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Dillingen

16.06.2017

Auch der Landkreis trauert um Helmut Kohl

Bundeskanzler Helmut Kohl nahm am 16. Juli 1997 vom früheren Landrat Anton Dietrich (rechts) in Dillingen den Europäischen St.-Ulrichs-Preis entgegen. Ihm applaudierten Ex-Bundesfinanzminister Theo Waigel (links) und der damalige Augsburger Bischof Viktor Josef Dammertz.
Bild: Marcus Merk

Der Altbundeskanzler, der am Freitag gestorben ist, hat 1997 in Dillingen den Ulrichspreis erhalten. Der Empfang für den prominenten CDU-Politiker war triumphal.

Die Nachricht hat am Freitagnachmittag auch im Landkreis Dillingen wie ein Lauffeuer die Runde gemacht: Altbundeskanzler Helmut Kohl ist im Alter von 87 Jahren gestorben. Viele Landkreisbürger erinnern sich noch genau an den 16. Juli 1997. Damals nahm der CDU-Politiker in Dillingen den Europäischen St.-Ulrichs-Preis entgegen. In der Donaustadt grassierte damals das „Kanzler-Fieber“. Und auch Landrat Leo Schrell erinnert sich noch genau an die Preisvergabe. „Das souveräne und staatsmännische Auftreten von Helmut Kohl hat mich sehr beeindruckt“, sagt Schrell. Für den ganzen Landkreis Dillingen sei der Kanzlerbesuch „ein herausragendes Ereignis“ gewesen.

Dillingen feierte Helmut Kohl als „Mann der Hoffnung“. So jedenfalls bezeichnete der damalige Landrat Anton Dietrich den Kanzler der Deutschen Einheit. Der habe die Idee von einer friedlichen europäischen Gemeinschaft zur Grundlage seiner Politik gemacht. Und der Ulrichspreis, so Dietrich, sollte Kohl ermutigen, „den Weg trotz aller Widerstände weiterzugehen“. Die Laudatio hielt der damalige Bundesfinanzminister Theo Waigel. Der CSU-Politiker stellte die friedenssichernde Wirkung des „Projekts Europa“ heraus. Waigel nannte Kohl einen „Europäer mit Herz und Verstand“.

Der Bundeskanzler genoss den triumphalen Empfang in Dillingen sichtlich. Als er in die Studienkirche schritt, erhielt der Kanzler stehend dargebrachte Ovationen. Beim Festakt im Goldenen Saal zeigte sich der CDU-Politiker nachdenklich und sprach fast leise. Er gedachte der Hochwasser-Opfer in Polen und dankte für die wundervoll gestaltete Ulrichsplakette, die er nach Bischof Alfons Nossol und dem einstigen österreichischen Außenminister Alois Mock als Dritter entgegennehmen durfte. Die Auszeichnung, so Kohl, sei für ihn ein „Zuruf, mach weiter so“.

Anschließend ging der Bundeskanzler winkend durch die Königstraße, am Rathaus vorbei – und durch die Basilika zum Stadtsaal. Als ein Jugendlicher den Bundeskanzler erstmals leibhaftig vor sich stehen sah, rief er erstaunt aus: „Mensch, ist der lang.“ Kohl gab sich leutselig. Er schüttelte vielen Bürgern die Hände. Im Stadtsaal war in großen Lettern zu lesen: „Dillingen grüßt den Bundeskanzler.“ Dort fanden sich 320 geladene Gäste zum Festmahl ein. Protokollchef Hermann Stark, der damalige Sprecher im Dillinger Landratsamt, hatte nichts dem Zufall überlassen. Er hatte sich nach den Vorlieben des prominenten Gastes erkundet. Und so wurden Helmut Kohl ein trockener Pfälzer Riesling, Donauwall-Zandersülze und Filetspitzen in Estragonrahm serviert.

Der Kanzler verließ schließlich euphorisiert die Donaustadt. Er sagte, Dillingen sei mehr als eine Reise wert gewesen.

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