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Schretzheim

15.09.2019

Als der Azubi am Rögerhof ins Silo fiel

Die Schretzheimer und die Dillinger Feuerwehr retteten den Verletzten aus dem Getreidelagersilo. Das Bild entstand im Juli 2017.
Bild: Feuerwehr Schretzheim (Archiv)

Plus Der junge Mann stürzt am Rögerhof bei Schretzheim rund drei Meter tief – und hat Glück im Unglück. Wie die Feuerwehr einen besonderen Einsatz stemmte.

Die Freiwillige Feuerwehr ist eine besondere Einrichtung. Ehrenamtliche sperren Straßen, schneiden Autos auf, retten daraus Verletzte, löschen Brände. Wie vielen Vereinen fehlt auch der Feuerwehr der Nachwuchs. Am 21. und 22. September findet zum ersten Mal ein schwabenweiter Feuerwehrtag statt. Auch die Feuerwehren im Kreis Dillingen beteiligen sich daran. In einer Serie stellen wir Menschen vor, die dankbar sind, dass es die Ehrenamtlichen gibt.

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Landwirt Paul Röger arbeitete auf seinem Baderhof bei Dillingen, als plötzlich sein Handy klingelte. Am anderen Ende war sein Azubi. Der junge Mann hatte das Getreidelagersilo gereinigt. Und war dabei rund drei Meter tief gefallen. Röger kann sich noch gut dran erinnern, wie er im Juni vor zwei Jahren in sein Silo zu dem 21-Jährigen stieg und nach den Schmerzen fragte. „Er hatte einen wahnsinnigen Schock“, erinnert sich der Landwirt. Nachdem der junge Mann von Schmerzen im Brustbereich und einem Kribbeln in den Beinen sprach, setzte Röger einen Notruf ab.

Wie bekommt man ein Unfallopfer aus einem Soli heraus?

Das Silo, 35 Meter lang, fünf Meter breit und fünf Meter hoch, war damals leer. Warum der Lehrling beim Reinigen das Gleichgewicht verloren und haargenau zwischen Stäben, die gerade mal 60 Zentimeter auseinanderstehen, hindurchgefallen war, ohne hängen zu bleiben, weiß bis heute niemand. Die Rettungsleitstelle jedenfalls hörte „Silo“ und gab einen Alarm „Rettung aus Höhen und Tiefen“ ab. Das führte dazu, dass neben der zuständigen Feuerwehr Schretzheim auch die Dillinger Feuerwehr ausrückte, mitsamt der Drehleiter. „Die brauchten wir dann nicht, aber das wusste man zu dem Zeitpunkt noch nicht“, erklärt Johannes Schneider, Erster Kommandant der Schretzheimer Feuerwehr. „Dennoch waren wir über jeden Kameraden froh, wir haben viele Hände gebraucht.“ Das Kommando während des Einsatzes hatte der Rettungsdienst. Doch wie bekam man das Unfallopfer aus dem Silo heraus? Verschiedene Optionen wurden überlegt. Auch eine Kettensäge hatte die Feuerwehr dabei, um zur Not den Weg freizusägen. „Der Rettungsdienst entschloss sich dann für eine sogenannte patientenschonende Rettung“, sagt Schneider.

Kennen sich gut: Der Erste Kommandant der Feuerwehr Schretzheim, Johannes Schneider (links) und Paul Röger vom Baderhof bei Dillingen.
Bild: Cordula Homann

Wie der junge Mann gerettet wurde

Das heißt, es geht nicht um Zeit, sondern um eine langsame, schonende Rettung. Dem Patienten wurde vorsichtig eine flache Trage untergeschoben. Darauf wurde der junge Mann dann mit Klettverschlüssen fixiert. So passte der Azubi durch die 50 Zentimeter große Öffnung – aber nicht die Kameraden. „Wir haben ihn immer weitergereicht. Möglichst waagrecht: Erst vom Siloboden nach oben, dann durch die schmale Öffnung und zuletzt über eine Holztreppe in der Scheune hinunter – deswegen waren wir froh über jeden, der mitanpackte“, erinnert sich Schneider. So viele Kameraden habe man nicht immer zur Verfügung. Der Rettungshubschrauber stand im Hof schon bereit und nahm den jungen Mann mit zur Uniklinik Augsburg. Dort die große Überraschung: Der junge Mann hatte Glück im Unglück. „Er hatte nur Prellungen erlitten, keinen Rippenbruch, nichts“, sagt Röger und man hört die Erleichterung immer noch. Er wollte damals kein Risiko eingehen. „Das hätte ich nicht verantworten können.“ Der junge Mann war damals mit seiner Ausbildung gerade fertig. Der Unfall ereignete sich wenige Tage vor seiner Lossprechung. Röger war auch dankbar, dass an seinem Silo nichts verändert werden musste, um den jungen Mann zu retten. „Das ging nur, weil die Feuerwehr so fleißig war“, lobt er. Die Berufsgenossenschaft hatte, so Röger, das Silo Jahre zuvor abgenommen und für gut befunden.

Als der Azubi am Rögerhof ins Silo fiel

Im Juni vor zwei Jahren hatte die Schretzheimer Feuerwehr einen denkwürdigen Einsatz. Damals war eine Azubi am Rögerhof bei Schretzheim in ein Silo gestürzt. Landwirt Paul Röger und Kommandant Johannes Schneider erzählen von damals. Den ganzen Artikel gibt es unter www.donau-zeitung.de/dillingen

Gepostet von Donau Zeitung am Sonntag, 15. September 2019

Der Schretzheimer Kommandant erzählt, wie er den Einsatz erlebt hat

Ein großer Vorteil war laut Schneider und Röger, dass sich die Feuerwehr auf dem Bauernhof so gut auskennt. „Wir üben hier oft und hatten erst ein paar Wochen vorher eine Brandübung durchgeführt“, erklärt der Schretzheimer Kommandant. Jeder seiner Kameraden sei ortskundig. Landwirt Röger lässt die Kameraden gerne üben, erstens profitiere sein Hof davon, zweitens störe es überhaupt nicht, sondern sei drittens sogar jedes Mal interessant. Als der Landwirt einen Löschteich anlegte, wurde der von der Feuerwehr gleich getestet. „Die meisten Landwirte ihrerseits engagieren sich ja bei den Wehren. Mein Sohn auch“, sagt Röger. Die dörfliche Gemeinschaft, die Kameradschaft, das gehöre bei der Feuerwehr dazu, sind sich die beiden Männer sicher. „Sonst geht es nicht.“ 38 Aktive und zwölf Jugendliche gehören zur Schretzheimer Feuerwehr. Darunter sind vier weibliche Mitglieder, drei bei den Aktiven und ein Mädchen bei der Jugend. Und auch die Schretzheimer beteiligen sich am Schwäbischen Feuerwehrtag. Ach so, und im Silo lagern jetzt rund 350 Tonnen Gerste.

So läuft der Schwäbische Feuerwehrtag in Dillingen ab

In Dillingen findet am Schwäbischen Feuerwehrtag die größte Einzelveranstaltung im Landkreis Dillingen statt. Die Feuerwehr Dillingen präsentiert sich zusammen mit allen Stadtteilwehren (Hausen, Donaualtheim, Schretzheim, Steinheim, Fristingen und Kicklingen) sowie mit Unterstützung der Werkfeuerwehr der Firma Bosch und der Unterstützungsgruppe Örtliche Einsatzleitung des Landkreises Dillingen gemeinsam und zentral am Feuerwehrgerätehaus in Dillingen. Neben der Ausstellung der Einsatzfahrzeuge und -gerätschaften werden an zahlreichen Stationen Einsatzsituationen sowohl statisch zum Anschauen und Anfassen aber auch dynamisch in Form verschiedener Einsatzübungen dargestellt. Die Feuerwehr-Jugend des Stadtgebiets präsentiert sich genauso wie das Museums-Team mit seinen liebevoll restaurierten historischen Gerätschaften. Bei einer Modenschau werden verschiedene Schutzkleidung der Feuerwehr präsentiert. Auch für die kleinen Besucher wird einiges an Spielmöglichkeiten geboten sein, und auch das leibliche Wohl wird ebenfalls nicht zu kurz kommen. Ein Highlight wird ein selbst gebauter Brand-Simulationscontainer sein, in dem ein Zimmerbrand reell nachgestellt wird (echtes Feuer) und die Zuschauer einen Einsatztrupp mit Atemschutzgeräten beim Vorgehen zur Brandbekämpfung beobachten können.

Lesen Sie weitere Feuerwehrgeschichten unserer Serie:

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