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Dillingen

15.06.2019

25.000 Menschen stürmen das Dillinger "Bundeswehr-Camp"

Da kamen die Besucher aus dem Staunen nicht heraus: Die Panzervorführungen am Tag der Bundeswehr im Dillinger Donaupark waren spektakulär und zählten zu den Höhepunkten.
Bild: Marcus Merk

Der Tag der Bundeswehr lockt Besucherscharen nach Dillingen. Ein Programmpunkt ist der absolute Renner – und das ist gar nicht mal der Airbus-Überflug.

Der Eingang zum Dillinger Donaupark wirkt in der Tat wie die Schleuse zu einem Bundeswehr-Camp in Afghanistan oder Mali. Ein großer Turm ist aufgebaut, olivgrüne Tarnnetze sind gespannt. Soldaten stehen vor einem gepanzerten Fahrzeug mit dem Namen Dingo. Und Besucherscharen wandern bereits am Samstagmorgen zum Festplatz, um den Tag der Bundeswehr mitzuerleben. Am Ende sind es etwa 25.000 Menschen, die für einen Tag das normale Leben zurücklassen und im Dillinger „Bundeswehr-Camp“ in den Alltag der Truppe eintauchen. Es ist ein Spektakel, das auch Gäste wie Brigitte Joas mitreißt, die sonst wenig mit der Bundeswehr zu tun haben. „Damit hätte ich gerechnet“, sagt sie. Die rollenden Panzer, die auf der Wiese auch über Autos fahren, haben Joas zum Staunen gebracht. „Das ist gigantisch, welche Kraft da dahinter steckt“, sagt die Dillingerin.

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Einer kann eine Träne nicht verdrücken

Als Hauptmann Florian Howe den Ansturm der Menge sieht, kann er „ein Tränchen nicht verdrücken“. Acht Monate Vorbereitung liegen hinter dem 20-köpfigen Organisationsteam des Dillinger Informationstechnik-Bataillons 292. Howe hat vor Monaten Sonnenschein und 25 Grad für den Tag der Bundeswehr vorausgesagt, obwohl er kein Meteorologe ist. Und genau so präsentiert sich das Wetter am Samstag. Bei den Soldaten ist eine Heiterkeit zu spüren und eine große Erleichterung, weil eine Last von ihren Schultern abfällt. Hauptfeldwebel Oliver Burghart, der ebenfalls zum Organisationsteam zählt, sagt: „Als meine Mama die vielen Menschen und die vielen Aktionen im Donaupark sah, hat sie geweint.“

100.000 Quadratmeter Veranstaltungsfläche und 1000 Helfer

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Tag der Bundeswehr
Bild: Marcus Merk

Bei der Showveranstaltung der Truppe greift ein Rädchen ins andere. 30 Busse der Bundeswehr und der Stadtbus transportieren Menschen aus der ganzen Region kostenlos in den Donaupark. Viele Helfer der Vereine, Hilfsorganisationen und Stadt sind im Einsatz. Der Tag der Bundeswehr finde nicht hinter Kasernentoren statt, sagt Oberbürgermeister Frank Kunz, sondern mitten auf dem Festplatz Donaupark. Eine Mega-Veranstaltung in dieser Größenordnung sei einmalig, sagt der Rathauschef bei der Eröffnung auf der Showbühne: „Wir haben hier 100.000 Quadratmeter Veranstaltungsfläche und etwa 1000 Helfer.“ Der Tag, der am Abend in ein Stadtfest übergeht, sei ein „Leuchtturm für die Patenschaft“ zwischen Dillingen und seinen Soldaten. Der Kommandeur des IT-Bataillons 292, Markus Krahl, betont, dass sich die Truppe bewusst entschieden habe, den Tag der Bundeswehr zusammen mit der Stadt auszurichten. Es gehe auch darum, den Menschen die eigene Begeisterung für den Soldatenberuf zu vermitteln und auf diese Weise zu zeigen, „dass die Bundeswehr ein attraktiver Arbeitgeber ist“. Dies scheint dringend notwendig, denn die Zahl der neu eingetretenen Soldatinnen und Soldaten ist 2018 auf nur noch 20.000 gesunken – 3000 weniger als im Jahr zuvor. Dies ist der niedrigste Stand in der Geschichte der Bundeswehr, die derzeit nur noch über etwa 180.000 Soldaten verfügt.

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Von der Leyen soll im Sommer nach Dillingen kommen

Die Bundeswehr fährt am Samstag im Donaupark alles auf, was sie zu bieten hat. Und sie kommt an diesem Tag mehrfach zu Ehren. Die Militärseelsorger Gunther Wiendl und Frank Schneider, der einst Stadtpfarrer in Gundelfingen war, sagen, dass der Glaube und die soldatische Tugend gar nicht so weit auseinanderlägen. General Ludwig Leinhos, der Inspekteur des Cyber- und Informationsraums, zu dem das Dillinger Bataillon gehört, gerät angesichts der Resonanz ins Schwärmen. „Dieses überwältigende Interesse zeigt die Verbundenheit zwischen Bundeswehr und Bevölkerung.“ Und den CSU-Bundestagsabgeordneten Ulrich Lange, der seine Wehrdienstzeit in der Kreisstadt verbracht hat, macht es „stolz, dass Dillingen als einer von 14 Standorten in Deutschland diesen Tag ausrichten darf“. In den kommenden Jahren werde ein zweistelliger Millionenbetrag in den Bundeswehr-Standort Dillingen investiert. Und nebenbei kündigt Lange gegenüber unserer Zeitung auch noch an, das Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen im Sommer nach Dillingen kommen wird.

Täglich 4500 Angriffe auf die Netzwerke der Truppe

Die Ministerin selbst ist um 13 Uhr auf der Großbildleinwand bei der Showbühne zu sehen. Als von der Leyen während der Live-Sendung auf Dillingen zu sprechen kommt, brandet Jubel auf. „Sie können sehen, was unsere IT-Spezialisten in Dillingen machen“, sagt die Ministerin. Vor Ort ist der Parlamentarische Staatssekretär Thomas Silberhorn. Auf Anfrage unserer Zeitung versichert der CSU-Politiker, dass der Bundeswehr-Standort Dillingen sicher sei. „Ohne IT geht es bei der Bundeswehr nicht“, sagt Silberhorn. Die Dillinger Soldaten stellen die Kommunikation in den Einsatzgebieten her. Und auch im Inneren seien IT-Fachleute notwendig. Silberhorn informiert, dass es täglich im Durchschnitte etwa 4500 Angriffe auf die Netzwerke der Bundeswehr gebe. „Die Arbeitsplätze in Dillingen sind absolut sicher“, sagt der Staatssekretär.

Vom Fahren in Booten auf der Donau über die Vorführungen von Fallschirmspringern bis zum Mitfahren in Panzern, das kostenlose Programm bietet eine Menge. Für eine große Show sorgen DSDS-Gewinner Severino Seeger mit seiner Band Dynamic Beatz und Ausbilder Schmidt, der am Ende hunderte Autogramme schreiben muss. „Ich bin mit dem Panzer angereist, weil auf der A7 so viel Stau war“, sagt der Kabarettist mit einem Augenzwinkern, als er für unsere Zeitung für ein Foto posiert. Als exakt um 15.30 Uhr der gigantische Airbus A400M zwei Runden über Dillingen dreht, staunt auch Michelle Müller aus Schwäbisch Gmünd. „Das ist alles sehr beeindruckend.“ Draußen vor dem Eingang zum Festplatz demonstriert dagegen immer noch die Deutsche Friedensgesellschaft. Der Tag der Bundeswehr sei „rausgeschmissenes Geld“ sagt Landesvorsitzender Bernhard Kusche.

Die Bundeswehr habe ein besseres Ansehen verdient

Die meisten Besucher sehen das offensichtlich anders. Der Donaualtheimer Günther Mayer spricht von einer „großartigen Veranstaltung“. Ebenso wie Alexander Lachenmayr. „Es ist doch traurig, wenn man für die Soldaten so werben muss“, sagt der Kicklinger. Die Bundeswehr habe ein besseres Ansehen verdient.

Lesen Sie dazu auch die Kommentare von Berthold Veh:

Ein großer Tag für Dillingen und Nachwuchssorgen der Bundeswehr: Eine Dienstpflicht ist notwendig

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