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Dillingen

06.02.2015

700 Bürger und aufgeheizte Stimmung bei Proteste gegen Flutpolder

Großer Andrang herrschte beim Dialog mit Umweltministerin Ulrike Scharf zum Thema Flutpolder im Stadtsaal in Dillingen.
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Großer Andrang herrschte beim Dialog mit Umweltministerin Ulrike Scharf zum Thema Flutpolder im Stadtsaal in Dillingen.
Bild: Peter von Neubeck

Bayerns Umweltministerin Ulrike Scharf informierte am Donnerstag in Dillingen über die geplanten Flutpolder. Unter den 700 Bürgern regte sich lautstarker Protest.

Draußen bei Minusgraden und im Fackelschein gab es beim Bauernverband am „Mahnfeuer“ Glühwein und Leberkäsesemmel, drinnen im Foyer verwöhnte das Umweltministerium die Besucher mit kostenlosen feinen Häppchen, alkoholfreien Getränken, Notizblöcken samt umweltfreundlicher Tragetasche, ebensolchen Kugelschreibern mit Naturholzgriff sowie diversen Hochglanzbroschüren.

Das Ministerium wollte am Donnerstagabend in Dilliongen ganz offensichtlich gute Stimmung machen, wollte die rund 700 Männer und Frauen, die den Stadtsaal samt Galerie und Foyer zu sprengen drohten, versöhnlich stimmen, denn die Atmosphäre war etwas aufgeheizt. Doch viele Besucher mieden bewusst das Büfett im Warmen und harrten bei Eiseskälte draußen aus. „Ich lass mich doch nicht mit Häppchen bestechen“, sagte ein Teilnehmer.

„Steinheim ist dem Untergang geweiht"

Viele waren mit Transparenten und Plakaten gekommen, mussten dann aber ernüchtert feststellen, dass sie ihre Protestzeichen nicht in den Saal mitnehmen durften, wo das Ministerium Hausrecht hatte, sodass an diesem Abend selbst der Hausherr Oberbürgermeister Frank Kunz nur Gast war.

700 Bürger und aufgeheizte Stimmung bei Proteste gegen Flutpolder

Die Ministerin wurde zwar nicht freundlich, aber auch nicht allzu ablehnend begrüßt, als sie spontan die Nähe der Demonstranten mit den Plakaten suchte, auf denen mit Slogans wie „Steinheim ist dem Untergang geweiht, wenn es regnet oder schneit“, „Polder nördlich der Donau – mit uns nie!“ oder „Wir helfen gern, aber nicht um jeden Preis“ gegen die geplanten Flutpolder in Dillingen und Steinheim protestiert wurde.

Und auch im Saal blieb es nach anfänglichen Protestrufen und Zwischenrufen nach dem Appell des Moderators erstaunlich sachlich. „Der Schwabe ist halt gut zu halten“, kommentierte ein Zugereister. Doch das änderte nichts an der Vehemenz der Argumente, die sich gegen die vier von zwölf Flutpoldern im Landkreis Dillingen richteten.

Bürger sind bei den Flutpoldern skeptisch

Die Sorgen der betroffenen Grundstückseigentümer – ob Landwirte oder Häuslebauer – lassen sich so zusammenfassen: Nach den schlechten Erfahrungen bei der Entschädigung im Zusammenhang mit dem Riedstrom, sind sie skeptisch, was Entschädigung bzw. Vorbeugung vor Schäden bei den Flutpoldern betrifft.

Umweltministerin Ulrike Scharf, die sich um sachlichen Konsens bemühte und immer wieder Solidarität mit den Unterliegern einforderte, hat in den kommenden Tagen ausreichend zusätzliche Lektüre. Denn nicht nur der Bayerische Bauernverband und die Stadt Dillingen hatten Resolutionen vorbereitet, die sie dem Kabinettsmitglied mitgaben, sondern auch das „Bündnis Hochwasserschutz für unsere Heimat“.

Die Moderation hatten Profis des Bayerischen Rundfunks übernommen. Auf dem Podium saßen neben der Ministerin Landrat Leo Schrell, Ralph Neumeier, Chef am Wasserwirtschaftsamt Donauwörth, und Professor Dr. Peter Rutschmann von der TU München, der die den Planungen zugrunde liegende Studie zu verantworten hat.

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