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Säuglings-Prozess

22.07.2020

Anwältin Cornelia McCready: "So einen Fall hatte ich noch nie"

Cornelia McCready hat die Frau verteidigt, die ihr Baby in Unterglauheim ausgesetzt hat.
Bild: Andreas Schopf

Plus Cornelia McCready hat die Frau verteidigt, die ihr Baby in Unterglauheim ausgesetzt hat. Die Rechtsanwältin über einen besonderen Prozess, eine Mandantin auf dem geistigen Stand eines Kindes und den Hass im Internet.

Das Urteil ist gefallen. Die geistig eingeschränkte Frau, die im Juli 2019 ihr Baby in einer Wiese in Unterglauheim ausgesetzt hatte, muss sechs Jahre und drei Monate in Haft. So hat es das Augsburger Landgericht am Dienstag verkündet. Verteidigerin Cornelia McCready deutete nach der Verhandlung an, das Urteil wohl überprüfen lassen zu wollen. Im Gespräch mit unserer Redaktion erläutert die Anwältin aus Augsburg, warum – und blickt zurück auf einen außergewöhnlichen Prozess.

Säuglings-Prozess: Interview mit Anwältin Cornelia McCready

Frau McCready, Sie haben die Mutter verteidigt, die ihr Baby ausgesetzt hat. Wie beurteilen Sie im Rückblick den Prozess?

McCready: Der Prozess war für mich sehr schwierig. Ich hatte zum einen eine Mandantin, die in weiten Teilen nicht folgen konnte. Sie hat wie ein kleines Kind neben mir gezappelt und gefragt, wann es vorbei ist. Auf der anderen Seite war das Gericht, das der Meinung war, dass meine Mandantin sich verstellen würde und überhaupt nicht so erheblich intelligenzgemindert sei wie behauptet.

Anwältin Cornelia McCready: "So einen Fall hatte ich noch nie"

Hatten Sie in Ihrer Karriere jemals einen solchen Fall?

McCready: Einen solchen Fall hatte ich noch nie. Das war schon extrem. Meine Mandantin wirkte auf mich nicht wie eine Erwachsene, sondern wie ein Kind im Körper einer erwachsenen Frau.

Cornelia McCready: "Mandantin versteht wenig"

Wie kann man sich das Miteinander zwischen Ihnen und einer solchen Mandantin vorstellen?

McCready: Sie ist sehr freundlich, sehr gutmütig – und versteht sehr wenig. Man muss viel, viel erklären. Das ist, wie wenn man mit einem Kind arbeitet.

In den Kommentarspalten des Internets schlug der 32-Jährigen ziemlicher Hass entgegen. Wie war das Zusammenarbeiten mit einer Frau, die im Netz zum Teil als „Monster“ beschimpft wurde?

McCready: Das habe ich bei ganz vielen Mandanten. Wenn man zunächst liest, was geschehen ist, denkt man sich: Um Gottes willen, was kommt mir da entgegen. Und dann sieht man einen Menschen mit seinen Problemen, seinen Nöten. Sobald man den Menschen kennenlernt, ist es etwas ganz anderes als der Akteninhalt.

Interview: Cornelia McCready will Urteil überprüfen lassen

Sie haben die Angeklagte als Pflichtverteidigerin vertreten. Hatten Sie anfangs Bedenken, den Fall zu übernehmen?

McCready: Das war für mich keine Frage. Ich sehe die Verteidigung als wichtige Rolle des Rechtsstaats. Und das ist meine Aufgabe.

Sie werden das Urteil nicht akzeptieren, oder?

McCready: Ich möchte das Urteil sehr gerne überprüfen lassen. Das muss ich auch zum Wohl meiner Mandantin.

Finden Sie das Urteil unfair?

McCready: Dazu möchte ich mich nicht äußern.

Im Prozess um den ausgesetzten Säugling in Unterglauheim steht das Urteil fest: Die Mutter muss sechs Jahre in Haft. Wir haben mit Verteidigerin Cornelia McCready gesprochen.

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