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Eppisburg

12.07.2019

Artenschutz: Warum kommen die Wiesenbrüter nicht?

Das ist ein Kiebitz. Der Vogel zählt zu den Wiesenbrütern und damit zur bedrohten Vogelart.
Bild: Horst von Weitershausen

Im Eppisburger Ried werden seit Jahren besondere Maßnahmen umgesetzt, damit sich Kiebitz, Brachvogel und Co. ansiedeln. Der Erfolg ist aber überschaubar. Jetzt beginnt die Ursachenforschung

Was braucht der Wiesenbrüter? Wo gefällt es ihm gut? Was können wir dafür tun, damit sich die Art bei uns wieder vervielfacht und zurückkommt? Seit vier Jahren werden im Eppisburger Ried besondere Maßnahmen umgesetzt, die genau diese Fragen beinhaltet. Das Wiesenbrüter-Brutplatzmanagement – so der Name des Biodiversitätsprojekts – ist 2015 ins Leben gerufen worden, auch bei uns im Landkreis Dillingen. Spezielle Brutplatzmanager haben auch an einem Eppisburger Weiher alles versucht, um die Tiere anzulocken. Der Erfolg ist überschaubar, wie diese Woche bei einem Termin mit den Verantwortlichen bekannt gegeben wurde.

Es kommen Zugvögel aus dem Süden

Susanne Kling und Harald Böck, beide Donautal-Aktiv, Anton Burnhauser, Projektkoordinator Wiesenbrüter Brutplatzmanagement im Auftrag der Regierung von Schwaben, Bettina Stoll, Wiesenbrüterberaterin vor Ort, kümmern sich um den Erhalt der bedrohten Vogelarten wie Kiebitz und Brachvogel. Vor Ort stellten sie sich den Fragen von Landwirten. Am Beispiel des Eppisburger Weihers erläuterte Kling, dass vor acht Jahren an einigen Uferstellen Flachwasser umgestaltet worden ist, damit die Vögel auf den entstandenen kleinen Kiesinseln ihre Nester bauen und ihren Nachwuchs aufziehen können. „Besonders geeignet sind die Inseln für die Kiebitznester“, ergänzt Harald Böck, doch kämen auch andere Zugvögel aus ihren Winterquartieren im Süden, um vor dem Weiterflug in ihre nördlichen Brutgebiete hier Rast zu machen und Nahrung aufzunehmen. „Unter den Rückkehrern aus dem Süden ist neben den Kiebitzen auch der Große Brachvogel“, sagt Anton Burnhauser. Früher sei er gerade ins Donauried als typischer Wiesenbrütervogel in Schwärmen gekommen, heute sei er nur noch selten anzutreffen.

Zusammenkunft im Rahmen des Biodiversitätsprojekts Wiesenbrüter-Brutplatzmanagement am Eppisburger Weiher im Bild von links: Robert Bunk, Bettina Stoll, Ulrich Fürbas, Anton Burnhauser, Susanne Kling, Johann Endres, Harald Böck, Ludwig Schaflitzel, Johannes Winkler jun.
Bild: Horst von Weitershausen

Als Grund nennen die drei Brutplatzmanager die intensiv bewirtschaftete Landschaft, in der die Tiere nur wenig Brutplätze und geeignete Lebensräume finden. Zu den letzten Rückzugsgebieten dieser Arten zählten in Bayern neben dem Donauried das Schwäbische Donaumoos sowie vereinzelte Feuchtgebiete in den Landkreisen Dillingen, Günzburg, Donau-Ries, dem Unter- und Oberallgäu, erläutert Susanne Kling. Im Landkreis Dillingen kümmere sich besonders Donautal-Aktiv, gemeinsam mit den Landnutzern, um die Sicherung von Gelegen und Lebensräume der Wiesenbrüter während der Brutzeit im Rahmen des Biodiversitätsprojekts. So werde gemeinsam mit den Landwirten vor Ort erörtert, welche Flächen später bearbeitet werden können, sagt Harald Böck, der seit Jahren überprüft, wo die Vögel ihre Nistplätze anlegen.

Es gibt Entschädigungen für die Landwirte

Meist geschehe dies in Bereichen nasser Mulden in Ackerflächen und Grünland, so der Ornithologe. In Absprache mit dem zuständigen Landwirt werde die Fläche bis zum 1. Juli nicht oder nur angepasst bearbeitet. Für die damit entstandenen Ertragseinbußen erhielten die Landwirte angemessene Ersatzgelder vom jeweiligen Landkreis als Entschädigung. „Denn Engagement und Aufwand der Landwirte müssen fair ausgeglichen werden“, sagt Kling. So hat beispielsweise Landwirt Johannes Winkler jun. seinen Mais in einem potenziellen Wiesenbrütergebiet einen Monat später eingesät und einen Hektar Ackerfläche am See überhaupt nicht bearbeitet. „Dennoch, trotz des großartigen Engagements, eine zahlenmäßige Zunahme von Kiebitz und Brachvogel hat sich in diesem Gebiet leider nicht feststellen lassen“, so Burnhauser. Und weiter: „Eher im Gegenteil“. So seien beispielsweise in diesem Jahr im Eppisburger Ried nur acht Kiebitzbrutpaare und zwei Brachvogelbrutpaare gezählt worden. Die Ursachen müssten weiter erforscht werden.

Was die Bauern und Jäger sagen

Die Landwirte und Jäger Johann Endres und Robert Bunk widersprachen. Ihrer Meinung nach sorgen Greifvögel und besonders Fuchs, Dachs, Marder und Rabenvögel dafür, dass die Gelege oder die Jungtiere vernichtet werden. Da würden Elektrozäune, wie sie im Umkreis von 50 Metern um die Nester angelegt worden seien, nicht helfen. Ein weiterer Grund sei der Faktor Mensch – Spaziergänger, Jogger. Die notwendige Ruhe bei der Vogelaufzucht fehle, sagen die Landwirte Ulrich Fürbas und Ludwig Schaflitzel.

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