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Gundelfingen

04.01.2019

69 Jahre und immer noch Sternsinger

Falls Sie ihn nicht erkannt haben: Das ist Walter Hieber aus Gundelfingen. Er ist mittlerweile seit fast sechs Jahrzehnten als Sternsinger unterwegs. Ans Aufhören denkt der 69-Jährige noch nicht.
Bild: Hieber

Walter Hieber aus Gundelfingen zieht seit fast sechs Jahrzehnten von Tür zu Tür. Dabei sind ihm einige kuriose Erlebnisse widerfahren.

Alles nahm seinen Anfang im Jahr 1961. Damals spielte der 12-jährige Walter Hieber den Josef im Krippenspiel. Die Tante des Jungen hatte eine Idee: Wenn man schon die Weihnachtsgeschichte darstellt, fehlen dann nicht auch die Heiligen Drei Könige? Hiebers Mutter, eine gelernte Damenschneidermeisterin, nähte Kostüme, und zusammen mit anderen Ministranten trat Hieber das erste Mal als Sternsinger im Altenheim auf. 141 D-Mark sammelten die Kinder damals, erinnert sich Hieber.

Der Auftritt sprach sich herum. Leute fragten, warum die Sternsinger nur in das Altenheim kommen und nicht auch direkt zu den Gundelfingern nach Hause. Also zogen die Kinder im Jahr darauf, 1962, auch durch die Obere Vorstadt und die Bächinger Straße. Für so manchen ein ungewohnter Anblick. „Am Anfang war es nicht ganz so leicht“, betont Hieber. Die Sternsinger seien zum Teil für eine verfrühte Faschingsabordnung gehalten worden. Trotzdem sind auf Anhieb mehr als 500 Mark zusammengekommen.

Sternsinger in Gundelfingen: Walter Hieber ist mit 69 noch dabei

Das ist lange her. In der Zwischenzeit sind viele Kinder durch die Straßen Gundelfingens gezogen, haben Lieder gesunden, Sprüche aufgesagt, und dafür Spenden und Süßigkeiten bekommen. Viele haben nach einigen Jahren wieder aufgehört. Einer ist immer noch dabei, selbst nach Jahrzehnten, selbst mit 69 Jahren: Walter Hieber.

Auch an diesem Neujahrstag ging er von Tür zu Tür – als Mohr. Seit er als Sternsinger angefangen hat, zieht er mit dunkler Schminke im Gesicht los. „Früher hat man noch Ruß und Schuhcreme verwendet“, sagt Hieber. „Heute kann man Theaterschminke nehmen.“ Seit vielen Jahren geht Hieber in einer Gruppe mit anderen, erwachsenen Sternsingern: Sein Sohn Simon sowie drei weitere Bekannte. Mit 69 Jahren ist Hieber der Älteste in der Gruppe. Und nicht nur dort. „Ich bin mit Sicherheit der älteste Sternsinger im Landkreis“, sagt er und lacht. „Vielleicht sogar in Bayern.“

Wie kommt es, dass ein 69-Jähriger immer noch als Sternsinger umherzieht? „Ich bin nach wie vor begeistert davon“, sagt Hieber. Es sei die lebendige Verkündigung des Weihnachtsevangeliums, und dazu eine tolle Sache, wenn man Kindern helfen könne. In ganz Gundelfingen kommen laut Hieber jährlich durchschnittlich mehr als 10000 Euro zusammen. Ein Teil der Einnahmen, die die Sternsinger der Stadtpfarrkirche St. Martin bekommen, geht an behinderte Kinder in Peru, ein Teil an den Gundelfinger Missionar Paolo Süss. Außerdem gefällt Hieber die Geselligkeit. „Die Leute erwarten uns schon am Neujahrstag.“ Man werde hineingebeten, es gebe Tee und Plätzchen, und zwischendurch auch mal etwas Hochprozentiges, „zur Ölung der Stimmbänder“, scherzt er.

Bei den Sternsingern fehlt der Nachwuchs

Eine weitere Motivation sei die Gewinnung des Nachwuchses. „Es ist nicht mehr ganz so einfach, Sternsinger zu finden“, gibt Hieber zu bedenken. In Gundelfingen gab es in diesem Jahr die Sorge, dass aufgrund fehlender Beteiligung erstmals nicht mehr alle Häuser besucht werden können. So weit kam es nicht, jedoch nur, weil Kinder vom Kinderheim und von der Gitarrengruppe der Pfarrei einsprangen. Nachwuchsprobleme, die heuer etwa auch in Dillingen zu beobachten waren (lesen Sie hier mehr dazu). „Ich will auch mit 69 Jahren Vorbild sein, damit Jüngere das als Ansporn sehen“, sagt Hieber.

In fast 60 Jahren als Sternsinger hat Hieber viel erlebt und kann diverse Anekdoten erzählen. Da ist die Geschichte im Altenheim, als der Rauch aus dem Weihrauchfass einen Rauchmelder und die Feuerschutztüren aktivierte. „Wir konnten gerade so einen Alarm verhindern“, sagt Hieber. Einmal fielen in der Wohnung einer Frau Kohlen aus dem Rauchfass und setzten den Boden in Brand. Gefahr bestand keine, aber die Küche benötigte anschließend einen neuen Boden. Auch die Zotteln seines Kostüms hätten einmal Feuer gefangen. Und dann waren da die Kamele, die Hieber und seine Kollegen mitunter auf ihrer Sternsinger-Tour im Schlepptau hatten. Einmal kam ein Kamel mit in das Wohnzimmer einer Familie und nagte den Gummibaum ab, so Hieber. Ein anderes Mal habe man ein Kamel in der Bächinger Straße angebunden. Dabei bekam das Tier offenbar Hunger und fraß eine Thuja-Hecke an. „Die Stelle sieht man noch heute“, sagt Hieber. Er will auch in Zukunft weiter als Sternsinger unterwegs sein. „Solange ich gesund bin, werde ich mitgehen.“ Mindestens zwei Jahre sollen es auf jeden Fall sein. Dann würde Hieber ein Jubiläum feiern: Er wäre seit 60 Jahren Sternsinger.

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