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Wittislingen

05.11.2019

Ärger: Warum in Wittislingen drei kleine Stege weichen sollen

Früher gab es deutlich mehr Stege entlang des Bächle, heute sind es nur noch fünf. Sie werden von den Anwohnern in Schuss gehalten.

Plus Seit ewigen Zeiten gibt es in der Egautal-Kommune Stege, die ins Bächle – einen Nebenarm der Egau – führen. Jetzt müssen die Besitzer sie plötzlich entfernen. Doch die weigern sich.

Wittislingen Es sind drei kleine Stege, für die Hans Wörner und Reinhold Sing kämpfen. Knapp einen bis 1,5 Meter lang, nicht ganz einen Meter breit ragen die hölzernen Bauten vom Ufer aus ins Bächle, den kleinen, vor Jahrhunderten von Hand gegrabenen Nebenarm der Egau in Wittislingen.

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In der Marktgemeinde sind die Stege besser als „Brückla“ bekannt. Früher nutzten die Anwohner sie, um Wasser für ihre Pflanzen im Garten aus der Egau zu schöpfen oder um schmutzige Kleidung im sauberen Flusswasser zu waschen. Heute müssen die kleinen Holzbauten weg. In einem Brief des Landratsamts, der auch unserer Redaktion vorliegt, wurden die Anwohner angewiesen, die Stege zu entfernen. Bis 15. Oktober hatten sie dafür Zeit. Jetzt ist November – und die Stege stehen noch immer.

Die Stege seien ein "Abflusshindernis"

Denn Anwohner wie Hans Wörner weigern sich, der Forderung nachzukommen. Er steht auf dem Steg, der an sein Grundstück in der Straße Kasarmen angrenzt. Erst vor wenigen Monaten, erzählt er, hat sein Sohn ihn rundum erneuert. Im Vergleich zu den anderen ist das Holz hier noch hell. Der 67-Jährige sagt: „Die Brückla gab es schon, da war ich noch ein Kind. Und es gab noch nie Probleme deswegen. Wieso sollen sie jetzt weg?“

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Im Brief an die Anlieger heißt es zur Begründung lediglich, dass die Stege „ein Abflusshindernis“ darstellten und ohne Genehmigung gebaut worden seien. Reinhold Sing, der selbst mit den Stegen aufgewachsen ist, will das Argument jedoch nicht gelten lassen: „Es gab noch keine Bundesrepublik, noch nicht einmal das Deutsche Reich, aber es gab schon diese Brücken!“ Sie jetzt entfernen zu müssen, das könne doch nicht sein. Vor allem wundert er sich über den Zeitpunkt. Warum kam die Aufforderung so plötzlich?

Hans Wörner wohnt schon fast sein ganzes Leben am Bächle in Wittislingen. Die kleinen Stege gab es schon, da war der 67-Jährige noch ein Kind. Abreißen will er sie deshalb auf keinen Fall.

Auf Nachfrage beim Landratsamt heißt es, es habe eine Beschwerde wegen der Stege gegeben. Daraufhin habe sich ein Mitarbeiter des Wasserwirtschaftsamtes die Situation angesehen und bewertet. Das Ergebnis ist im Brief nachzulesen. Laut Christa Marx vom Landratsamt geht es vor allem um Hochwasserschutz. Denn wenn der Pegel in der Egau – und damit auch im Bächle – steige, sei der ordnungsgemäße Abfluss des überschüssigen Wassers wegen der Stege und ihrer Halterungspfosten nicht mehr möglich. Denn an Letzteren könnte sich Schmutz, Geäst und mehr verhaken. „Ich kann den Ärger der Anwohner nachvollziehen. Aber die rechtliche Lage ist eindeutig.“ Und: „Wenn wir sie stehen lassen und bei einem Hochwasser kommt es wegen der Stege zum Rückstau, heißt es, das Landratsamt hätte nichts getan.“

Nun ist es jedoch so, dass die Egau auf der Hochwassergefahrenkarte des Wasserwirtschaftsamtes gar nicht aufgelistet ist. Wie wahrscheinlich ist ein solches dann überhaupt? Jingbo Hasubek, die dort für den Landkreis zuständig ist, sagt: „Seit ich hier arbeite, hat es dort noch kein Hochwasser gegeben. Aber es gab sicher schon mal eins.“ Außerdem bestehe die Gefahr einer Überschwemmung an Gewässern immer. „Und unabhängig davon gibt es für die Stege keine Genehmigung. Sie hätten also nie gebaut werden dürfen.“

Notfalls wollen sie rechtliche Schritte einleiten

Aktuell stehen die „Brückla“ also noch. Wörner sagt, er habe dem Landratsamt bereits auf den Brief geantwortet und eine Erklärung verlangt. Notfalls wolle er rechtliche Schritte einleiten, damit sein „Brückle“ vielleicht doch stehen bleiben darf.

Doch wieso reißt er den kleinen Holzbau nicht einfach ab? Er sagt selbst, dass der Steg heute nicht mehr aktiv genutzt wird: Wasser braucht der 67-Jährige nicht mehr aus dem Bächle zu holen, dafür hat er einen Brunnen im Garten. Und Kleidung wird auch seit Jahrzehnten nicht mehr im Fluss gewaschen. Doch für Wörner haben die Stege nach wie vor einen Wert, wenn auch nur einen ideellen: „Die gibt es schon so lange. Es wäre doch einfach schade, wenn sie wegmüssten“, erklärt er. „Ich verstehe einfach nicht, was das soll.“

Falls sich die Anwohner weigern, so heißt es beim Landratsamt, werde man mit einer Anordnung und notfalls mit Zwangsgeld reagieren. „Wenn das nicht hilft, können wir die Stege auch auf Kosten der Anwohner entfernen lassen. Aber das wäre wirklich die allerletzte Option“, betont Marx.

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