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Oberliezheim

07.05.2019

750 Jahre Oberliezheim: Ein stolzes Dorf auf der Juraalb

Begleitet von seinen ehemaligen Ministranten Albert und Peter Sporer (links), Georg Maier (rechts neben dem Pfarrer), Harald Hurler (rechts vorne) und Wolfgang Sporer (dahinter mit Brille) zelebrierte Pfarrer Hermann Neuß in der bis auf den letzten Platz besetzten Kirche St. Leonhard den Festgottesdienst.
Bild: Bernhard Sporer

Der Heimatabend zum Auftakt der Jubiläumsfeiern beeindruckt. Deutlich ist zu spüren: Die Oberliezheimer sind stolz auf ihr Dorf.

Die Oberliezheimer sind stolz auf ihr Dorf. Das spürte man auch am Heimatabend anlässlich des Jubiläums. Heuer vor 750 Jahren ist das kleine Dorf im Kesseltal erstmals urkundlich erwähnt worden. Am Samstag war im Feuerwehrhaus – das voll besetzt war – die Auftaktveranstaltung für dieses besondere Jahr.

Und genau diesen Stolz der Menschen des 190-Seelen-Dorfes auf der Anhöhe des Schwäbischen Jura gelte es zu bewahren und an die Nachkommen weiterzugeben, forderte Pfarrer Hermann Neuß in seiner Ansprache. Er hat ihn ja auch rund elf Jahre miterleben können. Wirkte Hermann Neuß doch bis zum Jahr 1988 als Seelsorger in der Pfarrei Oberliezheim. Die Einladung der Pfarrgemeinde, diesen Auftaktgottesdienst zum Jubiläum des Dorfes zu zelebrieren, hatte er gerne angenommen, und begleitet von fünf ehemaligen Ministranten seiner Anfangsjahre in Oberliezheim betrat er seine alte Wirkungsstätte St. Leonhard. Dabei stellte Neuß auch noch die Verantwortung jedes Einzelnen für die Gemeinschaft in den Mittelpunkt seiner Predigt.

Schon vor Christi Geburt haben hier Menschen gelebt

Beim anschließenden Heimatabend referierte Helmut Herreiner in seiner Funktion als Gemeinarchivar von Bissingen zur Geschichte des Dorfes, in der bereits zur Hallstatt- und der Römerzeit Funde die Anwesenheit von Siedlern in den Jahrhunderten vor und nach Christi Geburt belegten.

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Bissingens Gemeindearchivar Helmut Herreiner bei seinem Vortrag zur 750-jährigen Geschichte von Oberliezheim.
Bild: Bernhard Sporer

Doch die erste urkundliche Nennung von Oberliezheim datiere in einer am 17. April 1269 ausgestellten Urkunde. Mit dieser hat nach den Worten des Referenten Wernher von Höchstädt, damals als Wernherus de Höchsteten bezeichnet, alle seine Güter mit den dazugehörigen Rechten „zu dauerndem Besitz“ an das Kloster Kaisheim übergeben, um sich damit seiner Schulden zu entledigen. Als Ortsnennung sei in dieser Urkunde der Name „Ödenliedesheim“ eingetragen gewesen.

Im weiteren Verlauf seines Vortrages, den die 120 Besucher mit großem Interesse verfolgten, sprach Helmut Herreiner die verschiedenen Namensschreibweisen des Dorfes an, bis sich seit dem Jahr 1810 der heutige Name Oberliezheim in seiner heutigen Schreibweise durchgesetzt habe. Natürlich ging Herreiner auch auf die Trennung des Ortes durch den sagenumwobenen „Rennweg“ ein, der sogar durch die einstige Dorfwirtschaft verlief.

Erst 1806 wurde das ganze Dorf bayerisch

So habe der eine Teil des Dorfes zur Grafschaft Oettingen gehört, der andere Ortsteil zum Herzogtum Pfalz-Neuburg. Erst im Jahr 1806 sei das ganze Dorf zum Königreich Bayern gelangt. Neben anderen historischen Ereignissen, besonders Kriegen, von denen das Dorf nicht verschont geblieben war, ging Helmut Herreiner noch ausführlich auf Oberliezheims berühmtesten Sohn Johann Georg Stuwer ein. Am 2. August 1732 in Oberliezheim geboren, habe er als Feuerwerkskünstler in Wien hohes Ansehen erlangt.

Auch der erste von Stuwer im Jahr 1784 durchgeführte bemannte Ballonaufstieg im damaligen Kaiserreich Österreich-Ungarn habe den gebürtigen Oberliezheimer zu einem der ersten europäischer Luftfahrtpioniere befördert, nach dem in Wien ein ganzes Stadtviertel, das Stuwer-Viertel nahe der Donau, benannt ist. Einen großen Einschnitt in ihr Dorfleben erlebten die Oberliezheimer nach den Worten von Referent Herreiner durch die beiden Weltkriege, denn einige Söhne des Dorfes seien im Felde geblieben.

Die Oberliezheimer leben ihre Gemeinschaft

Es folgte eine Pause, in der sich die Heimatabendbesucher den von Oberliezheimer Frauen gezauberten kulinarischen Köstlichkeiten hingeben konnten, bevor Ortsspreche Peter Sporer in seinem Vortrag die letzten hundert Jahre von Oberliezheim beleuchtete. Nach einem Blick auf die zwölf dunklen Jahre der NS-Zeit wurde es bei der Betrachtung des Dorfes ab den 1950er Jahren immer heiterer im Feuerwehrhaus.

An Gegebenheiten dieser Zeit bis heute, häufig mit Fotografien untermalt, erinnerten sich noch viele Anwesende. Und wenn der eine oder die andere als Kind auf einem der alten Fotos abgebildet war, kam großes Hallo und Freude auf. Klar, dass nach diesen zwei Vorträgen der Stolz der Oberliezheimer auf ihr Dorf noch spürbarer wurde. Leben sie doch alle ihre Gemeinschaft.

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