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Kreis Dillingen

11.11.2017

Angenommen, in Gundremmingen passiert eine Katastrophe

Die Alarmierung im Katastrophenfall im Kernkraftwerk Gundremmingen wird am heutigen Samstag bei der Regierung von Schwaben geübt – fiktiv, der Bürger bekommt nichts davon mit. Auch Vertreter aus dem Landkreis Dillingen sind beteiligt, die Planungen laufen schon seit einem Jahr.
Bild: Bronnhuber

Die Alarmierung im Katastrophenfall im Kernkraftwerk Gundremmingen wird heute in Augsburg nachgestellt. Auch unser Landkreis Dillingen ist davon betroffen.

Es ist das Horrorszenario, das man sich erst gar nicht vorstellen will: die Alarmierung im Katastrophenfall im Kernkraftwerk Gundremmingen. Bei einer sogenannten Stabsrahmenübung am heutigen Samstag sind Mitarbeiter der Landratsämter Dillingen, Günzburg, Lindau, Oberallgäu, Ostallgäu und der Stadt Kempten sowie Vertreter der Polizeipräsidien Schwaben Süd/West und Schwaben Nord beteiligt. Auch das Landesamt für Umwelt, Vertreter des Kraftwerksbetreibers, verschiedene Hilfsorganisationen sowie Teilnehmer der Bundeswehr werden bei der Regierung von Schwaben, wo das Szenario „nachgespielt“ wird, vor Ort sein. Dazu werden Beobachter aus dem Innen-und Verkehrsministerium sowie weiterer bayerischer Behörden und auch Vertreter aus dem benachbarten Baden-Württemberg als Gäste anwesend sein. Dabei gibt es nicht viel zu sehen: Die Übung findet lediglich auf dem Computer statt, Feuerwehr, Hilfsorganisationen und andere Einsatzkräfte rücken tatsächlich nicht aus.

Für den Landkreis Dillingen sind Peter Bohmann, zuständig für den Brand- und Katastrophenschutz im Landratsamt, sowie Markus Tratzmiller, Kreisbrandinspektor, zuständig. Sie erklären uns, was ihre Aufgaben am heutigen Samstag sind und wie realistisch diese Übung tatsächlich ist.

Herr Bohmann, wie haben Sie sich auf diese Übung vorbereitet?

Bohmann: Im Landkreis Dillingen wird die Führungsorganisation bei Großschadensereignissen/Katastrophen regelmäßig besprochen und geübt. Es fanden auch in diesem Jahr bereits Übungen mit der Führungsgruppe Katastrophenschutz (FüGK) des Landratsamtes Dillingen statt.

Wie sieht der Ablauf heute aus?

Bohmann: Übungsbeginn ist um 9 Uhr. Eine bei der Regierung von Schwaben gebildete Übungsleitung wird die Übung führen. Um 15 Uhr ist das Ende angesetzt.

Wer hat welche Aufgabe?

Bohmann: Die Katastrophenschutzbehörden, sprich die Landratsämter, Regierungen und das Bayerische Staatsministerium des Innern, für Bau und Verkehr, leiten bei Katastrophen den Einsatz und stellen dabei sicher, dass alle Maßnahmen aufeinander abgestimmt sind. Eine in Augsburg gebildete Übungsleitung wird den Führungsgruppen (FüGK) in den Landratsämtern anhand des angenommenen Schadensszenarios Situationen schildern, die es zu bewältigen gilt. Federführend wird dabei die Führungsgruppe Katastrophenschutz bei der Regierung von Schwaben sein.

Herr Tratzmiller, Sie sind in Augsburg vor Ort. Was haben Sie zu tun?

Tratzmiller: Ich bin der Übungsleiter für unseren Landkreis. Das heißt: Ich spiele verschiedene Schadenszenarien, wie es in echt sein könnte, nach, und muss zugleich auch die Arbeit und Maßnahmen der Führungsgruppe Katastrophe des Landratsamtes Dillingen überwachen.

Wie haben Sie sich auf diese Stabsübung vorbereitet?

Tratzmiller: Ich musste mir Gedanken machen, was für Schäden entstehen können und welche Hilfsorganisationen alarmiert werden müssen. Ich musste mich an meine Feuerwehr-Ausbildung und Führungslehrgänge zurückerinnern und mir überlegen, wie ich mich als zukünftiger „im Voraus benannter örtlicher Einsatzleiter im Katastrophenfall“ verhalten würde. Seit Juli beschäftige ich mich damit. Fast jeden Tag gehe ich das Ereignis im Kopf durch, ob ich alles habe und damit ich nichts vergesse. Der Ablauf wurde zum Teil vorgegeben, ich musste es dann speziell für unseren Landkreis planen, Checklisten für mich erstellen, das Drehbuch ergänzen, Lagemeldungen vorschreiben und noch vieles mehr.

Das klingt sehr aufwendig.

Bohmann: Die Regierung von Schwaben plant seit circa einem Jahr diese Übung. Es müssen beispielsweise Firmen kontaktiert werden, die heute real angerufen und nach Kapazitäten abgefragt werden, um eine eventuelle Evakuierung der Bevölkerung durchzuführen – fiktiv natürlich. Es wurden extra Räumlichkeiten mit der nötigen Infrastruktur eingerichtet, es haben viele Abstimmungsgespräche und Telefonate stattgefunden. Die Übung geht heute rund sechs Stunden, da muss alles passen und jeder muss konzentriert arbeiten. Alles in allem ein riesiger Aufwand. In der Übungsleitung werden es allein circa 30 Personen sein. Der ganze Aufwand ist schließlich zum Schutz für die ganze Bevölkerung.

Wie realistisch ist solch eine Übung?

Bohmann: Ziel von Übungen ist, sich anhand von fiktiven Großschadensereignissen bestmöglich auf einen Ernstfall vorzubereiten, um dann durch gut funktionierende Abläufe rasch eine Hilfeleistung gewährleisten zu können. Insofern wird bei der Festlegung und Erarbeitung eines Übungsszenarios schon darauf geachtet, dieses möglichst an der Realität zu orientieren. Nachdem das Übungsszenario nicht im Detail bekannt ist, können wir die Frage in Bezug dieser konkreten Stabsrahmenübung leider nicht beantworten. Tratzmiller: Ich finde die Übung sehr realistisch. Hier haben wir keinen Hollywood-Science-Fiction-Film geplant, sondern ein Ereignis, das theoretisch wirklich passieren kann.

Wie wichtig ist solch eine Übung?

Tratzmiller: Bisher wurden meistens Planspiele am grünen Tisch geübt. Ob das aussagekräftig ist, bezweifle ich. Denn Papier ist geduldig. Kommt der Faktor Mensch mit dazu, wird es meiner Meinung nach erst realitätsnah. Denn dann passieren auch Fehler, Behörden müssen gut zusammenarbeiten, Absprachen müssen funktionieren usw. In erster Linie geht es mir darum, dass alle Beteiligten dieses Szenario ernst nehmen und mitarbeiten. Diese riesige Vorplanung ist ja nicht als Kasperletheater gedacht. Außerdem können so vorhandene Checklisten oder vorliegende Planungen gegebenenfalls verbessert und Schwachstellen entdeckt werden.

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