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Interview

29.06.2020

14. Dillinger Orgelsommer: „Die Königin“ trotzt dem Coronavirus

Ein Novum beim Dillinger Orgelsommer 2019: Nach dem Konzert von Ignacio Ribas Taléns gewährte Orgelbauer Norbert Bender Hörern faszinierende Einblicke in die Funktionen der Basilikaorgel. Wegen Corona wird es ein solches Foto dieses Mal nicht geben.

Plus Künstlerischer Leiter Axel Flierl und Vorsitzender Paul Olbrich fiebern dem 14. Dillinger Orgelsommer entgegen. Wie sich die Pandemie auf die Veranstaltungsreihe mit internationalen Künstlern auswirkt.

Die Dillinger Basilikakonzerte sollten auch in diesem Jahr wie seit über einem Jahrzehnt nicht nur zu einem musikalischen Höhepunkt im Kulturprogramm des Landkreises, sondern auch zu einem geistlichen Angebot der Pfarrei St. Peter werden. Davon waren die Organisatoren überzeugt, die wieder eine erstklassige Konzertreihe für die Bürgerinnen und Bürger weit über den Landkreis hinaus konzipierten. International renommierte Organisten aus Deutschland und ganz Europa waren eingeladen, den zwölf Orgelmatineen zwischen Juni und September 2020 besonderen Glanz zu verleihen.

Das Management von der Konzeption bis zur Durchführung erforderte ein hohes Engagement. Axel Flierl als künstlerischer Leiter sowie Paul Olbrich als Vorsitzender des Fördervereins „Dillinger Basilikakonzerte“ hatten alle Vorbereitungen für das diesjährige Programm abgeschlossen, als die weltweite Corona-Krise ausbrach.

Sie hatten wie seit 13 Jahren ein hochkarätiges Programm mit Künstlern aus ganz Europa zusammengestellt. Was waren aufgrund der neuen Entwicklung Ihre ersten Gedanken?

14. Dillinger Orgelsommer: „Die Königin“ trotzt dem Coronavirus

Paul Olbrich: Zunächst war natürlich nicht zu realisieren, wie lang sich diese Pandemie auch auf unsere Konzerte auswirken würde. Als es deutlich wurde, dass sie längerfristige Folgen haben wird und immer mehr andere Veranstalter absagten, haben wir uns bewusst entschieden, aus innerstem Interesse heraus langfristig zu warten. In einem Leitartikel schrieb die Augsburger Allgemeine zu Recht: „Die Türen zur Kultur müssen endlich wieder offen stehen“, und so sehen wir das auch.

Axel Flierl: Findige Kollegen haben ihre (Orgel-)Konzertreihen durch Live-Stream-Angebote im Internet erfolgreich über den Corona-Lockdown gerettet. Viele Kulturinteressierte und Orgelfans warten jetzt allerdings wieder auf „echte“ Live-Konzerte, schon wegen dem gerade bei der Orgelmusik so faszinierenden Erlebnis der Akustik. Unsere Ausdauer hat sich gelohnt: Wir können jetzt ein besonderes Angebot für alle Orgelfreunde anbieten – und wir freuen uns auf ein erwartungsvolles, neugieriges Publikum. Unser neuer Bischof Bertram Meier hat uns da-zu übrigens ein herzliches Grußwort gesandt und dem Förderverein seine Partnerschaft zugesichert.

Sie beginnen am Samstag, 4. Juli, zur gewohnten Zeit um 11.15 Uhr mit den Veranstaltungen. Gibt es für die Besucher Besonderes zu beachten?

Olbrich: Ich bitte um Verständnis, dass sich hier die Auflagen permanent ändern. Ich ersuche deshalb darum, der jeweiligen Ankündigung in der Donau-Zeitung eventuelle Änderungen zu entnehmen. Aktueller Stand ist, dass eine Anmeldung nicht erforderlich ist. Lediglich ersuchen wir, eine Schutzmaske mitzubringen. Es gilt auch zu bedenken, dass die Besucherzahl durch die Abstandsregel auf 130 Personen begrenzt ist und deshalb ein frühzeitiges Erscheinen nützlich wäre. Bei Erreichen der Höchstzahl ist leider kein Einlass mehr möglich. Der Eintritt ist frei, wir bitten um eine Spende nach der Veranstaltung.

Doch jetzt zu den inhaltlichen Fragen: Haben Sie für die Veranstaltungen weitere PR-Maßnahmen eingeleitet?

Olbrich: Wie Sie sicherlich wissen, hatten wir letztes Jahr den Bayerischen Rundfunk und den Fernsehsender a.tv zu Gast, die beide bereits wieder ihr Interesse bekundet haben. Auch die Augsburger Allgemeine wird über den Orgelsommer berichten. Wie in den letzten Jahren sind auch die Service-Clubs Rotary und Lions wieder unsere Partner. Außerdem informieren wir im Internet über unsere Website „www.dillinger-basilikakonzerte.de“, mit Plakaten und einer eigenen Broschüre, die detailliert das gesamte Jahresprogramm enthält. Die aktuellste Information gibt es in der Samstagsausgabe der Donau-Zeitung.

Sehen Sie in der Konzertreihe auch eine Werbung für den Landkreis und die Stadt Dillingen?

Olbrich: Selbstverständlich erwarten wir mit dem Erfolg des Orgelsommers auch diese erfreuliche Nebenwirkung. Der Besuch unserer Veranstaltungen ist für viele auswärtige Besucher bis aus den Metropolregionen Ulm, Augsburg oder München eine willkommene Gelegenheit, den Charme dieser Kleinstadt mit ihren vielfältigen Einkaufsmöglichkeiten und ihrer großartigen Gastronomie näher kennenzulernen.

Die Dillinger Orgelkonzerte zeichneten sich schon immer durch die Einladung von Organisten aus anderen Ländern aus, die die „Königin der Instrumente“ in der Basilika erklingen lassen. Wie sieht es dieses Jahr mit der Internationalität aus?

Flierl: Aufgrund der aktuellen Situation mussten die ersten beiden Konzerte mit Organisten aus Italien abgesagt werden. Wie Sie aber unserem momentanen Programm entnehmen können, dürfen wir noch Künstler aus Slowenien, Polen, Spanien und der Schweiz bei uns begrüßen.

Olbrich: Wir bedauern sehr, unser letztjähriges äußerst erfolgreiches Programm mit über 2500 Besuchern unter den gegebenen Umständen um zwei Konzerte auf nun insgesamt zehn verkürzen zu müssen, was neben den gesetzlichen Vorgaben auch an den Einreisebeschränkungen ausländischer Künstler hängt.

Ein solches anspruchsvolles Programm muss auf eine gesicherte finanzielle Grundlage gestellt werden. Finden Sie hinreichend Sponsoren?

Olbrich: Es ist schon eine gewisse Anstrengung, immer wieder um Unterstützung zu bitten. In dieser Hinsicht gilt unser großer Dank vor allem den ortsansässigen mittelständischen Firmen, den einheimischen Banken und den Service-Clubs, die uns seit Jahren kontinuierlich großzügig unterstützen. Dagegen zeigen die im Landkreis ansässigen Niederlassungen von Großkonzernen sowie deutschlandweit tätige einheimische Unternehmen auf höfliche Anfrage nur selten eine Reaktion, sich am kulturellen Angebot ihres Standorts zu beteiligen.

Was erwarten Sie sich von diesem Orgelsommer?

Olbrich: Es werden Veranstaltungen, die sich hoffentlich unter diesen Rahmenbedingungen nicht noch einmal wiederholen. Wir vom Förderverein wünschen uns, unseren Besuchern eine Rückkehr zum real erlebten kulturellen Leben zu ermöglichen. Die vernachlässigte „emotionale Seele“, die inzwischen auch langsam von der Politik registriert wird, soll bei unseren Konzerten neue Kraft finden.

Flierl: Ganz in diesem Sinn hat sich auch Stadtpfarrer Wolfgang Schneck als Veranstalter geäußert; für ihn „war der Orgelsommer immer ein Lob Gottes“. Er wünscht sich, „dass alle Konzertbesucher eine besinnliche Zeit erleben dürfen und durch die Musik in ihrer Personenmitte berührt werden“. Diesem Wunsch möchte ich mich gerne anschließen und ein Wort von Papst Franziskus hinzufügen, das gerade in unseren Tagen aktuell erscheint: „Der Künstler ist ein Apostel der Schönheit. Er hilft uns, zu leben“.

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