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20.06.2017

Ahnenforschung leicht gemacht

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Nach und nach entsteht das Gemeindearchiv Ziertheim. Eugen Zacher und sein Team entdecken immer wieder Interessantes, zum Beispiel Zeugnisbeurteilungen

Vor ein paar Jahren besuchte ein Amerikaner Pfarrer Josef Philipp in Ziertheim. Der Mann war auf der Suche nach der Herkunft seines Vaters – und letztendlich einem Stück seiner eigenen Identität. Der Pfarrer wusste, wo er ihn hinschicken musste: Zu Ziertheims höchsteigenem Gemeindehistoriker, Eugen Zacher.

Zacher hatte damals bereits selbst einen großen Schatz an Dokumenten und Daten gesammelt. Er half dem Amerikaner, mehr über seinen in Ziertheim geborenen Vater herauszufinden. Zwei Jahre später feierte der Amerikaner die Taufe seiner beiden Kinder im Geburtsort des Großvaters. Eine schöne Geschichte.

Dass sich solche Geschichten in Ziertheim wiederholen können, arbeitet ein Team aus ehrenamtlichen Helfern gerade daran, ein Gemeindearchiv aufzubauen und zu ordnen. Als das Gemeindehaus in Dattenhausen 2014 verkauft wurde, landeten 70 Kartons voller Dokumente und Aufzeichnungen auf dem Dachboden des ehemaligen Sparkassen-Gebäudes in Ziertheim. Seit März sind Antonie Schiefnetter, Johann Hartleitner, Doris Baumann und natürlich auch Eugen Zacher dabei, einen Karton nach dem anderen zu durchstöbern.

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Bürgermeister Thomas Baumann ist mit seinem Büro ins Erdgeschoss gezogen, im ersten Stock stehen jetzt stabile Regale, Schränke und in der Mitte des Raumes ein großer Tisch, auf dem die Helfer die Dokumente erst einmal ausbreiten.

Zurzeit sind sie bei den Schulakten angekommen. Auf einem Ordner steht: Notennachweise 1915/16. Darin sind auch „charakterliche Würdigungen“ aufgeführt, zum Beispiel „fleißiges Betragen“.

Zacher liest am liebsten alte Protokolle, zum Beispiel über die Hebammenwahlen im 19. Jahrhundert. „Da ging’s immer hin und her“, erzählt der Hobby-Historiker. 40 Jahre sei eine Frau, die selbst 14 Kinder zur Welt brachte, Hebamme gewesen. Zuerst wohnte sie in Dattenhausen – und die Ziertheimer mussten eine Gebühr an den Ort bezahlen. Dann heiratete sie nach Ziertheim – und die Bezahlung lief wieder umgekehrt.

Zacher zieht viele kleine Anekdoten aus den alten vergilbten Unterlagen. Viele davon finden sich bereits in dem Buch über die Ziertheimer Ortsgeschichte, das er geschrieben hat. Es wurde 2012 das erste Mal aufgelegt. Nun – mit dem neuen Wissen aus den Archivunterlagen – wird er es überarbeiten und eine zweite Auflage veröffentlichen. Vor allem für die Zeit nach 1940 hat er inzwischen viele neue Erkenntnisse erlangt, die nun nicht mehr nur aus mündlichen Überlieferungen stammen.

Bis die Archivunterlagen komplett durchstöbert sind, wird es aber noch etwas dauern. Mindestens ein Jahr, schätzen die Helfer, die sich regelmäßig Dienstagvormittag treffen. Baupläne aus Ziertheim, Dattenhausen und Reistingen haben sie bereits durchgearbeitet – und sogar digitalisiert. Das heißt, sie können nach Namen und Orten per Klick suchen – und im Nu den passenden Bauplan finden.

Irgendwann soll der große Fundus auch der Öffentlichkeit zugänglich sein. Wie genau der Archivbesuch dann ablaufen soll, darüber denken die ehrenamtlichen Mitarbeiter bis dahin noch nach. Sie müssen darauf achten, dass datenschutzrechtliche Interessen gewahrt werden. Auch das Buch über Ziertheim wird veröffentlicht. Was Dattenhausen und Reistingen angeht, deutet Zacher auf die beiden Frauen im Team. „Darum kümmern sich die beiden“, sagt er.

Doris Baumann wird Reistingen übernehmen. Die Frau des Bürgermeisters arbeitet sich gerade ein. Vor Kurzem habe sie mit einem Zeitzeugen über seine Zeit in Gefangenschaft in Frankreich gesprochen. Sie war beeindruckt. „Jetzt muss ich mir noch ein bisschen abgucken, wie man diese Geschichten am besten an die Öffentlichkeit bringt.“ Ein offizielles Budget gibt es fürs Gemeindearchiv nicht. Die Helfer bekommen kein Geld und bislang musste man nur ein paar Kartons anschaffen. Ein Messer für die Luftfeuchtigkeit wird noch angeschafft. Doch da der Raum weder im Dachboden noch im Keller ist, lassen sich Temperatur und Feuchtigkeit bislang gut regeln, sagt der Bürgermeister.

Das Archivteam bittet alle Ziertheimer, Dattenhauser und Reistinger Bürger um Spenden. Wer alte Fotos oder Dokumente bei sich Zuhause hat, könne sie gerne zu den Sprechzeiten des Bürgermeisters in das Gebäude, Hauptstraße 18, bringen.

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