donau-Zeitung - aber nie die aktuelle Ausgabe.

Wenn Roman Reiser jeden Tag die Zeitung liest, dann macht er es so, wie viele andere auch: Er beginnt von hinten, liest erst den Lokalteil, dann die Nachrichten aus dem Rest der Welt. „Ich muss ja schauen, was es Neues gibt in Lauingen, Gundelfingen und der Umgebung“, erzählt der gebürtige Herzogstädter.

Trotzdem ist bei Reiser vieles anders: Mittwochs liest er die Dienstagsausgabe, donnerstags die von Mittwoch. Diese Geschichte wird er wohl erst am Montag lesen können. Denn zwischen Reisers Haus und der Redaktion in Dillingen liegen knapp 520 Kilometer und fünfeinhalb Stunden Autofahrt. Damit ist der 100-Jährige nicht nur einer unserer ältesten Abonnenten, sondern auch der am weitesten weg lebende.

Die DZ kommt entsprechend per Post. Seiner Heimatzeitung ist er in den vielen Jahrzehnten, die er bereits in Bochum lebt, treu geblieben. Zum 70-jährigen Jubiläum unserer Zeitung haben wir mit ihm gesprochen, über ein bewegtes Leben, was sich an seiner Zeitung verändert hat und worüber er sich in der Ferne am meisten freut.

Seit 1939 hat Reiser die Zeitung abonniert

Roman Reiser und die Heimatzeitung sind in gewisser Weise eng miteinander verbunden. Seit 1. April 1939, erzählt er, ist er Abonnent, damals noch der Lauinger Zeitung. In der Herzogstadt wuchs Reiser auf. An das Datum kann er sich jedoch aus einem anderen Grund so gut erinnern: An jenem Tag wurde der damals 19-Jährige zum Arbeitsdienst eingezogen, später landete er bei der Wehrmacht. Zum Abschied schenkte ihm seine Mutter das Abo, das er seitdem nicht mehr kündigen wollte.

Das Glück war dem Lauinger in seinem Leben hold

Erst sechs Jahre später kehrte Reiser zurück. Er überlebte Bombenangriffe, den Frankreich-Feldzug, und war als Flakschütze in Görlitz stationiert, als Bombergeschwader Dresden angriffen. Als alles vorbei war, machte sich Reiser auf den beschwerlichen Heimweg. Die letzte Etappe von Donauwörth nach Dillingen, erzählt der 100-Jährige, musste er laufen. In Dillingen traf er dann einen Landwirt, der ihn nach Lauingen mitnahm. „Es war ein großartiges Gefühl, den Krieg überstanden zu haben. Mit viel, viel Glück“, erzählt Reiser. Glück, weil seine Flakstellung lediglich von Blindgängern getroffen wurde, Glück aber auch, weil seine Einheit nach einem Rückzug verlegt wurde, während andere erschossen wurden.

Dieses Glück blieb ihm erhalten: Weil er Architekt werden wollte, ging Reiser nach dem Krieg nach München, wollte Architektur studieren. Nach viel Überzeugungsarbeit und erst recht viel Glück wurde er noch zur Nachholprüfung zugelassen, obwohl die eigentlichen Prüfungen schon gelaufen waren. Dabei sollte er die Fassade des Lauinger Rathauses und den Grundriss der Stadtpfarrkirche aufzeichnen. Reiser, dem auch nach 70 Jahren in Nordrhein-Westfalen noch ab und an der schwäbische Dialekt über die Lippen huscht, erzählt: „Das hab ich dann schon so ungefähr hingekriegt.“ Am Ende sagten die Professoren: „Na, dann kommen’s halt.“

Der Lauinger veränderte das Bochumer Stadtbild

Als nunmehr vor fast 71 Jahren, am 2. Januar 1950, die erste Ausgabe der Donau-Zeitung erschien, begann auch für Roman Reiser ein völlig neues Leben. Kurz nach Weihnachten packte er seine Sachen und zog nach Bochum, um dort nach dem Studium bei einem Architekten zu arbeiten. „Meine erste Aufgabe war die Rechnungsprüfung eines Kirchturms. Der sollte mit Schiefer eingedeckt werden. Das war nicht gerade das, was ich mir unter der Arbeit als Architekt vorgestellt hatte“, witzelt er. Vier Jahre später machte sich Reiser jedoch selbstständig – und veränderte mit seinen Bauten das Bochumer Stadtbild.

Ein Kompliment an die Donau-Zeitung

Seiner Heimat blieb Reiser aber immer treu – und auch seiner Heimatzeitung. Das, sagt er, hat auch mit der Qualität zu tun: Seiner Meinung nach ist die DZ besser als viele Zeitungen im Ruhrgebiet, „thematisch und sprachlich“. Was ihn am meisten interessiert? „Die Entwicklung Lauingens. Ich mache mir Sorgen um die vielen Leerstände in der Stadt“, sagt er. Außerdem wolle er doch wissen, was der Stadtrat so beschließt, welche Bauprojekte umgesetzt werden oder wer die Bürgermeisterwahlen gewinnt.

Aber auch über die Orte seiner Kindheit neben Lauingen, Gundelfingen, dem Bachtal und Dillingen, ist Reiser immer gut informiert. „Ich habe ja noch viele familiäre Beziehungen in den Landkreis“, erzählt der Mann, der stolze vier Kinder, 14 Enkel und zehn Urenkel hat, die auf der ganzen Welt verstreut leben. Und dann sagt Reiser einen Satz, der einem Lokaljournalisten besonders viel Freude macht: „Die Donau-Zeitung bedeutet für mich Heimat.“ Besonders freue er sich über jedes Foto aus Lauingen. Die schneidet der 100-Jährige dann oft aus und hebt sie sich auf, um seiner alten Heimat noch etwas näher sein zu können.

Die Donau-Zeitung hat sich in den vergangenen Jahren grundlegend verändert. Nicht nur personell, auch vom Aussehen. Heute ist unsere Print-Ausgabe weniger kleinteilig, die Berichte dafür oft länger als früher. All das ist natürlich auch Roman Reiser aufgefallen. Doch wenn man ihn fragt, was sich aus seiner Sicht verändert hat, sagt er: das Vokabular. „Heute stehen in der Donau-Zeitung Vokabeln und Redewendungen, die ich zwar aus dem Ruhrgebiet kenne, nicht aber aus dem Schwäbischen“, sagt er. Und er gibt zu: „Das muss ich schon beanstanden.“ Diese Veränderung liegt wohl auch daran, dass heute mehr Kollegen aus ganz Deutschland bei der Donau-Zeitung und der Augsburger Allgemeinen arbeiten, als das früher noch der Fall war.

Vor fünf Jahren war Reiser zum letzten Mal in seiner Heimat, erzählt er. Weil er nicht mehr so gut zu Fuß ist, seien so lange Reisen nichts mehr für ihn. Trotzdem liege ihm besonders Lauingen noch sehr am Herzen. Die Verbindung steht, nicht zuletzt auch über die Heimatzeitung.

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