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Prozess

26.08.2014

Anwalt legt Geständnis ab

Insolvenz verschleppt und Lieferanten betrogen. Welche Strafe ihm nun droht

Es sollte ein Neustart in eine rosige Zukunft werden. Und Rechtsanwalt Thomas U. war derjenige, in den die Beschäftigten der Gundelfinger Fleisch- und Wurstwarenfabrik Xaver Schwarz ihre Hoffnungen setzten. Nach der Insolvenz im Jahr 2008 übernahm der heute bundesweit bekannte Abmahnanwalt die Firma. Im März 2010 dann das endgültige Ende. Nachdem seit Monate Gerüchte um Liquiditätsprobleme die Runde machten, zog eine Zeitarbeitsfirma die Reißleine und stellte beim Insolvenzgericht in Nördlingen den Insolvenzantrag. Die Firma wurde geschlossen. Nun, mehr als vier Jahr später, muss sich der ehemalige Geschäftsführer Thomas U. wegen Insolvenzverschleppung und Betrugs vor dem Amtsgericht in Augsburg verantworten.

Am vierten Prozesstag hörte das Gericht unter Vorsitz von Richter Roland Fink gestern die ersten Zeugen. Am Vormittag hatte es bereits umfangreiche Gespräche zwischen Gericht, Staatsanwalt und den drei Verteidigern von Thomas U. gegeben. Nach dreistündiger Besprechung erklärte Richter Roland Fink schließlich, dass eine Bewährungsstrafe für den Fall eines Geständnisses möglich erscheine. Demnach habe Thomas U. dann mit einer Strafe von mindestens 20 Monaten und nicht über zwei Jahren zu rechnen. Als Bewährungsauflage fasste das Schöffengericht daneben eine Geldauflage von 80000 Euro, die bis Januar in zwei Raten zu bezahlen ist, sowie 80 Sozialstunden ins Auge.

Ab wann war die Firma zahlungsunfähig?

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Nachdem der Staatsanwalt im Anschluss einen Teil der Vorwürfe aus der Anklageschrift fallen ließ, waren wieder die Verteidiger von Thomas U. am Zug. Rechtsanwalt Dr. Jan Bockemühl erklärte für seinen Mandanten, dass die schon vor geraumer Zeit verlesene Anklageschrift objektiv und subjektiv eingeräumt werde. Insbesondere auch, was den darin genannten Zeitpunkt des Eintritts der Zahlungsunfähigkeit anbelangt. Der wird in der Anklageschrift auf den 1. März 2009 beziffert. Also auf knapp ein Jahr vor dem tatsächlichen Insolvenzantrag. Weil der Angeklagte in diesem Zeitraum weiterhin Ware bestellte, obwohl er wusste, dass er sie nicht mehr bezahlen konnte, wird ihm von der Staatsanwaltschaft auch Lieferantenbetrug vorgeworfen. Der entstandene Gesamtschaden wurde hier auf etwa 391000 Euro beziffert.

Als erste Zeugin sagte gestern die zeitweilig von Thomas U. eingesetzte kaufmännische Leiterin der Wurstfabrik aus, die vom Jahreswechsel 2008/2009 bis Ende August 2009 mit dieser Aufgabe betraut war. Sie bestätigte, dass es in dieser Zeit immer wieder Probleme bei der Liquidität gegeben habe. So habe man teilweise, wenn große Kunden nicht zahlten, die Löhne der Mitarbeiter erst mit Verspätung zahlen können. Gegen Jahresende, als es im Werk wegen ausstehender Löhne die ersten Arbeitsniederlegungen gab, habe es dann Verkaufsverhandlungen mit einer Firma gegeben, die in den vorangegangenen Monaten im großen Stil in Gundelfingen produzieren ließ, weil ihr eigenes Produktionsgebäude einem Brand zum Opfer gefallen war. Auch weil diese nicht immer fristgerecht gezahlt habe, sei die Schieflage entstanden. Zu diesem Zeitpunkt, Ende 2009, bestätigte die Zeugin auf Nachfrage, sei der Gerichtsvollzieher schon des öfteren im Haus gewesen. Trotzdem habe man im vierten Quartal ein sogenanntes Factoring-Unternehmen beauftragt, das die Firma zuvor auf Herz und Nieren geprüft habe. Daneben erklärte die Zeugin auf Nachfrage von Verteidigerin Ricarda Lang, dass mit einigen Lieferanten auch die Stundung von Zahlungen besprochen war. Das Gutachten, das den Eintritt der Insolvenz auf den 1. März 2009 datierte, war laut Lang aber von einem Zahlungsziel von 30 Tagen ausgegangen.

Mitgeschäftsführer stieg nach Problemen bald wieder aus

Der ehemalige Betriebsleiter und zeitweilige Mitgeschäftsführer von Thomas U. erklärte gestern im Zeugenstand, es habe von Beginn an Schwierigkeiten mit den Finanzen gegeben. „Es war immer wieder schwierig, den Betrieb vernünftig aufrecht zu erhalten.“ Dabei habe er sich zu Anfang auf die neue Aufgabe in dem „schönen und traditionsreichen Unternehmen mit sehr guten Produkten“ gefreut. Doch als er die Probleme bei Thomas U. angesprochen habe, sei er nur hingehalten worden, so dass er bereits nach fünf Monaten wieder ausstieg.

Das Verfahren gegen Thomas U. wird am Donnerstag um 9 Uhr im Augsburger Strafjustizzentrum fortgesetzt.

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