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Abenteuer

21.07.2017

620 Kilometer zu Fuß: Von Lauingen nach Venedig

Maximilian Schuh aus Lauingen ist gewappnet: Der Backpacker ist fast gepackt und die Wanderschuhe sitzen.
Bild: Roderfeld

Maximilian Schuh aus Lauingen will wandern – in die Berge und bis ans Meer. Dafür läuft er 620 Kilometer. Nur er, zwei Wanderstöcke und 15 Kilogramm Gepäck

An der Adriaküste auf einer Landzunge liegt die italienische Gemeinde Cavallino. „Mein großes Ziel ist es, hier am Strand zu liegen“, sagt Maximilian Schuh und wischt mit dem Finger über die Karte seines GPS-Gerätes. Bis es soweit ist, durchkreuzt er zwei Länder, streift unbekannte Dörfer und steigt auf meterhohe Gipfel. Denn der 33-jährige Lauinger läuft zu Fuß. Zu Fuß bis nach Venedig.

Gebürtig stammt Schuh aus Aschau am Inn. Die 2800-Einwohner-Gemeinde bei München wird auch der Startpunkt seines Trips. Durch das Tal geht es hinunter zur Isar und rein nach Bad Tölz. Er läuft vom Voralpenland in die Karwendelberge und hinein in die Dolomiten. Sein Weg führt ihn durch Tirol und Italien. „Und Venedig ist dann noch das Gudi oben drauf.“ Um den Hochfeiler Berg zu erklimmen, will Schuh von seiner Route abweichen. „Das ist der höchste Punkt meiner Tour.“ Für die knapp 3500 Höhenmeter hat er seine Wanderstücke, einen Klettergurt und einen Helm mit im Gepäck.

Auf dem Weg wird er viele Menschen kennenlernen, da ist sich Schuh sicher. „Ich mache mich zwar alleine auf den Weg aber richtig alleine bin ich nie.“

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Der Lauinger ist Mitglied im Alpenverein. Als er vor mehr als zehn Jahren in die Vereinszeitung blickte, war er angefixt. Er las davon, wie jemand vom Mittenwald zum Gardasee fuhr. Mit dem Radrad. In 24 Stunden. „Schon bescheuert, habe ich mir damals gedacht“, erinnert er sich. „Aber seitdem spukt die Idee eines Abenteuers bei mir im Kopf herum.“ Außerdem wollte er schon immer über die Alpen wandern. „Spätestens seit wir Hannibals Alpenüberquerung im Lateinunterricht hatten.“

Schuh ist Offizier bei der Bundeswehr in Dillingen und steht kurz vor seinem sechswöchigen Urlaub. „Jetzt habe ich die Chance“, sagt er. Jetzt kann er raus aus dem Alltag, zu sich finden, der Hektik entfliehen.

Dass sein Ziel Venedig werden würde, war nicht sofort klar. „Ich wollte von zuhause bin ans Meer gehen“ – das war die Hauptsache.

30 Kilometer pro Tag will Schuh mindestens laufen. Bis auf die ersten zwei Etappen geht er alleine. Als Offizier hat er Erfahrungen mit langen Strecken. Extra trainiert hat er aber nicht. Beim 100-Kilometer-Marsch in Belgien war er auch schon dabei – ohne vorher lange zu üben.

Auf dem Tisch seiner Wohnung liegt ein Reiseführer. Vom Marienplatz bis zum Martinsplatz steht auf dem Cover. Das Buch und sein GPS-Gerät führen ihn. Geplant ist, in 32 Tagen in Venedig anzukommen. Aber der Lauinger will sich nicht stressen lassen. „Wenn es regnet, bleibe ich vielleicht mal einen Tag länger in einem Ort. Oder weil es mir so gut gefällt.“ Am Samstag, 12. August, startet seine Wanderung über die Alpen.

Seinen großen orangefarbenen Backpacker-Rucksack hat er schon gepackt. Und zwar nach Maß. In einer Tabelle ist jedes einzelne Teil aufgelistet. Rechts daneben steht die Gramm-Zahl. „Mein Fotoapparat wiegt mit Ladekabel genau 930 Gramm“, erklärt er und zeigt auf den Bildschirm seines Laptops. Seine alte Regenjacke wiegt zu viel. „Ich habe mir eine neue bestellt.“ Auch die alte Regenhose ist nicht leicht genug. „Ich will auf ein Gesamtgewicht von 15 Kilogramm kommen.“ Um weniger schleppen zu müssen, investiert er viel Geld in ultraleichte Tracking-Sachen. „Aber ich bin nicht so verrückt und schneide meine Zahnbürste von hinten ab.“ Das sei eine gängige Praxis bei einigen Rucksackreisenden.

Neben Fotoapparat reihen sich Unterhosen, Shirts, Hosen, Sonnencreme, Tagebuch und ein langärmeliges Hemd. „Falls ich mal ausgehe.“ Jedes Kleidungsstück ist abgezählt. Deshalb hat Schuh auch Waschmittel dabei.

Gegessen wird morgens und abends auf den Hütten. „Und mittags gehe ich entweder beim Metzger vorbei oder esse Müsliriegel.“ Viel wichtiger sei aber das Trinken. Der Schlauch einer Drei-Liter-Trinkblase ist durch eine Öffnung seines Rucksacks direkt griffbereit. Außerdem wandert Schuh nicht los ohne seinen süßen Senf. „In manchen Orten isst man Ketchup zum Leberkäs. Das geht für mich nicht“.

Neben dem süßen Senf ist das wichtigste Utensil: sein Strandtuch. Natürlich ein ultraleichtes. Der 33-Jährige schüttelt das orangefarbene Tuch aus und faltet es zusammen, damit es in den kleinen Beutel passt. „Das ist das wichtigste. Damit ich mich an den Strand legen kann“, sagt er und lacht in Vorfreude auf sein großes Abenteuer.

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