Newsticker

RKI meldet am Sonntag 14.611 neue Corona-Fälle
  1. Startseite
  2. Lokales (Dillingen)
  3. Als das Bobbele bumbum machte

Tennis im Kreis Dillingen

22.11.2017

Als das Bobbele bumbum machte

In der 80er-Jahren löste Boris Becker den deutschen Tennis-Boom aus, am Mittwoch feiert er seinen 50. Geburtstag.
Bild: imago/WEREK 

In der 80er-Jahren löste Boris Becker den deutschen Tennis-Boom aus, heute feiert er seinen 50. Geburtstag. Wie sich der weiße Sport im Landkreis entwickelt hat

Als der 17-jährige Rotschopf aus Leimen am 7. Juli 1985 die Arme in den Himmel über dem „heiligen“ Rasen von Wimbledon reißt, wird deutsche Sportgeschichte geschrieben. Vor 32 Jahren gewann Boris Becker erstmals die All England Championships. Es folgte – auch dank der Triumpfe seines weiblichen Pendants Steffi Graf – ein unglaublicher Tennis-Boom in Deutschland. Am heutigen Mittwoch feiert Becker, der zum Idol einer ganzen Sportgeneration mutierte, seinen 50. Geburtstag. Wie sich der Tennissport im Landkreis durch Becker verändert und seither entwickelte hat, fragten wir Tennis-Aktiven aus unserer Region.

Der langjährige Tennis-Funktionär und Sportwart der SSV Höchstädt, ThomasDäubler, kann sich noch gut an die durch „Bumbum“ Becker ausgelöste Euphorie erinnern: „Damals mussten die Vereine gar nichts tun, um Mitglieder zu gewinnen. Die kamen von ganz alleine.“ Als die SSV 1994 ihre neue Tennisanlage einweihte, wurden nur an einem Tag 43 neue Mitglieder gewonnen. Vergleichbares sei heute undenkbar. „Mittlerweile steigen die Mitgliederzahlen zwar wieder, allerdings waren wir zwischenzeitlich auf einem sehr niedrigen Stand“, bedauert Däubler. Im Laufe der Jahrzehnte nach Beckers Erfolgen, hätten etliche Spieler, die damals begonnen haben, dem Tennis wieder den Rücken gekehrt.

Durch den Becker-Boom habe sich aber auch das Bild des Sports gewandelt, weiß RudolfKratochvil, der Abteilungsleiter des TSV Buttenwiesen: „Was früher Tennis war, ist heute Golf.“ Vor Beckers Wimbledon-Sieg wurde Tennis oft als Sport für die Elite angesehen. Weiße Bälle, weiße Kleidung und weiße Seitenlinien taten ihr übriges. Doch davon hat sich Tennis mittlerweile weit entfernt. Es ist bunt und ein Sport für jedermann geworden. Und auf dem Land helfen sich die Tennisvereine auch gegenseitig, wie Kratochvil bestätigt: „Wenn es ums Sportliche geht, kämpft natürlich jeder um den Sieg. Bei uns unterstützen sich Buttenwiesen, Wertingen und Frauenstetten aber gegenseitig aus, wenn für ein Turnier zum Beispiel Plätze benötigt werden“, sagt er. Auch, was die Mitgliederzahlen angeht, kann sich Kratochvil nicht beschweren: „Es läuft richtig gut, wir haben so viele Mannschaften wie noch nie.“ Nur die Tennistalente schicke er immer zum TC Frauenstetten, denn für eine eigene Jugendmannschaften seien es schlicht zu wenig.

Sportwart SandroOberfrank vom TC Hausen glaubt, dass junge und erfolgreiche Spieler dem deutschen Tennis gut täten. „Ein Idol wäre ein guter Anstoß, um wieder mehr Leute anzulocken.“ Denn nachdem der Becker-Boom abgeflacht war, sind auch in Hausen die Tennisspieler weniger geworden. Heute blickt man auf vier Herren-, zwei Damen- und eine Jugendmannschaft. „Es könnten aber ruhig mehr Mitglieder sein“, erklärt Oberfrank.

Ob neue Idole mehr Sportbegeisterte zum Tennis locken? Das glaubt jedenfalls auch der aktuelle Kreismeister FabianTrauner (TC Wertingen). Zwar hatte Deutschland kürzlich vorübergehend mit Angelique Kerber eine Weltranglistenerste und hat in Alexander Zverev einen Hoffnungsträger, jedoch: „Zverev ist jemand, der die Leute mitreißen kann. Allerdings muss er konstanter werden.“ Außerdem sei Tennis kaum noch massenwirksam im Fernsehen zu sehen, die Öffentlichkeit habe es aus dem Fokus verloren. Zukunftssorgen gebe es bei seinem Verein aber nicht, beteuert Trauner. „Es kommen sehr gute junge Spieler nach bei uns.“. In seiner Jugend habe er sich übrigens nicht dazugezählt: „Ich war nicht der große Überflieger. Das war für mich immer ein Anreiz, mich zu verbessern.“

Genau wie Trauner ist auch die mehrmalige Kreismeisterin IsabelAdlassnig vom FC Gundelfingen durch ihre Eltern zum Tennis gekommen. Sogar ihr Opa habe schon zum Schläger gegriffen. Wenn sie auf die derzeitige Situation ihrer Abteilung blickt, ist sie zufrieden: „In den letzten Jahren haben viele Junge im Alter zwischen fünf und acht Jahren angefangen.“ Um Nachwuchs in den Verein zu locken, bieten die Gundelfinger jedes Jahr ein Schnuppertraining an. Seit Ende des Becker-Booms seien die Mitgliederzahlen aber insgesamt stark gesunken. Eine Idee, wie man mehr Leute für den Sport begeistern könnte, hat sie aber: „Mixed-Mannschaften sind wesentlich interessanter zum Ansehen und machen den Spielern mehr Spaß.“

Für den Zweiten Vorsitzenden des TC Lauingen, VitusSchmid, ist klar, was zu tun ist: „Die Jugendarbeit muss intensiviert werden!“ In Lauingen sei man da momentan aber gut aufgestellt. Drei Trainer unterrichten nicht nur auf den Lauinger Courts, sondern gehen auch regelmäßig in Schulen und bringen den Kindern den Tennissport näher. Außerdem sei es wichtig, Erfolgserlebnisse zu schaffen. „Wenn man sich Tennis ansieht, schaut es einfach aus. Oft merken die Kinder aber nach einem Vierteljahr, dass sie den Ball immer noch nicht übers Netz bekommen und resignieren“, erzählt Vitus Schmid.

Für ManuelMaier, den stellvertretenden Jugendwart des SV Altenberg, ist es vor allem das allgemein größer werdende Sportangebot, das einem neuerlichen großen Tenniszulauf im Weg steht. „Bei uns im Bachtal gibt es ja schon ein riesiges Angebot, von Bogenschießen bis hin zu Badminton“, sagt er. Darunter hätten vor allem kleine Tennisvereine auf dem Dorf zu leiden. Maunel Maier befürchtet: „An die alten Zeiten wird keiner mehr anknüpfen können.“

Dafür bräuchte es wohl noch einmal ein „Bobbele“, das die Tenniswelt auf den Kopf stellt. Alles Gute, Boris!

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren