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Serie (4)

07.01.2019

Als die Mutter ihren Sohn am Bildstöcklein wiederfand

Die Herrgottsruhkapelle steht zwischen Dillingen und Lauingen. Eine Sage erzählt, wie es zu dem Bau des Kirchleins kam.
Bild: Karl Aumiller

Eine Sage berichtet, warum in Lauingen heute die Herrgottsruhkapelle steht

In den Tagen rund um den Jahreswechsel widmen wir uns alten Sagen aus dem Landkreis Dillingen. Einige sind einem größeren Leserkreis bekannt – etwa die Erzählung von den Dillinger Biberstehlern – andere kennen nur wenige. In der vierten Folge geht es heute um die Lauinger Herrgottsruhkapelle. Entnommen sind die Erzählungen aus dem Buch „Sagen des Landkreises Dillingen“, das Alois Marb, Hans Bäuml und Martin Griffig im Jahr 1971 im Selbstverlag herausgegeben haben.

An dem Weg zwischen Lauingen und Dillingen, wo heute die Kapelle steht, war früher ein Bildstock. Er stellte die legendenhafte Szene dar, wie sich Christus während des schmerzvollen Kreuzwegs zu kurzer Rast auf dem Kreuzbalken niedergelassen hat. Viele müde Wanderer fanden hier schon Trost und neuen Mut. Beim Bildstock und bei der später errichteten Kapelle nahmen viele junge Lauinger Abschied, wenn sie in die Fremde zogen.

Eines Tages begleitete auch eine Witwe ihren Sohn, der sich auf die Wanderschaft machte, hinaus zum Bildstöcklein. Traurig war der Abschied, und lange noch blickte der Scheidende zurück, bis die weinende Mutter seinen Augen entschwand.

Viele Jahre waren seitdem vergangen, und der Tag der vorgesehenen Rückkehr war längst vorüber. Die untröstliche Mutter ging jeden tag hinaus zum „ruhenden Heiland“ und erleichterte dort ihr sorgenvolles Herz.

Als sie an einem schönen Sommerabend wieder einmal hinauspilgerte, lag neben dem Bildstock ein Mann schlafend im Gras. Seine zerissenen Schuhe und der staubige Anzug zeigten, dass er einen weiten Weg hinter sich hatte. Als die Frau nähertrat, wachte er auf. Wer könnte den Jubel der beiden beschreiben, als sich Mutter und Sohn erkannten. Sie umarmten sich, und der Sohn erzählte, wie sich seine Rückkehr durch eine längere Krankheit verzögert habe. Glücklich gingen beide heim. Der Sohn machte sich in Lauingen ansässig und arbeitete sich im Laufe der Jahre bis zu den höchsten Ehrenstellen empor. Aber das Bildstöcklein, bei dem er die Mutter verlassen und wieder gefunden hatte, vergaß er sein Leben lang nicht. Später ließ er an der Stelle des alten Bildstocks eine Kapelle aus Holz erbauen, die im Jahre 1750 durch die heutige steinerne ersetzt wurde.

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