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Corona-Pandemie

04.05.2020

Ansturm auf die Friseure im Landkreis Dillingen

Haare schneiden mit Mundschutz: Auch im Friseursalon Schaller in Höchstädt gab es am Montag einen Ansturm der Kunden. Die Friseurinnen Anna Sinning (Vordergrund), Inhaberin Sigrid Schaller (rechts) und Tanja Böck (links) hatten alle Hände voll zu tun.
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Haare schneiden mit Mundschutz: Auch im Friseursalon Schaller in Höchstädt gab es am Montag einen Ansturm der Kunden. Die Friseurinnen Anna Sinning (Vordergrund), Inhaberin Sigrid Schaller (rechts) und Tanja Böck (links) hatten alle Hände voll zu tun.
Bild: Berthold Veh

Plus Waschen, Schneiden, Färben: Seit Montag haben die Friseure wieder geöffnet. Und die Kunden stürmen in die Läden im Landkreis Dillingen. Wie es mit Maske funktioniert.

Punkt 8 Uhr sind die ersten drei Kunden bei Sigrid Schaller auf den Stühlen gesessen – mit viel Abstand, Mundschutzmasken, Einwegumhängen und Einmalhandschuhen. Dann konnten die Höchstädter Friseurin und ihr Team wieder loslegen. „Endlich. Wir haben uns sehr auf diesen Tag gefreut“, sagt sie. Bis zum Wochenende sind laut Sigrid Schaller in ihrem Salon so gut wie alle Termine vergeben, sie hat alle Hände voll zu tun. „Bei den Männern sind die Haare zu lang und die Frauen brauchen dringend Farbe für die Ansätze“, erzählt sie.

Kurzarbeit, Kundentelefonate und Hygienemaßnahmen

Seit klar war, ab wann die Friseure wieder eröffnen dürfen, sei ihr Telefon nicht still gewesen. Darüber freue sich Sigrid Schaller, aber es gibt viele Änderungen. Denn die Corona-Krise erfordert spezielle Maßnahmen zum Schutz der Kunden und des Personals. „Wir haben beispielsweise weniger Bedienplätze und es gibt eine Desinfektionsstation“, schildert Schaller. Zudem müssen die Kunden nun Formulare ausfüllen. Die Maßnahmen sind viel umfangreicher. Dennoch: Die Freude der Wiedereröffnung überwiegt. Das sagt auch Kristin Wager, Chefin des Lauinger Studios „Kristin Senft“. Sie erinnert sich noch genau an den Moment, als Ministerpräsident Markus Söder verkündete, dass die Friseure schließen müssen. „Es war dann doch überraschend und von heute auf morgen“, sagt sie. Seither habe sie als Geschäftsführerin aber nicht weniger Arbeit gehabt: Kurzarbeit-Anträge stellen, Kundentelefonate führen und den Salon für den Tag der Wiedereröffnung vorbereiten. Auch bei ihr sei das Telefon für die ersten Termine heiß gelaufen.

Abstand halten und nicht ohne Termin in den Salon

Am Montag, an Tag eins, ging es von null auf hundert los. „Wir haben alle nötigen Maßnahmen umgesetzt. Die Menschen sind auch sehr gut informiert und warten vor dem Laden. Alle haben Masken auf und halten Abstand“, erzählt die Lauinger Friseurin. Dennoch sei die Arbeit eine Umstellung – vor allem aufgrund der Masken. Die Kunden, so Wager, müssen für manche Schnitte oder Farbwünsche die Ohrbändchen abmachen und mit der Hand die Maske festhalten. „Es ist eine neue Situation und jeder bewältigt sie anders. Ich versuche es mit Humor“, sagt sie.

Gute Stimmung haben auch Rita Weber und ihr Team. Im gleichnamigen Gundelfinger Haarstudio ging es ebenfalls am Montag los – aber noch nicht für die Kunden. Chefin Rita Weber erzählt, dass sie den ersten Tag nutzte, um ihr Personal einzuweisen. Und: „Wir haben uns gegenseitig die Haare gemacht. Denn auch wir waren ja nicht beim Friseur“, sagt sie und lacht am Telefon. Sie freue sich riesig, dass der Laden wieder geöffnet ist – trotz aller Veränderungen. „Die Maßnahmen schränken uns sehr ein. Kein Kaffee mehr, keine Zeitungen lesen und weniger Kunden. Es wird ruhiger und mögliche Lücken können nicht mehr spontan gefüllt werde“, sagt sie. Denn zum Friseur darf nur derjenige, der einen Termin hat. Einfach eintreten – verboten. Zudem müsse sie ihr Personal entzerren und schichtweise kommen lassen. „Es ist alles nicht ganz einfach, aber wir sind bereit und freuen uns, dass es losgeht.“

Einmalumhänge aus Plastik

Bei den derzeitigen Auflagen genießt Norbert Gollmitzer, dass er in seinem Salon „HaArs secandi“ in Wertingen ganz alleine steht. Klar ist auch er mit besonderen Auflagen konfrontiert. Gleichzeitig versucht er, diese so zu erfüllen, dass sie mit seinem Weltbild übereinstimmen. Einmalumhänge aus Plastik kommen für ihn so nicht in Frage. Stattdessen hat er sich einen ganzen Schwung zusätzlicher neuer Umhänge besorgt. „Die kommen in die Wäsche und alle Kunden bekommen einen frisch gewaschenen.“

Dass er Plätze und Utensilien nach jedem Haarschnitt gründlich reinigt, ist für den 54-Jährigen selbstverständlich. Doch brauche es das richtige Mittel. „Starke Desinfektionsmittel machen die Scheren und anderen Geräte kaputt.“ Bereits um 7.30 Uhr hat Norbert Gollmitzer am Montag seinen Salon aufgesperrt und den ersten Kunden erfreut. Die kommen bei ihm grundsätzlich nur auf Termin – im Normalfall gut verteilt auf fünf Tage. Für die nächsten beiden Wochen ist sein Terminkalender allerdings komplett voll. An sechs Tagen die Woche wird er zehn bis elf Stunden täglich Haare schneiden und färben. „Da wird es eine Kunst sein, jeden einzelnen Haarschnitt noch als einzelnes Kunstwerk wahrnehmen zu können“, vermutet der Wertinger Friseur.

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