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Atomkraftwerk Gundremmingen

11.03.2020

Atommüll: Wohin mit den radioaktiven Überbleibseln?

Auf dem Foto: Das Atomkraftwerk Gundremmingen.
Bild: B. Weizenegger

Plus Der Corona-Virus hält viele ab: Forums-Treffen befasst sich trotzdem mit einem anderen ebenso brisanten Thema

Die Zahlen und Zeiträume sind gigantisch, die Herausforderungen ebenfalls: Fast 2000 Transportbehälter für den verstrahlten Atommüll aus der zu Ende gehenden Kernkraftepoche stehen deutschlandweit da. Eine große Lagerstätte, die rund eine Million Jahre sicher halten soll, wird bis 2031 gesucht. Was Mitglied Elisa Akansu zum Treffen der 800 Mitstreiter zählenden Bürgerinitiative gegen das Zwischenlager Gundremmingen und nach ihren Recherchen unter anderem in Berlin im Gepäck hatte, ließ aufhorchen.

Entsorgung der höchst radioaktiven Überbleibsel

Doch die junge Expertin blieb bei ihrem Vortrag vor den vom Corona-Virus gelichteten Reihen sachlich und ohne alarmistische Ansätze. „Sprengstoff“ birgt das von ihr angeschnittene Thema schon genug, zumal sie in der Osteria zur goldenen Traube die nächsten Schritte zur Entsorgung der höchst radioaktiven Überbleibsel aufzählte.

Ein ebenso nüchtern vortragender Vorstandssprecher Raimund Kamm hatte zuvor einen „unruhigen Herbst“ angedeutet, denn laut Akansu soll im dritten Quartal ein Zwischenbericht der Atombehörden zur Standortsuche für das sogenannte Endlager erfolgen. Dabei könnten Regionen benannt werden, die sich nicht eignen oder dafür in Frage kommen. Kamm: „Dann dürfte es im Land scheppern und die Zeit der Lokalhelden anbrechen.“ Gemeint war die zu erwartende Abwehr in vielen Gebieten, die eventuell ins Spiel gebracht werden. Und da wird der langjährige Landtagspolitiker nicht müde, an die Verantwortung aller zu appellieren, die „lange von dem Strom aus Gundremmingen gut gelebt haben“. Noch schärfer: „Keiner darf sich bei der Lösung dieser Frage in die Büsche schlagen.“

AKW: Reaktionen an einem Standort in Niederbayern

Als schlechtes Beispiel nannte der streitbare AKW-Gegner die ablehnende Reaktion an einem Standort in Niederbayern, an dem man eigenes, aber im Ausland wiederaufbereitetes Material als „Fremdmüll“ abzuwehren versucht hatte. Fragen um die sichere Aufbewahrung versuchte die Referentin Akansu in kompetenter wie geduldiger Weise zu behandeln und verblüffte dabei auch mal mit der soliden Feststellung: „Vom Volumen her gesehen sind die tausenden Behälter vielleicht nicht mal das Problem bei der Lösung, es ist viel mehr der für den Menschen überaus gefährliche Inhalt.“ Auch den Faktor Zeit griff sie auf: „Wenn bis 2031 entschieden und nach dem Bau 2050 die Einlagerung vorgesehen sein wird, bedeutet dies, dass bei der oberirdischen Zwischenlagerung bis dahin unbedingt nachgerüstet werden muss.“

Bild: Günter Stauch

Apropos Inhalt: Offenes Misstrauen entwickelte sich während der Diskussion gegenüber dem Kraftwerksbetreiber, weil der Anfang des vergangenen Monats „einen geheimnisvollen Atommülltransport“ (Kamm) veranlasst hatte, dem in wenigen Tagen ein weiterer folgen soll. „Rechnerisch könnte man hiermit allen Menschen in Deutschland eine Dosis verpassen, die Lungenkrebs verursachen würde“, signalisierte der Forumssprecher hinsichtlich der enthaltenen Plutonium-Menge.

20 Jahre Forum

Zum Strahlen hatte der Wahl-Augsburger aus dem Ruhrgebiet dennoch Grund: „Sein“ Forum, das laut Vorstandsmitglied Ulli Brenner eigentlich als Frauenbewegung entstand, kann 20-jähriges Bestehen feiern. Beim Zwischenlager muss nachgelegt werden: Nach Expertengesprächen etwa in Berlin informierte Forums-Frau Akansu über die kommenden Schritte bei der Entsorgung. Unter den Zuhörern Sprecher Kamm.

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