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Weihnachtsdarstellungen

29.12.2017

Als das Kloster zum Lazarett wurde

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Eine Kostbarkeit ist dieses Kabinettschränkchen im Kloster, reich verziert mit Schnitzereien, darunter auch weihnachtliche Motive.

Die Dillinger Franziskanerinnen bewahren ein besonderes Erbe aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Auch die Figur des heiligen Franziskus an der Krippe bedeutet ihnen viel

Die Kirchen im Landkreis sind reich an Gemälden, Skulpturen und Schmuck – Kulturschätze und Darstellungen als Zeugen des Glaubens, der Gottesverehrung und christlicher Frömmigkeit. Bilder und ihre Geschichten aus der Bibel bestimmten über Jahrhunderte hinweg das Leben und den Jahreslauf der Menschen. Die Weihnachtszeit und das Fest der Geburt Christi nimmt hier eine besondere Stellung ein. Wir haben uns umgeschaut, welche weihnachtlichen Darstellungen es – abgesehen von Krippen – in den Kirchen gibt.

Im ehrwürdigen Haus der Dillinger Franziskanerinnen beginnt an Weihnachten das große Räumen. Die Schränke, in denen die Schwestern ihre Kostbarkeiten aufbewahren, sind dann leer. Überall im Haus bekommen die Fatschenkinder einen besonderen Platz, und auch der heilige Franziskus wird von der Stube runter in die Klosterkirche getragen und vor dem Altar aufgestellt. Dort ist sie – einzig in der Weihnachtszeit – für Kirchenbesucher zugänglich: Franziskus, der Mann aus dem italienischen Assisi, nach dessen Lehre die Schwestern ihr Leben ausrichten, kniet vor dem Kind, dessen Krippe auf einem Holzfundament steht mit der Inschrift „Armut, Demut, göttliche Liebe“.

„Diese Figur bedeutet uns sehr viel“, erzählt Schwester Karla. Der Ordensgründer im einfachen Mönchsgewand ist Vorbild für die Schwestern. „Das Wunder, dass Gott Mensch geworden ist, hat Franziskus fasziniert“, berichtet Schwester Karla von der Weihnachtshöhle in Greccio, in der Franziskus der Legende nach 1223 das erste Mal das Weihnachtsevangelium in Form einer lebenden Krippe hat darstellen lassen. An diesem Platz wurde auch ein Kloster gebaut. Die Geburt des Gottessohnes in Armut war für Franziskus ein Zeichen und ist für die Franziskanerinnen noch heute Richtschnur.

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Die Dillinger Franziskanerinnen gibt es seit 1241 als „alternative Frauengruppe“, wie Schwester Irma, die frühere Generaloberin, selbstbewusst sagt. „Wir waren schon immer ein bisschen aufmüpfig gegen den Stil der großen Frauen-klöster, die in Komfort gelebt haben“, schmunzelt sie. So hätten die Dillinger Franziskanerinnen sich nur unter dem besonderen Schutz der Augsburger Erzbischöfe entwickeln können. Während in den großen Frauenklöstern meist Schwestern adeliger Herkunft lebten und ihren Reichtum in die Häuser einbrachten, herrscht im Dillinger Kloster bürgerliche Gediegenheit.

Die Zahl der Kostbarkeiten hält sich naturgemäß in Grenzen. Die Franziskuskrippe stammt aus Reichenhall – das dortige Kloster wurde aufgelöst und die Figur ins Mutterhaus nach Dillingen gebracht. Nur ideellen Wert hat eine Krippe, die die Schwestern jedes Weihnachten im Chor der Klosterkirche aufstellen: Ochs und Esel aus einem schlichten Holzbrett gesägt, bewachen das Kind im Stall. Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Kloster zum Lazarett, verwundete Soldaten gestalteten diese Krippe zum Trost für ihre Kameraden, die Weihnachten fern ihrer Heimat und ihrer Familien verbringen mussten.

Das Andenken an diese Zeit bewahren die Schwestern bis heute, und die Einfachheit dieser Krippe passt in ihr Weltbild: „Trotz ihrer Ärmlichkeit strahlen die Krippentiere wissende, andächtige Würde aus.“ Eine besondere Kostbarkeit hingegen ist ein Kabinettschränkchen im Dillinger Haus. Eine Egerer Arbeit um das Jahr 1650, aus Nussholz geschnitzt, die auf den Innenseiten der Flügeltüren mit weihnachtlichen Motiven verziert ist – links die Geburt Christi als Reliefschnitzerei, rechts die Anbetung der drei Könige. Auf den Schubladen im Mittelteil des Schränkchens sind heilige Frauen abgebildet – Margareta, Barbara, Ursula, Apollonia, Katharina, Dorothea und Cäcilia, jeweils mit den Insignien, die ihnen ihre Geschichte zuschreibt.

An der Außenseite hat der Künstler Maria Verkündigung dargestellt. Kabinettschränkchen waren den Damen zur Aufbewahrung diverser Kleinigkeiten vorbehalten, erzählen die Schwestern. Wie es ins Haus gekommen ist, ist nicht mehr bekannt.

Die Jesus- und Fatschenkinder in unterschiedlichster Prägung, mit denen die Schwestern ihr Haus an Weihnachten schmücken, haben alle ihre eigene Geschichte. Gemeinsam ist ihnen, dass sie von den Schwestern als „Trösterlein“ in der Zelle aufbewahrt wurden oder als „Bräutigämle“, erzählen die Schwestern. Die Figur diente als symbolischer Ersatz für die eigene Familie, den Verzicht auf Kinder und wurde oft von den Schwestern reich ausstaffiert mit schöner Kleidung, goldenen Bordüren, Schmuck und samtenen Mäntelchen. Schwester Irma holt ihr Lieblingskind aus dem Schrank.

Es gilt als das Älteste, geht es doch bis in die gotische Zeit zurück. Es ist ein stehender Jesusknabe als bewegliche Gliederpuppe mit einem Strahlenkranz um das Haupt. Einen Arm hebt der Knabe segnend, den anderen bereit, einen Kreuzstab aus Metall zu tragen, der zur Puppe gehört. Das Kind steht auf einem silberbeschlagenen Podest mit der Inschrift „Mit Christus bin ich gekreuzigt worden“.

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